F.A.Q. #17: Hilft Abnehmen gegen Cellulite (Orangenhaut)?

F.A.Q. #17: Hilft Abnehmen gegen Cellulite (Orangenhaut)?
(Zuletzt aktualisiert am: 1. Mai 2018 )

Von Damian N. Minichowski | Benötigte Lesezeit: 5 Minuten |


Cellulite, häufig auch Orangenhaut genannt, stellt für viele Frauen ein Problem dar und ist häufig auch der Grund, wieso mit Diät und Sport begonnen wird. Doch ist das bloße Abnehmen eine sinnvolle Strategie, wenn es darum geht die Symptome zu lindern oder Cellulite gar gänzlich verschwinden zu lassen?

Das erörtern wir im mittlerweile 17. Teil unserer F.A.Q. Reihe.

F.A.Q. #17: Hilft Abnehmen gegen Cellulite (Orangenhaut)?

Cellulite – Was ist das überhaupt?

Vorab: Cellulite sollte keinesfalls mit der Cellulitis verwechselt werden. Bei Letzterem handelt es sich um eine akute Entzündung des Unterhautgewebes, die durch eine bakterielle Infektion verursacht wird (daher die Endung auf –itis, die in erster Linie einen Entzündungszustand beschreibt).

Entzündungen können zwar bei der Entstehung von Cellulite ebenfalls eine Rolle spielen, doch sind die Folgen in diesem Fall eher kosmetischer Natur (sprich: Es sieht unschön aus). Betroffen sind hauptsächlich Frauen (so zirka 85-98% der Betroffenen mit +20 Jahren sind weiblich). Bei Männern kann Cellulite als Begleiterscheinung anderer Erkrankungen, wie z.B. Hypogonadismus (Testosteronmangel) auftreten.

Weitere Faktoren, die bei der Entstehung eine Rolle spielen, sind – neben dem Geschlecht – die ethnische Herkunft sowie die genetische Prädisposition.

Cellulite wird in 4 „Schweregrade“ (nach Ausprägung) klassifiziert:

  • Cellulite Grad 0: Glatte Hautoberfläche im Stehen und Liegen. Falten- und Furchenbildung beim Kneifen der Hautoberfläche, jedoch keine typische „Orangenhaut“.
  • Cellulite Grad 1: Glatte Hautoberfläche im Stehen und Liegen. Beim Kneifen der Haut zeigt sich die typische Orangenhaut.
  • Cellulite Grad 2: Glatte Hautoberfläche im Liegen. Im Stehen zeigt sich die typische Orangenhaut.
  • Cellulite Grad 3: Sowohl im Liegen, als auch im Stehen, zeigt sich die typische Orangenhaut.

Cellulite: Entstehung und Ursachen

Schwaches Bindegewebe (zwischen Dermis und Subcutis) gilt gemeinhin als Hauptursache für Cellulite, wodurch die Entstehung von Dellen und Grübchen auf der Haut gefördert wird. Im Grunde genommen stülpt sich das subkutane Fettgewebe einfach nur nach Außen (subkutan = unter der Haut).

Cellulite: Entstehung und Ursachen

Was passiert eigentlich bei der Entstehung von Cellulite? Bei schwachem Bindegewebe stülpt sich das subkutane Fettgewebe nach Außen. Es entstehen Grübchen und Dellen. (Bildquelle: Wikimedia / Keegan Hurd ; CC Lizenz)

Cellulite: Behandlungsmöglichkeiten

Es gibt zahlreiche Geheimtipps und Methoden, mit deren Hilfe die Entstehung und das Bestehen von Cellulite eingedämmt werden soll – angefangen bei Hautcremes, welche die „Gewebsstraffung“ fördern sollen, bis hin zu chirurgischen Eingriffen, wie der laserunterstützten Lipolyse und Fettabsaugung.

Da Cellulite aber multifaktorielle Ursachen hat und die Entstehung auch genetisch bedingt ist, erweisen sich diese Methoden im besten Fall nur temporär als effektiv (im besten Fall).

Hilft Abnehmen / Diät gegen Cellulite?

Es gibt eine Untersuchung, welche den Effekt eines Gewichtsverlusts bei 51 Teilnehmerinnen auf die Cellulite Symptomatik hin untersucht hat. Darin konnten Small et al. (2006) zwar zeigen, dass sich das Hautbild bei einer Reduktion des Körpergewichts durchaus verbessern kann, doch dass dieser Effekt nicht für alle Personen zutrifft [2].

Es scheint ganz so, als würde der Schweregrad der Cellulite eine wichtige Rolle spielen, ob eine Verbesserung der Symptome erzielt werden kann oder nicht. Teilnehmerinnen, die zu Beginn der Untersuchung einen hohen BMI und einen hohen Schweregrad der Cellulite aufwiesen, konnten das Hautbild markant verbessern, sofern sie eine signifikante Menge an Körpergewicht verloren haben und den Körperfettanteil in den betroffenen Partien (Beine) reduzieren konnten [1][2].

Wer dagegen bereits zu Beginn des Experiments relativ dünn war und/oder den Fettanteil in den betroffenen Regionen nicht in nennenswertem Umfang senken konnte, verzeichnete lediglich eine Abnahme der Hautspannung [1][2].

Hilft Abnehmen / Diät gegen Cellulite?

Hilft das Abnehmen bei der Linderung von Cellulite? Nun, das hängt von der Ausgangssituation ab. Wer einen hohen  Körperfettanteil + Schweregrad aufweißt, der hat relativ gute Chancen auf eine Verbesserung. (Bildquelle: Smalls et al. (2006))

Aus diesem Studienergebnis können wir also schließen: Die Reduktion des Körpergewichts, z.B. durch eine Diät, führt nicht automatisch zu einer Verbesserung des Hautbildes, wenn es um Cellulite geht. Eine erhebliche prozentuale Reduktion der Fettmasse in der betroffenen Region ist vonnöten, um sichtbare Ergebnisse zu erzielen (bei ansonsten gleich bleibendem Muskelanteil – sonst geht der Tonus flöten!)

Darin wird klar, dass ein reiner „Diätansatz“ (ohne Krafttraining) nicht zu einem befriedigenden Resultat führen wird, da der Körper in der Regel bei einem Kaloriendefizit auch Muskulatur einbüßt. Sinken Körpergewicht, Fettanteil und Muskelmasse, so kann dies zu einer fehlenden Hautspannung beitragen. (An dieser Stelle möchte ich alle dazu ermuntern nach dem sogenannten „Skinnyfat“-Syndrom zu googlen – denn genau dorthin geht die Reise in der langen Frist, wenn nur diätet wird).

Hilft Krafttraining gegen Cellulite?

Eine intensive Recherche brachte mich zu dem Fazit, dass es zu dieser Thematik (leider) keine wirklich brauchbaren Studien gibt, insofern basiert dieser Abschnitt auf dem guten alten gesunden Menschenverstand, der sich auf die Ergebnisse der Small-Studie bezieht (wo im Übrigen leider kein Krafttraining absolviert wurde!).

Die Ursachen von Cellulite sind zwar multifaktoriell, doch das Ergebnis ist stets das Gleiche: Fettmasse wird infolge eines schwachen Bindegewebes nach außen gedrückt.

Nüchtern betrachtet kannst du deine Haut nur mit 2 Substanzen „auffüllen“, nämlich Körperfett und/oder Muskulatur.

In einer Diät, die ohne ein begleitendes Sportprogramm durchgeführt wird, lässt sich zwar das Körpergewicht senken, doch dieser Verlust resultiert normalerweise nicht zu 100% aus reiner Fettmasse (welche im Übrigen eine geringere Dichte hat, als Muskeln, und damit mehr Platz einnimmt), sondern aus einem Muskel-Fett-Mix.

Je krasser das Kalorienminus, desto schneller erfolgt der Verlust von Körpermasse, desto mehr Muskulatur wird abgebaut. Das ist schlecht – um nicht zu sagen: Sehr schlecht.

Der Verlust von fettfreier Muskelmasse bringt noch einige andere (teils stoffwechselbedingte) Nachteile mit sich, auf die ich an dieser Stelle nicht eingehen möchte (das tut schon dieser Artikel zum Jojo Effekt)

Aus diesem Grund sollte das Endziel darin bestehen Körperfett abzubauen (bevorzugt in der betroffenen Region) und den dadurch frei gewordenen Platz durch Muskulatur zu füllen, welche für eine straffe Haut sorgt. Du kannst zwar nicht steuern, wo du abnimmst (lokale Fettverbrennung ist ein Mythos, darüber habe ich bereits im Kontext des Sixpacks geschrieben), doch du kannst sehr wohl beeinflussen wo du Muskeln aufbaust (nämlich durch das Training der Partien).

Unter dem Strich sollte also eine gut strukturierte Diät in Kombination mit forderndem Krafttraining deine Körperzusammensetzung in eine gewünschte Richtung bewegen. Abnehmen tust du am ganzen Körper, sofern du ein Kaloriendefizit aufrechterhältst, während das Training einen überdurchschnittlichen Abbau von Muskulatur verhindert bzw. ggf. Muskeln in der trainierten Region aufbaut.

Abschließende Worte

Falls du nun darauf gehofft hast, dass du mit ein wenig Hasenfutter die betroffenen Körperregionen (meistens Hüften, Gesäß und Schenkel) wieder flott zu kriegen, so tut es mir leid, dass ich dir keine besseren Neuigkeiten liefern kann.

Sofern du allerdings einen hohen BMI besitzt (untrainierter Zustand) und/oder an einer krassen Form der Cellulite leidest (hoher Schweregrad) stehen die Chancen gut, dass du durch eine smarte Ernährung mit Kaloriendefizit und parallelem Krafttraining eine nennenswerte Verbesserung der Symptomatik erzielen kannst – was sich unter Umständen sogar noch zusätzlich verbessert, wenn du deine Diät mit einem niedrigen Körperfettanteil beendest und gezielt auf Muskelaufbau trainierst (um die Hautstraffung zu erhöhen).


Und falls du nun weiblich und hochmotivert fürs Training bist, empfehle ich dir unsere beiden Leitartikel zum Thema Krafttraining für Frauen: „Ladies, Maße machen keinen Unterschied“ sowie „Frauen Training: 9 Gründe, wieso Frauen nicht wie Männer trainieren sollten.“

Falls du Lektüre in (e)Buchform vorziehst und sowohl Gesundheit, als auch Wohlbefinden verbessern möchtest, empfehle ich dir das Buch „Abnehmen, Gesundheit, Leistungsfaehigkeit – Das Handbuch zu Ihrem Koerper“ von Chris Michalk und Philipp Böhm – ein echter Augenöffner.


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Über Damian Minichowski

Damian N. „Furor Germanicus“ Minichowski ist der Gründer und Kopf hinter dem Kraftsport- und Ernährungsmagazin AesirSports.de. Neben zahlreichen Gastautorenschaften schreibt Damian in regelmäßigen Abständen für bekannte Online-Kraftsport und Fitnessmagazine, wo er bereits mehr als 200 Fachartikel zu Themen Kraftsport, Training, Trainingsphilosophie, Ernährung, Gesundheit und Supplementation geschrieben hat.

Zu seinen Spezialgebieten gehört das wissenschaftlich-orientierte Schreiben von Fachartikeln rund um seine Passion – Training, Ernährung, Supplementation und Gesundheit.

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Quellen & Referenzen

[1] Toigo, M. (2015): Muskel Revolution. Konzepte und Rezepte zum Muskel- und Kraftaufbau. Springer Spektrum. S. 246-248. Auf Amazon unter: 

[2] Smalls, LK., et al. (2006): Effect of weight loss on cellulite: gynoid lypodystrophy. In: Plast Reconstr Surg. URL: https://www.researchgate.net/publication/6912717_Effect_of_Weight_Loss_on_Cellulite_Gynoid_Lypodystrophy.


Bildquelle Titelbild: Wikimedia / Lanzi ; CC Lizenz