Insulin: Ein unverdient schlechter Ruf – Teil 5: Die Kritiker zum Schweigen bringen

Insulin: Ein unverdient schlechter Ruf – Teil 5: Die Kritiker zum Schweigen bringen

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Von James Krieger | Benötigte Lesezeit: 10 Minuten

Die große Artikel-Reihe zum Thema Insulin sorgte mittlerweile für hitzige Diskussion in den sozialen Medien, diversen Webseiten und Foren. Ich habe mir einige der Debatten und unberechtigte Kritik angesehen, die von einigen Individuen geäußert wurde, welche sich an das „Kohlenhydrate sorgen für mehr Insulin, was wiederum für Fetteinlagerung führt“-Mantra zu halten scheinen. Meiner Meinung nach sind das klassische Fälle von kognitivem Geiz und daher möchte ich zu einigen der Bemerkungen der Kritiker in diesem Teil der Insulin-Reihe Stellung beziehen.

Insulin: Ein unverdient schlechter Ruf – Teil 5: Die Kritiker zum Schweigen bringen

Die Insulinausschüttung ist nicht das Problem

Einige Leute haben ihre Kritik damit begründet, dass meine Artikelserie nur auf gesunde Personen anwendbar ist, jedoch nicht auf Individuen, die an einer Glukoseintoleranz, Diabetes oder Übergewicht leiden. Diese Bedenken habe ich bereits im 2. Teil der Serie zerstreut, doch entweder haben die Kritiker diesen Teil nicht gelesen oder gekonnt ignoriert.

Die Untersuchungen, die ich zitiert habe, beschäftigten sich mit Protein und der Wirkung auf die Insulinausschüttung (1). Darin wurde gezeigt, dass Protein in übergewichtigen Personen zu einer größeren Insulinausschüttung führt, als in schlanken Individuen – und trotz alledem wissen wir, dass eine betonte Proteinzufuhr eben jenen Übergewichtigen dabei hilft an Gewicht zu verlieren (2). Offensichtlich stellt die Insulinausschüttung nicht das Problem dar.

Nebenbei bemerkt, wirkt eine Kombination aus Protein und Kohlenhydraten synergistisch auf die Insulinausschüttung (3), was zu einer stärkeren Insulinreaktion führt (im Vergleich zu einer Situation, wo beides getrennt aufgenommen wird). Dennoch gibt es genügend Untersuchungen, welche aufzeigen, dass eine proteinreiche, moderat- bis kohlenhydratreiche aber fettarme Ernährung vorteilhaft für Gewichtsverluste ist (2). Eigentlich würde man bei einer solchen Diät eine signifikante postprandiale (=nach einer Mahlzeit) Insulinausschüttung, basierend auf einer Kombi von Kohlenhydraten + Protein erwarten – aber sie führt zu einer Reduktion des Körpergewichts. Wieso?

Ganz einfach: Protein hat eine starke Sättigungswirkung, was dazu führt, dass die Leute einfach schneller satt sind und weniger essen (siehe hierzu den Artikel „Protein in der Diät: Warum Eiweiß satt macht“). Das bedeutet, dass es im Grunde genommen (langfristig) auf die Energiebilanz ankommt und nicht auf die (akute) Insulinausschüttung – denn auch Insulin muss sich den Gesetzen der Physik unterwerfen.

Wieso sind Milchprodukte eigentlich unproblematisch?

Um eingehender zu demonstrieren, wie diese Daten auf alle Individuen zutreffen (und nicht nur die Gesunden), sollten wir noch einmal einen näheren Blick auf die Wirkungsweise von Insulin beim Verzehr von Milchprodukten werfen. Darüber habe ich im 3. Teil der Serie ausführlich geschrieben.

Milchprodukte können genauso insulinogen (↑Ausschüttung von Insulin) wirken, wie kohlenhydratreiche Lebensmittel (z.B. Weißbrot) – wenn nicht sogar noch stärker. Falls eine erhöhte postprandiale Insulinsekretion ein Problem für Übergewichtige, Typ 2 Diabetiker und glukoseintolerante Menschen darstellt, dann würde man erwarten, dass der Verzehr von Milchprodukten für diese Population ebenfalls problematisch ist. Sie sind es allerdings nicht. Ernährungsformen, die reich an Milchprodukten sind, beeinträchtigen den Gewichtsverlust oder die Blutzuckerkontrolle in übergewichtigen Menschen nicht (4). Im Gegenteil: Sie verbessern die Insulinsensitivität und lindern einen potenziellen Gewichtszuwachs ab (Tier-Modell, (5)).

Darüber hinaus wissen wir, dass eine hohe Aufnahme von Milchprodukten mit einem geringeren Risiko für die Entwicklung eines metabolischen Syndroms und Typ 2 Diabetes korreliert (6). Auch hier wird also deutlich: Eine erhöhte (akute) Insulinausschüttung ist nicht das Problem, für das es viele halten – und das selbst für Menschen mit gesundheitlichen Problemen.

Ist die Kombination von hoher Insulinausschüttung und hohem Blutzuckerspiegel das Problem?

Einige Kritiker haben behauptet, dass eine Kombination aus einem hohen postprandialen Insulinspiegel und ein hoher postpandrialer Blutzuckerspiegel das Problem ist (und nicht das Insulin an sich).

Doch wenn dies wirklich so problematisch wäre, dann würde wir trotz alledem erwarten, dass Milchprodukte zu einem Gewichtsanstieg und Fettzuwachs beitragen würden, da viele Personen Milchprodukte zusammen mit anderen Lebensmitteln verzehren, die den Glukosespiegel ansteigen lassen (die meisten Menschen verzehren Milchprodukte selten alleine; Kraftsportler, die sich eimerweise Quark reinschaufeln, mal ausgenommen). Eine Vielzahl von Untersuchungen zeigt allerdings, dass Milchprodukte das Risiko für einen Gewichtszuwachs nicht erhöht und sogar das Potenzial hat, bei der Gewichtsreduktion zu helfen (siehe auch hier den 3. Teil). Und das obwohl Milchprodukte mit Lebensmitteln verzehrt werden, die den Blutzuckerspiegel nach oben schießen lassen.

Das eigentliche Problem ist doch, dass die Kritiker eine viel zu reduktionistische Perspektive hinsichtlich Insulin und Fetteinlagerung einnehmen. Da Insulin die Glukoseaufnahme von Fettzellen (und Muskelzellen) erhöht und weil es gleichzeitig die Lipolyse hemmt, kommen die Kritiker zu dem Fazit, dass eine Kombination aus viel Insulin und viel Glukose automatisch zu einem Fettzuwachs führt. Diese Ansicht ist jedoch falsch. Tatsächlich sorgen Milchprodukte für eine geringere Glukoseaufnahme in Fettzellen und führen damit zu einem geringeren Fett- und Gewichtszuwachs (7). Die Sache ist also keinesfalls so einfach, wie es sich viele gerne machen.

Low Carb Diäten funktionieren nicht primär deswegen, weil sie die Insulinausschüttung minimieren, sondern weil sie ein Kaloriendefizit bedingen. Eine LC Diät ist gut, wenn du sie problemlos befolgen kannst, aber es ist keine Wunderdiät.

Low Carb Diäten funktionieren nicht primär deswegen, weil sie die Insulinausschüttung minimieren, sondern weil sie ein Kaloriendefizit bedingen. Eine LC Diät ist gut, wenn du sie problemlos befolgen kannst, aber es ist keine Wunderdiät. (Bildquelle: Fotolia / Kaspars Grinvalds)

Ist die Hemmung der Lipolyse (= Fettverbrennung) durch Insulin das Problem?

Ein Kritiker hat auf meine Diskussion zur Hemmung der Lipolyse durch Insulin hingewiesen und darauf bestanden, dass dies der Mechanismus ist, der dazu führt, dass Insulin dick macht. Gleichzeitig erwähnte er jedoch, dass ein hoher Insulin- und Blutzuckerspiegel das Problem sei und nicht Insulin an sich. Was denn jetzt? Hü oder Hott?

Offensichtlich ist die letztere Annahme falsch (siehe die vorherigen Sektionen). Und was die erste Aussage betrifft: Auch hier haben wir es mit einer (zu) reduktionistischen Ansicht des Sachverhalts zu tun. Ja, Insulin hemmt die Lipolyse, doch es braucht nur geringe Mengen an Insulin, um dies zu bewirken. Das sagt uns aber rein gar nichts darüber aus, was in einer längeren Periode (z.B. 24 Stunden) passiert. Es bezieht nicht die Wirkung der unzähligen anderen Hormone und Zusatzfaktoren ein, die parallel auf das Fettgewebe einwirken. Aber nicht nur das – wenn die erste Annahme stimmen würde, dann würden wir (wieder einmal) erwarten, dass Milchprodukte zu einem Fettzuwachs in Tier und Mensch führen. Doch wir wissen, dass das nicht stimmt.

Geht es hier nur um die Wirkung von Flüssignahrung?

Wiederum andere Kritiker führen an, dass ich im 1. Teil der Serie Studien anführe, in denen Flüssignahrung (statt fester Nahrung) studiert wird. Stimmt leider nicht. Einige Untersuchungen wurden mit fester Nahrung durchgeführt (z.B. diese (1) und diese (8)).

Sorgen Proteine immer für eine hohe Insulinreaktion?

Eine dritte Gruppe von Kritikern hat sich eines Strohmann-Arguments bedient und behauptet, dass ich sagen würde, dass Protein genauso insulinogen wirkt, die Kohlenhydrate. Um im O-Ton zu bleiben: „Ich kann nicht glauben, dass Krieger versucht zu erzählen, dass Protein zu einer größeren Insulinausschüttung führt, als Zucker.“ Wer genau liest, der stellt fest, dass ich gesagt habe, dass Protein genauso stark insulinogen wirken kann wie Kohlenhydrate („kann“ ist hierbei das Schlüsselwort).

Klar, wenn du einen Durchschnitt aus allen Lebensmitteln nimmst, dann sorgen Kohlenhydrate für die größte Insulinsekretion. Auf Platz 2 landet Protein. Wenn du jedoch damit beginnst dir die Lebensmittel einzeln vorzunehmen, dann wirst du feststellen, dass einige Proteinquellen zu einer ähnlichen Insulinreaktion führten, wie kohlenhydratreiche Lebensmittel (sogar zu solchen ähnlichen, wie sie normalerweise durch schnelle Kohlenhydratquellen verursacht werden, die zu einem hohen Anstieg des Blutzuckerspiegels führen). Und hierbei lassen wir sogar noch den synergistischen Effekt der Kombination von Kohlenhydraten und Protein aus, wenn beides gemeinsam verzehrt wird. Trotz alledem zeigen Untersuchungen, dass Gewichts- und Fettverluste möglich sind, wenn beides konsumiert wird.

Weitere Fehlannahmen bzgl. Insulin

Ein spezieller Kritiker bediente sich gleich einer ganzen Armee von Strohmann-Argumenten (sowie anderer Denkfehler). Zuerst behauptete er: „Anders als Krieger es aussagt, beginnt die Insulinausschüttung erst dann, wenn du das Essen in deinen Mund stopfst … es ist einfach falsch zu sagen, dass die Insulinsekretion erst dann einsetzt, wenn Glukose im Blut auftaucht.“ Dieses Individuum bezieht sich auf die cephalische Phase der Insulinsekretion (9) und das Statement ist deswegen ein Strohmann-Argument, weil ich an keiner Stelle jemals die Existenz der cephalischen Phase der Insulinsekretion geleugnet habe. Auch habe ich nie die Aussage getätigt, dass die Insulinausschüttung erst dann einsetzt, wenn die Glukose in den Blutkreislauf eintritt.

Diese Person sagt anschließend, dass niemand behaupten würde, dass eine kohlenhydratreiche Ernährung zu chronisch erhöhten Insulinspiegeln führe. Leider bin ich mir nicht sicher, was der Typ da gelesen hat, aber ich habe eine solche Aussage bereits von einer Vielzahl von Individuen im Internet gehört – darunter auch diversen Low Carb Gurus. Okay, vielleicht hat diese Person eine solche Aussage nicht getätigt, aber es gibt Menschen, die das wirklich glauben und verteidigen.

Weiter stellt die Person folgende Behauptung auf: „Unser Argument ist, dass hohe Insulinspiegel zu einer verstärkten Fetteinlagerung führen.“ Wenn dieses Statement zu 100% wahr wäre, würden Milchprodukte die Fetteinlagerung begünstigen, was sie allerdings nicht tun. Gleichzeitig würde es bedeuten, dass man durch den Insulinspiegel zukünftige Gewichtszuwächse vorhersagen könnte, wenn diese Aussage stimmt. Zahlreiche prospektive Studien schaffen es jedoch nicht eine Beziehung zwischen dem basalen und/oder postprandialen Insulinspiegel und zukünftigen Gewichtszuwächsen vorherzusagen (10).

Tatsächlich zeigen die Studien sogar, dass ein höherer Insulinspiegel einen geringeren Gewichtszuwachs in übergewichtigen Personen prognostiziert. Dennoch kann man anhand des Insulinspiegels einen Gewichtsverlust nicht eindeutig vorhersagen (11). Daraus folgt, dass das Konzept des „Insulin sorgt automatisch für eine Fetteinlagerung“ von wissenschaftlichen Daten nicht gestützt wird.

5.000 kcal in Kuchenform ist leichter einzunehmen, als 5.000 kcal auf Steak. Das liegt vor allem an der Darreichungsform (Fest/Zäh Vs. Weich) und dem Proteingehalt. Vergessen tun viele, dass Junk Food meistens nicht zu 100% aus Kohlenhydraten besteht, sondern aus einer Kombination aus Kohlenhydraten und Fetten.

5.000 kcal in Kuchenform ist leichter einzunehmen, als 5.000 kcal auf Steak. Das liegt vor allem an der Darreichungsform (Fest/Zäh Vs. Weich) und dem Proteingehalt. Vergessen tun viele, dass Junk Food meistens nicht zu 100% aus Kohlenhydraten besteht, sondern aus einer Kombination aus Kohlenhydraten und Fetten. (Bildquelle: Fotolia / Ryba Sisters)

5.000 kcal aus Protein Vs. 5.000 kcal aus Kohlenhydraten / Fett?

Ebenfalls auf den 1. Teil der Serie bezogen – und dort auf meine Aussage darüber, dass der Verzehr von Olivenöl oder Haushaltszucker im Wert von 5.000 Kilokalorien nicht besonders appetitlich ist – versuchte dieselbe Person zu widersprechen, indem sie behauptete, dass es schwierig sei 5.000 Kilokalorien in Form von Steak zu verzehren, jedoch sei es leicht auf dieselbe Menge an Kilokalorien zu kommen, wenn man Kuchen oder ähnliche kohlenhydratreiche Lebensmittel verzehren würde.

Genau – es ist nicht leicht 5.000 kcal in Form von Steak zu verzehren, weil es einfach so viel Protein enthält und weil es sehr viel Kauarbeit involvieren würde, bei der du vermutlich bereits an Altersschwäche gestorben wärst, bevor du die Menge verschlungen hättest. Auf der anderen Seite könnte ich jedoch locker 5.000 Kilokalorien in Form von Vollfett-Salatdressing runterstürzen und es wäre nicht einmal schwer sich eine solche Menge einzuverleiben.

Ich würde es sogar ziemlich einfach finden (aufgrund der Energiedichte) 5.000 kcal in Form von Kuchen zu verzehren. In dem Abnehmprogramm, welches ich nebenher betreue, hatten wir es mit einer Klientin zu tun, die kein Gewicht verlor und die felsenfest darauf schwörte, dass sie sich an die Richtlinien hielt. Schließlich platze ihr Ehemann irgendwann damit heraus, dass die Gute sich jeden Tag 8 Esslöffel mit Erdnussbutter gönnte – das sind knapp 1.000 kcal pro Tag, die sie nirgendwo aufführte.

Acht Esslöffel Erdnussbutter lassen sich vergleichsweise leicht verzehren und liefern eine große Anzahl an Kalorien, obwohl dieses Lebensmittel größtenteils aus Fett besteht und einen geringen Kohlenhydratgehalt aufweist. Die Leichtigkeit, mit der bestimmte Lebensmittel verzehrt werden können, hängt im Wesentlich von ihrer Bekömmlichkeit, dem Proteingehalt, der Darreichungsform (Fest Vs. Flüssig), dem Wassergehalt, der Energiedichte, dem Ballaststoffgehalt und natürlich auch dem Kohlenhydratgehalt ab.

Hochglykämische Kohlenhydrate, Sättigung & Appetit

Die Person sagte, dass Insulin „einen hungrig mache, weil es zu Insulinschwankungen und – wenig später – zu einer Hypoglykämie (Unterzucker) führt“. Nun, nein – Insulin führt nicht zu Insulinschwankungen und ich glaube, er bezog sich dabei eher auf die Kohlenhydrate (Glukose). Man hört sehr oft die Behauptung, dass hochglykämische Lebensmittel zu einem rapiden Anstieg des Blutzucker- und Insulinspiegels führen, gefolgt von einem Crash, der Hunger induziert. Dieses Konzept wird von der Wissenschaft jedoch nicht vollständig unterstützt.

Hochglykämische Lebensmittel besitzen nicht zwangsweise eine geringe Sättigungswirkung; eine Studie bewertete Lebensmittel beispielsweise hinsichtlich ihrer Fähigkeit zur Sättigung und fand dabei heraus, dass einige hochglykämische Lebensmittlel, wie z.B. Kartoffeln oder Weißer Reis, zu den sättigendsten Produkten gehören, die überhaupt getestet wurden (12). (Falls es dich interessiert: Basierend auf dieser Studie hat Damian auf Metal Health Rx einen ausführlichen Beitrag zu den 10 sättigendsten Lebensmitteln verfasst). Eine weitere Studie konnte einen weiteren schwachen Zusammenhang zwischen der glykämischen Reaktion beim Frühstück und der Energiezufuhr zum Mittag finden (13), jedoch fand man keinen Zusammenhang zwischen der Insulinreaktion zur Mahlzeit und der Energiezufuhr zum Mittag.

Eine Meta-Analyse, die sich mit Blutzucker und Appetit beschäftigt hat, konnte keine Korrelation beobachten (14). Höhere Insulinspiegel wurden jedoch mit einem verringerten Hungergefühl in Verbindung gebracht.          

Die humane Appetitkontrolle ist überaus komplex und es ist nicht so einfach, wie „Glukose erhöht sich, Insulin erhöht sich, Glukose crasht und Hunger steigt.“ Selbst wenn das Letztere zutreffen würde (was nicht von der Wissenschaft gestützt wird), dann steht immer noch die Tatsache im Raume, dass niemand kohlenhydratreiche Lebensmittel alleine verzehrt. In der Regel werden die Lebensmittel mit anderen Produkten verzerrt, was wiederum die Blutzucker- und Insulinreaktion verändert.

Wieso sind Diabetiker immer hungrig?

In der Kritik heißt es weiterhin: „Typ 2 Diabetiker sind oft immer noch hungrig, obwohl ihr Blutzuckerspiegel auf einem konstant hohen Niveau liegt. Wieso sind Diabetiker also hungrig, wenn Insulin so eine gute Sättigungwirkung?

Typ 2 Diabetiker verfügen über eine Insulinresistenz im Gehirn, was die Signalwirkung von Insulin beeinträchtigt, so dass das Gehirn keine Benachrichtigung darüber erhält, dass es die Nahrungszufuhr doch bitte drosseln solle.

Übergewichtige Menschen haben häufig (nicht immer) einen erhöhten Insulinspiegel. Ist Insulin die Ursache für Übergewicht oder doch eher die Folge eines chronischen Kalorienüberschusses und der Insulinresistenz?

Übergewichtige Menschen haben häufig (nicht immer) einen erhöhten Insulinspiegel. Ist Insulin die Ursache für Übergewicht oder doch eher die Folge eines chronischen Kalorienüberschusses und der Insulinresistenz? (Bildquelle: Fotolia / kwanchaichaiudom)

Insulin, Protein und Gluconeogenese

Zudem sagt die Kritikerin, dass „Kohlenhydrate nahezu alleine für Insulin verantwortlich sind.“ Das ist auch das, was Gary Taubes in seinem Buch gesagt hat – Wort für Wort. Hierbei bezieht sie sich auf eine Studie, die ich angeführt habe (3) und wo ich behauptet haben soll, dass 75 Gramm Kohlenhydrate noch als „low carb“ durchgeht. Eine solche Aussage habe ich nie getätigt; die Studie wird so ausgewiesen und das habe ich eindeutig in diesem Paragraphen gesagt:

„Man könnte nun einwerfen, dass die „Low-Carb“-Situation/Mahlzeit nicht wirklich kohlenhydratarm war, da sie immer noch 75 Gramm Kohlenhydrate enthielt, aber das ist nicht der Punkt. Der Punkt ist, dass die kohlenhydratreiche Situation fast DOPPELT so viele Kohlenhydrate enthielt und einen HÖHEREN Blutzuckeranstieg verursachte, die Insulinsekretion jedoch trotzdem etwas NIEDRIGER war. Das Protein war ein mindestens gleichstarker Stimulus für das Insulin, wie die Kohlenhydrate.“Quelle

Die Tirade wird fortgesetzt und man stürzt sich auf meine Kommentare, die sich darauf beziehen, wie einige Verfechter aus der Low Carb Community behaupten, dass die Insulinreaktion bei Protein durch die Gluconeogenese hervorgerufen wird. Die Dame sagt: „Und dann sagt er, dass ´einige´ sagen könnten, dass dies durch die Gluconeogenese hervorgerufen wird. Wirklich? WER würde eine solche Begründung anführen, wenn sein Getränk bereits KOHLENHYDRATE enthält!“ Diese Kritikerin hat rein gar nichts verstanden und sollte sich die Paragraphen durchlesen, die sich mit dem Insulinspiegel im Blut und der Glukosereaktion beschäftigen.

Zuerst einmal war der Kohlenhydratgehalt im Getränk sehr niedrig (lediglich 11 Gramm) und die Veränderung im Blutzuckerspiegel wird minimal sein. Es gab jedoch eine starke Insulinreaktion. Das bedeutet, dass die Insulinreaktion nicht infolge der Blutzuckerreaktion zu Stande kam. Und das widerspricht den Behauptungen einiger Low Carb Befürworter, welche anführen, dass die Insulinreaktion, die durch Protein hervorgerufen wird, durch eine Gluconeogenese zu Stande kommt (Umwandlung von Protein zu Glukose, was Insulin erhöht). Ich habe meinen Standpunkt untermauert, indem ich eine Studie zitiert habe, die gezeigt hat, dass Aminosäuren auf direkte Art und Weise die Insulinproduktion stimulieren (15).

Erhöhte Insulinspiegel = Folge von Übergewicht & Insulinresistenz

Schlussendlich wird von der Kritikerin gesagt: „Das Komische an der Sache ist, dass diese Studie zeigt, was wir die ganze Zeit schon sagen, also dass übergewichtige Menschen eine höhere Insulinreaktion zu einer identischen Mahlzeit zeigen, als schlanke Personen. Und das wird für beides gelten – Protein UND Kohlenhydrate, aber Krieger redet nur über Protein an dieser Stelle. Dies stützt unser Argument, wonach Insulin für einen Gewichtsanstieg verantwortlich ist.“ Die Dame begeht den klassischen Denkfehler, bei dem man die Korrelation mit Kausalität verwechselt.

Die Tatsache, dass übergewichtige Menschen mit hohen Insulinspiegeln zu kämpfen haben, bedeutet nicht, dass hohe Insulinspiegel für die Übergewichtepidemie verantwortlich sind; sie korrelieren schlicht und ergreifend. Und: Nicht alle Übergewichtigen leiden an hohen Insulinspiegeln. Erhöhte Insulinspiegel sind nicht für das Übergewicht verantwortlich, sondern viel eher die Folge von Übergewicht und Insulinresistenz, welche das Ganze oftmals begleiten. Und eine Insulinresistenz führt u.a. zu erhöhten Insulinspiegeln in fettleibigen Personen (der hohe Insulinspiegel ist die Kompensationsmaßnahme des Körpers infolge der Insulinresistenz).

Im sechsten und letzten Teil werde ich einige der vorgebrachten Kritiken noch weiter ausführen und darauf eingehen, wie Insulin den Blutzucker reguliert.

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Über James Krieger

James Krieger ist der Begründer von Weightlology. Er hält einen Master-Abschluss in Ernährung von der University of Florida und einen zweiten Master-Abschluss der Washington State University. Er ist der ehemalige Forschungsdirektor für ein unternehmerisches Programm zum Gewichtsmanagement, welches mit über 400 Menschen pro Jahr gearbeitet hat, wobei ein durchschnittlicher Gewichtsverlust von 18 kg in 3 Monaten erreicht wurde.

James ist ein publizierter Wissenschaftsautor und Sprecher im Bereich von Training und Ernährung. Seine Forschungsarbeiten wurden bereits in zahlreichen prestigehaften wissenschaftlichen Journals, darunter dem American Journal of Clinical Nutrition und Journal of Applied Physiology veröffentlicht.

James ist seit über 20 Jahren auf den Gebieten von Gesundheit, Ernährung und Fitness unterwegs und hat insgesamt mehr als 500 Artikel veröffentlicht. Er ist ein starker Gläubiger der evidenz-basierten Ansätze bezüglich der Transformation des Körpers und Gesundheit.

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Bildquelle Titelbild: Fotolia / Romolo Tavani


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