Buchrezension: Gegen den Schwarm von Matthias Kolbusa

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Buchrezension: Gegen den Schwarm von Matthias Kolbusa

Von Mathias Ney | Benötigte Lesezeit: 22 Minuten |


Wie selbstbestimmt gehe ich durch das Leben? Sind meine Ideen wirklich die meinen? Handel ich allseits strikt nach meinem eigenen Kompass? Solche Fragen stellte ich mir einige Jahre zuvor. Die Antworten waren ebenso beunruhigend wie erleuchtend.

Woran denkt man, wenn man den Titel von Matthias Kolbusas Werk „Gegen den Schwarm – Aus eigener Kraft erfolgreich werdenliest?

Mir erscheint das Bild eines Schwarms Heringe vor innerem Auge. Die Verschmelzung einzelner Lebewesen zu einem gewaltig anmutenden Organismus. Nahezu in Perfektion wird die Richtung geändert, amorph verändert sich die Kontur und geschickt Räubern ausgewichen. Und dies nahezu ohne Zeitverzögerung. Existiert in solch einer komplexen Symbiose noch das einzelne Lebewesen, oder verschmilzt es zu einem Ganzen?

Auch wir Menschen leben in einer Art von Schwarm – nur sind es mehrere. Das Unternehmen, in dem wir arbeiten ist ein Schwarm, der Freundeskreis und auch mit dem Partner bilden wir einen kleinen Schwarm als soziales Lebewesen. Gehen auch wir in einem Schwarm vollends auf? Worin liegt der Unterschied zum Hering?

Für einen Hering ist der Schwarm überlebenswichtig. Alleine wäre er den Räubern ausgeliefert. Schafft es der Räuber einzelne Tiere zu separieren, schwimmen diese wild und orientierungslos umher. Vielleicht sehen diese zum ersten Mal ihren Schwarm von außen. Das Todesurteil für den Hering, der jetzt zur leichten Beute geworden ist.

Was passiert mit uns, wenn wir uns zur Außenansicht entschließen? Der banalste Unterschied ist der, dass es – in der Regel – keine Räuber gibt, die uns nachstellen. Glück gehabt, oder?

Für uns bietet diese Perspektive sogar Möglichkeiten etwas zu ändern, uns selbst und die Identität unserer Schwärme zu erkennen. Was für den Hering Tod bedeutet, heißt für uns Freiheit und Chance zur Selbstbestimmung zu gleich. Nehmen wir uns das Buch zur Hand und tauchen ein in den Ozean des menschlichen Alltags.

Buchrezension: Gegen den Schwarm von Matthias Kolbusa

Gegen den Schwarm | Zum Buch

  • Autor: Matthias KolbusaBuchrezension: Gegen den Schwarm von Matthias Kolbusa
  • Verlag: Ariston
  • ISBN: 978-3-424-20095-9
  • Seiten: 268
  • Preis: 19,99€ (gebundene Ausgabe) / 15,99€ (Kindle-Edition)
  • Kauflink: de

Mathias Kolbusa | Zum Autor

Mathias Kolbusa, geboren 1974 in Paderborn, ist Unternehmer, Berater, Sachbuchautor, Vortragsredner und gehört dem deutschen Präsidium des Club of Rome an.

Bereits im Alter von 14 Jahren gründete er sein erstes Unternehmen. Einem Alter, in dem ich mich noch vorwiegend für Busenblitzer, FIFA und Abhängen mit der Clique interessiert habe, hat er Softwarelösungen für Architekten und Ingenieure entwickelt und nebenbei sein Abitur gemacht. Darauf folgte ein Studium zum Diplom-Informatiker an der Hochschule Fulda.

Seine Karriere verlief vielseitig. Er war im Management tätig, gründete inzwischen veräußerte Unternehmen, arbeitete als Berater und erwarb zu guter Letzt den Titel des Masters of Business Administration an der University of Leeds in England.

Sein erworbenes Wissen stellt Matthias Kolbusa nun anderen Unternehmen und Menschen als Berater, Vortragsredner und Autor zur Verfügung.

Weitere Werke des Autors:

Gegen den Schwarm | Inhaltsverzeichnis

Acht Fragen an mich selbst

Ihr Weg zum eigenen Ziel

. (Ohn-) Macht im Schwarm

  • Kapitel 1 Wir Schwarmwesen
  • Kapitel 2 Hinein in den Schwarm
  • Kapitel 3 Mittendrin gefangen
  • Kapitel 4 Blind vorneweg
  • Kapitel 5 Schwarmidentitäten

. Aus dem Schwarm heraus

  • Kapitel 6 Der schwarze Kern des Schwarms
  • Kapitel 7 Hoffnung ist keine Strategie
  • Kapitel 8 Umarme die Wut
  • Kapitel 9 Neid – Impulsgeber und Augenöffner
  • Kapitel 10 Schuld gibt es nicht
  • Kapitel 11 Das doppelte Gesicht der Scham
  • Kapitel 12 Die Macht der Angst
  • Kapitel 13 Die Früchte der Furcht
  • Kapitel 14 Selbsterkenntnis ist eine Waffe

. Gegen den Schwarm erfolgreich sein

  • Kapitel 15 Die Andersmacher
  • Kapitel 16 Raus aus dem Erfahrungsgefängnis: Nimm dich ernst
  • Kapitel 17 Fantasiere bis ins Detail: Überschreite deine Grenzen
  • Kapitel 18 Ignoriere die Komplexität: Vertraue deiner Naivität
  • Kapitel 19 Verunsichere die anderen: Ertrage den Aufruhr
  • Kapitel 20 Nutze das Momentum: Versetze den Schwarm in Bewegung
  • Kapitel 21 Lüge, was die Wahrheit hergibt: Glaube an dein Zukunftsbild
  • Kapitel 22 Vermeide den unnötigen Kampf: Erlaube die auszuweichen
  • Kapitel 23 Halte das Tempo hoch: Setze Geschwindigkeit über alles
  • Kapitel 24 Schaffe unwiderstehliche Gewohnheiten: Genieße deine Disziplin
  • Kapitel 25 Halte aus und durch: Setze dein Ziel über den Schmerz
  • Kapitel 26 Lerne zu scheitern: Sieh die Niederlage als Anfang

Nehmen Sie sich die Freiheit, Sie selbst zu sein!

Acht Fragen an Sie

Ausblick: Unterwegs im Weltwirtschaftsschwarm

Gegen den Schwarm | Zum Inhalt

Wir Menschen sind soziale Wesen. Wir organisieren uns in Gruppen, in diesem Buch als Schwarm versinnbildlicht, handeln unbewusst Werte, Normen und Ethik aus und schwimmen als Individuum mit.

Matthias Kolbusa hat dieses Buch für Menschen geschrieben, die sich davon von lösen und festgefahrene Routinen nicht mehr akzeptieren wollen.

Er will ihnen Werkzeuge an die Hand reichen, offen zu hinterfragen, mutig gegen Widerstände zu handeln und einen selbständig gewählten Weg einschlagen zu können.

„Kreative Zerstörung ist für mich im Leben eine Notwendigkeit. Und das bedeutet: das Porzellan alter Gewohnheiten zu zerschmettern, um den Freiraum für Neues, Besseres entstehen zu lassen.“  (S.8 / Acht Fragen an mich selbst)

Gegen den Schwarm ist in drei Teile gegliedert worden. Der erste behandelt die Grenzen und die Gruppen von Menschen, die diese gegen den Willen des einzelnen setzen. Der Leser soll den Blick auf den Schwarm lenken und die Routinen, Zusammensetzung, Regeln und die eigene Position darin erkennen.

Teil zwei handelt von der eigenen Kraft, wie man den Mut findet, sich negativen Emotionen zu stellen und das eigene Potential zu erkennen. Der innere Schwarm ist mächtiger, als vielen bewusst ist.

Teil drei stellt elf Gewohnheiten vor, um mit oder gegen die Schwärme das eigene Ziel zu erreichen.

„Dieses Buch sagt Ihnen nicht, was sie genau zu tun haben. Es nimmt Ihnen keine Verantwortung ab. Aber es inspiriert und ermutigt Sie, sich und Ihre Möglichkeiten zu erkennen und Ihr Leben konsequent in die eigenen Hände zu nehmen. Dieses Buch ist eine Herausforderung. Nehmen Sie sich die Freiheit, Sie selbst zu sein!“ (S.11 / Ihr Weg zum eigenen Ziel)

Ⅰ. (Ohn-) Macht im Schwarm

Seit jeher bilden die unterschiedlichsten Arten im Tierreich Schwärme. Sei es um im Schutze des Kollektivs Fressfeinde zu narren oder wie die Bienen funktionale Staaten zu unterhalten.

Ziel eines Schwarms ist es, mit unsichtbarer Autorität und Unterwerfung des einzelnen Individuums die eigene Art zu erhalten. 

Wie verhält sich das menschliche Pendant dazu, in Zeiten, wo wir keine Räuber mehr zu fürchten brauchen, Nahrung aus dem Supermarkt bezogen wird und Trennung vom Schwarm nicht mehr den sicheren Tod bedeutet?

„Wer das Verhalten der Herden- und Schwarmtiere im Fernsehen verfolgt, der hat das gute Gefühl, als Mensch ganz anders zu sein. Schließlich meinen wir, mit ungetrübtem Blick durch die Welt zu gehen und allzeit in der Lage zu sein, dank der eigenen famosen geistigen Fähigkeiten das zu tun, was wir selbst für richtig halten.“ (S.17 / Wir Schwarmwesen)

Sobald man morgens in den Blaumann oder Anzug schlüpft, der Summer des Werktors summt und sich mit den Kollegen versammelt, die alle genau wie man selbst gekleidet sind, befindet man sich in seinem Schwarm – dem Unternehmensschwarm.

Ist der Arbeitstag geschafft, wird die Kluft abgestriffen und in den Spind gequetscht. Jetzt ist Zeit für Individualität, die eigenen Brötchen zu backen. Wirklich?

Der Autoschlosser, der in seiner Freizeit begnadeter Fußballer ist, spielt doch nicht mit sich selbst. Er ist jetzt Teil der Mannschaft, teilt dieselbe Leidenschaft für das runde Leder (oder das ein oder andere Bier) und trägt das gleiche Trikot.

Der Freizeitathlet braucht sich nur im Gym umzusehen. Im Kollektiv stemmen wir gleichförmig die Gewichte, strampeln und schwitzen in der Gemeinschaft. Selbst bei jeglicher zur Schau gestellter Individualität, tragen wir doch alle die gleiche Kleidung. Man befindet sich im nächsten Schwarm und befolgt seine Regeln.

Wir sind von Schwärmen umgeben und halten uns nahezu permanent in ihnen auf. Sich ihnen zu entziehen ist nahezu unmöglich. Ob wir auf der Couch das TV-Programm oder die Bücher konsumieren, die uns der gesellschaftliche Schwarm auftischt, oder uns nach dem letzten modischen Schrei kleiden. Wir müssen akzeptieren, dass wir uns in Schwärmen organisieren und häufig die Regeln nicht hinterfragen, ob es aus Bequemlichkeit ist oder aus Unbewusstheit. Der Hobbysportler braucht sich nur daran zu erinnern, wann er zuletzt Pute und Reis gefuttert hat, anstatt seinem Verlangen nach einer Pizza nachzugehen, die seine Kollegen vor seinen Augen genüsslich vertilgt haben.

Wir müssen lernen, wieder unseren Intellekt zu gebrauchen, zu hinterfragen und von der Innenansicht des Schwarms auf die Außenansicht zu wechseln. Wir müssen uns distanzieren, ein paar Schritte aus dem Schwarm wagen, um diesen beobachten zu können. Dann haben wir die Chance auf Veränderung.

Bewusstheit da entstehen zu lassen, wo wir unhinterfragt nach den vorgegebenen Skripten handeln.

„Anders als Tiere kann und soll sich jeder von uns bewusst entscheiden, ob er oder sie nach den Regeln des Schwarms spielen will. Es steht uns theoretisch frei, dass selbst zu bestimmen. Denn anders als das Gnu haben wir die Chance, uns selbst und unseren Schwarm von außen zu betrachten, ohne dabei sofort in Todesgefahr zu geraten. Die Frage, die sich jeder von uns stellen muss: Nutzen wir die Chance zur Selbsterkenntnis und zur Selbstbestimmtheit? Wissen wir, wofür wir im Leben stehen?“ (S.19 / Wir Schwarmwesen)

Wie im Tierreich herrschen auch im menschlichen Schwarm Regeln und Normen, die häufig unbewusst befolgt werden. In Unternehmen auch häufig als Firmenkultur.

„Wie eine Firma tickt, das spüren wir sofort, wenn uns einige der Kollegen umgeben. Wir fühlen, wie wir uns in den Augen der anderen verhalten sollen, wenn wir von ihnen wertgeschätzt werden möchten“ (S. 23 / Hinein in den Schwarm)

Unbewusst verspüren wir den Drang dazu gehören zu wollen. Niemand ist gerne Außenseiter. Jeder will wertgeschätzt werden. Und da lauert Konfliktpotential: entweder mit der eigenen Moral oder den Kollegen.

Eine Entscheidung muss getroffen werden. Und so verfällt ein Großteil dem Sog der Mehrheit.

Man schwimmt unbedacht mit, erhält seinen festen Patz in der Hierarchie und erlangt einen Status.

Zu Anfang lebt es sich ganz gut, doch mit der Zeit kommt der Zweifel. Wer sich ständig verbiegen muss, um den Kollegen zu gefallen und seine Rolle aus zu füllen, erlebt gravierende Folgen für das eigene Wohlbefinden. So leistet man sich den einen oder anderen sexistischen Kommentar, obwohl man im Inneren zutiefst beschämt darüber ist. Oder der interne Wettkampf, wer am meisten Überstunden geleistet hat – heroische Krieger am Schreibtisch oder der animalische Schrauberkönig.

Ich ermutige den Leser nur, mit offenem Blick durch sein Unternehmen zu gehen. Die Beispiele sind von zahlloser Natur. Doch ist dieses Gebaren eine Notwendigkeit?

Dazu ein Auszug aus Matthias Kolbusas eigener Erfahrung.

In einer Firma, in der er angestellt war, wurde Freitagabends immer eine Tour durch eine Tabledance-Bar unternommen. Nicht der ideale Zeitvertreib für den Autoren und so nahm dieser einfach nicht an diesem Ritual teil. Entstanden dadurch Nachteile für ihn? Nein!

„Es gibt immer eine Alternative zum vorherrschenden Geist in einem Unternehmen. Jeder von uns hat eine Wahl, wie sehr er oder sie sich anpasst. Sie können sich selbst treu bleiben und die Witze machen, die zu Ihnen passen. Sie können freundlich sein, so wie Sie es selbst für richtig halten. Sie brauchen nicht bei Kneipentouren dabei zu sein, um Ihren Job ordentlich zu machen, dafür geschätzt zu werden und um für sich und Ihr Unternehmen erfolgreich zu sein.“ (S. 24 / Hinein in den Schwarm)

Viel zu gerne schenkt man dem allgemeinem Irrglauben Beachtung, dass man sich immer schön konform verhalten muss, damit man ja dazu gehört. Man saugt förmlich alles auf und begibt sich immer tiefer in den Schwarm hinein, bis man eins geworden ist. Jeder noch so schlechte Witz muss standesgemäß belacht werden und ja kein Bierchen nach Vierchen ausgelassen werden dürfen.

Was zählt ist der Schwarm und die eigene Position darin. Passender hätte Matthias Kolbusa sein Unterkapitel nicht benennen können: Der Selbstverrat.

Natürlich hat alles seinen Preis und die Missachtung der eigenen Bedürfnisse hinterlässt Spuren, sowohl körperlich wie geistig.

„Der Druck der Anpassung, der Gram über die eigene Unzulänglichkeit, sie verewigen sich im Gesicht: In der Gereiztheit, im verbitterten Blick auf die Welt, in den hängenden Schultern, der Kraftlosigkeit und der Verzagtheit oder der aufgesetzten guten Laune, mit der der Alltag bestritten wird und mit der anderen versichert wird, dass es einem >>ganz gut<< geht, >>man könne nicht klagen<<“ (S. 29 / Hinein in den Schwarm)

Je tiefer man in den Schwarm vordringt, desto mehr ist man sein Gefangener im Erwartungsgefängnis.

Die Tätigkeit wird öde und die kostbare Lebenszeit abgesessen. Ein Schleier aus Sinnlosigkeit. Es wird gewartet auf einen besonderen Moment, vielleicht auf eine Überraschung, die das Feuer in einem neu entzündet. Und so wird der Absprung immer weiter hinausgezögert. Es gibt immer „gute Gründe“ und „bessere Zeitpunkte“. Der Kredit muss abbezahlt werden, der Kopf befreit sein oder es wird bestimmt wieder alles besser im Betrieb. Was würden die Leute von einem denken, wenn man alles an den Nagel hängt? Willkommen im goldenen Hamsterrad.

Und wer hält uns darin gefangen? Es ist nicht das Unternehmen, nicht unsere Verpflichtungen und nicht die trügerische Sicherheit. Der Gefängniswärter ist man selbst.

Die innere Stimme, die auf die Mängel in unseren Vorhaben weist, sobald wir einen Schritt nach vorne unternehmen wollen. Sie erweckt Ängste, die nicht der Wahrheit entsprechen. Die Furcht ausgelacht zu werden oder sich selbst lächerlich zu machen lähmt uns. Scheitern käme dem Tod gleich. Da ist es doch besser im gemachten Nest zu verweilen. Je länger man wartet, desto größer werden die Zweifel am eigenen Können.

Matthias Kolbusa führt die Entstehung dieser Zweifel auf unsere eigene Prägung zurück. So haben vielleicht die Eltern einem eingebläut, man sei handwerklich ungeschickt, die Freunde sehen in einem einen Verschwender, welcher nicht mit Geld umgehen könne. Je länger man mit diesen Erwartungen konfrontiert wird, desto tiefer graben sie sich ein. Zu häufig werden wir zu einem Produkt unserer Umwelt. Der äußere Schwarm manifestiert sich als innerer Schwarm.

Man muss sich bewusst werden, dass viele Zweifel uns Ansichten nicht die eigenen sind. Sie wurden von außen an uns herangetragen. Man darf diese Saat nicht gedeihen lassen. Eine klare Sicht auf die Dinge ist notwendig. Man muss lernen zu Hinterfragen.

„Wenn Sie nicht wollen, dass die persönlichen Grenzen der anderen zu den Ihren werden, dann müssen Sie sich davon befreien!“ (S. 38 / Mittendrin gefangen)

Wie würde es Rick Sanchez, der Protagonist aus Rick and Morty formulieren?

„Think for yourselves. Don´t be sheep.“ (Rick and Morty / Staffel 2 / Episode 1)

Eine weitere Symptomatik, die häufig in Schwärmen zu beobachten ist, ist die von Matthias Kolbusa benannte Schwarmdummheit. Dabei muss ich wieder an eine Herde Schafe denken. Zu ängstlich den Anführern zu widersprechen, deren Meinungen wiederkauen und blind in den Abgrund folgen.

Eine Herde voll konformer Lobhudelei. Keine kritischen Stimmen, keine Herausforderungen mehr zu machen. Die Konsequenz: Stillstand, Kompromisse statt echter Lösungen und auf kurzfristigen Applaus fixierte Anführer.

Meinung und damit dem Schwarm entgegenstellen. Es muss aufgescheucht werden, Routinen sich bringen? Dazu kommt Matthias Kolbusa in seinem zweiten Hauptkapitel. Ansonsten müsste ein gewitzter Vorarbeiter nur erkennen, welchen Knopf er drücken muss, damit der „Aufrührer“ wieder artig in Reih und Glied einfügt.

Ⅱ. Aus dem Schwarm heraus

In jedem von uns stecken dunkle Ecken. Starke Emotionen wie Wut, Neid, Scham und Schuld stellen ein Teil dieses Ensembles dar. Dieses Kapitel ist ihnen gewidmet. Wer den Mut aufbringt seinen eigenen Weg zu gehen wird sich ihnen stellen müssen. Der Drache muss erschlagen werden, will man an sein Gold gelangen. Doch dieser Mut wird reichlich belohnt werden, allein schon dadurch, dass man das größere Übel eliminiert. Die unreflektierte Zugehörigkeit zu einem Schwarm führt häufig zum Leiden, körperlich wie seelisch. Wer nichts mit dem Begriff Psychosomatik anzufangen weiß, kann vielleicht mit ihr Bekanntschaft machen. 80 Stunden die Woche malochen und dabei falschen Idealen hinterher hetzen, wie ein bissiger Rottweiler dem Postboten? Klar geht das nicht spurlos an uns vorbei.

Bournout, wie es in unseren modernen Zeiten genannt wird, ist kein Hirngespinst. Es ist eine Depression. Wer zuvor immer anpacken konnte, ob erschöpft und ausgelaugt und keiner Beschäftigung ausgewichen ist, kann sich auf eine ganz neue Erfahrungswelt gefasst machen.

Es geht nämlich nichts mehr, selbst kleinste Handlungen werden zum Berg. Tatendrang weicht Lethargie und das Gefühl Freude zu empfinden ist schon physisch bedingt nicht mehr möglich. Ein >>Reiß dich zusammen<< ist genauso viel wert, wie einem Heroinsüchtigen seine Sucht in einer Stunde auszuquatschen. Ist dein Bonus und Firmenwagen dir so viel wert?

Wenn man den Statistiken glauben darf, gab es eine Progression von 40% bei den Menschen, die an Depression und seelischen Störungen leiden. Der Zeitgeist steht im perversen Widerspruch zu unseren natürlichen Bedürfnissen. Karriere und Status muss erlangt werden, damit man seinen Erfolg auf Instagram der Welt unter die Nase reiben kann. Hast du was, bist du was. Doch betrifft das nur die Peripherie. Unser Seelenleben braucht das nicht.

Durch den gesellschaftlichen Schwarm gehört es aber zum allgemeinen Konsens und so treten wir unseren Schwärmen naiv gegenüber und zwickt es uns gibt es für die meisten nur eine Lösung.

„Unser Ziel: uns weiter zu optimieren – um ganz im Sinne unserer inneren und äußeren Schwärme einwandfrei funktionieren zu können.“ (S. 61 / Der schwarze Kern des Schwarms)

Amüsant ist, dass Matthias Kolbusa, seines Zeichens Autor diverser Ratgeber, sich nun zu diversen weiteren Ratgebern äußert. Er äußert sich jedoch aus der Sicht des Konsumenten, hat er doch selber viele gelesen. Sein Fazit kommt sehr selbstreflektiert daher und ich stimme ihm an diesem Punkt Einwands los zu auf Basis eigener Erfahrungen.

„Ehrlich gesagt: Ich lese sie auch gerne mal, diese Anleitungen zur Glücksfindung. Aber außer, dass sie einen dieser tollen Momente erzeugen, in denen wir sagen: >>Genau!<<, und uns erkannt und emotional aufgeladen fühlen, folgt daraus meist – außer einer kurz nachklingenden guten Laune: nichts“ (S. 62 / Der schwarze Kern des Schwarms)

Wir können nicht die Verantwortung über uns selbst abgeben. Mit der Einstellung, dass Experten das eigene Leben schon richten werden ohne selbst zu handeln, wird nicht fruchten.

Dem inneren Kampf kann man nicht ausweichen. Erst dieser macht uns stark. Die eigenen Dämonen lauern und warten auf uns. Wer sich ihnen stellt und entzaubert wird es würdig sein, ohne Fremdbestimmung durchs Leben zu schreiten.

Schnelles Handeln ist für Matthias Kolbusa eines der Schlüsselelemente auf dem Weg zum Erfolg. Hoffnungsvolles Warten hingegen sieht er als fragwürdiges Konzept. Selbst Top-Manager hoffen auf den Eingriff einer „höheren Macht“ und verschwenden kostbare Zeit zur reagieren. Wer die Verantwortung abgibt wird scheitern. Innovativere Unternehmen verdrängen das eigene ins Abseits.

Um Handeln zu können, muss man seine Emotionen kontrollieren können. Es gibt per se keine Negativen, allein unser Umgang mit ihnen entscheidet, ob sie konstruktiver oder destruktiver Natur sind. So ist Neid für Matthias Kolbusa eine überaus willkommene Todsünde. Neid hat zwei Seiten: eine Helle, sowie eine Dunkle. Verspüren wir ihn, sollten wir ihn durchleuchten. Wir erfahren viel über uns selbst, was wir auch erreichen wollen. Anstatt alle Energie darauf zu verwenden, die beneidete Person den Erfolg abzureden, sollte man diese Energie in die Verwirklichung seiner Ziele setzen.

Z.B. kann man der betreffenden Person einen Brief senden und um Rat bitten. Es wird immer Menschen geben, die besser in einer Sache sind als man selber. Sie sind die besseren Vortragsredner, Sportler, Köche usw. Anstatt Kontrahenten können diese Menschen zu Mentoren für uns werden. Eitelkeit können sich nur Narren leisten. Wahre Größe wird erlangt, wenn man dazu in der Lage ist Erfolg anzuerkennen und Neid respektvoll zu äußern.

Und so verhält es sich auch mit den anderen Emotionen, wie der Scham, der Wut oder der Angst. Unser Umgang mit Ihnen beeinflusst ihre Wirkung auf uns. Anstatt destruktive Energie ungesteuert walten zu lassen, kann man diese Energien gezielt für seine Ziele einsetzen.

Gegen den Schwarm erreicht nicht die Tiefe wie fachspezifische Werke, die sich mit unseren Emotionen explizit auseinandersetzen, doch liefert es gute Ansätze für einen achtsamen Umgang mit ihnen.

Man kann Wut nicht von heute auf morgen mit Leichtigkeit kontrollieren. Dazu ist ein trainierter Geist notwendig. Wut vertreibt jegliche Rationalität und macht den Betroffenen für einen gewissen Zeitraum blind für seine Taten und Worte.

Ein starker Geist kann viel Kraft aus diesen Emotionen schöpfen, wenn er sie richtig zu deuten weiß. Matthias Kolbusas Ratschläge sind umsichtig und weisen auf den richtigen Pfad, der lohnenswert ist ihn einzuschlagen.

Wer sich mental gewappnet hat gegen Sturm und dicke Mauern um sein Selbstwertgefühl gebaut hat, muss nur noch lernen sich gegen den Schwarm durchzusetzen. Was wird benötigt, damit der Schwarm jeglichen Funken zur Veränderung nicht im Keim erstickt. Die Antworten liefert das dritte Hauptkapitel .

Ⅲ. Gegen den Schwarm erfolgreich sein

Wer den Schwarm verändern will, der muss zum „Andersmacher“ werden. Welche elementaren Charakteristika teilt sich dieser Typus Mensch?

Zum einen ein masochistisch anmutendes Durchhaltevermögen und eine gehörige Portion Naivität, die Kunst selbst gegen eigene Vorbehalte bestimmt zu handeln. Auf dem Weg werden einem viele Kritiker, genervte Chefs und Verteidiger des Status-Quo Steine in den Weg legen, zum Queralanten erklärt oder wird zur Zielscheibe des allgemeinen Getuschels. Ohne ein gewisses Etwas an Rückgrat und Willen wäre es ziemlich schwierig, sich erfolgreich gegen den Schwarm durchzusetzen.

Den Schwarm zu meistern heißt in erster Linie sich selbst zu meistern. Die meisten Hürden, die bezwungen werden wollen, kommen aus uns selbst heraus. Wir verstricken uns in Selbstzweifeln, knicken zu schnell bei Kritik ein, können das Feuer nicht bei den Kollegen entfachen, oder machen es uns nur zu gerne in der geliebten Komfortzone bequem, um welche es im Beginn des Kapitels geht.

Matthias Kolbusa nennt es auch das Erfahrungsgefängnis. Zu schnell wird angenommen, dass die gesammelten Erfahrungen genug seien, man unantastbar sei in der Firma, bis zum Tag des Schicksals. Wie schnell ist heutzutage die eigene Stelle überflüssig? Wer mithalten will, der muss konstant dazu lernen und den Blick über den Tellerrand werfen. Dazu gehört es auch eigene Gewohnheiten zu hinterfragen und neue zu etablieren. Leben heißt Veränderung, Stillstand ist der Tod.

„Wenn Sie meinen, nicht aus Ihrem Erfahrungsgefängnis ausbrechen zu können, weil es eben gerade nicht geht oder weil andere es nicht zulassen, dann seien Sie gewiss: Das ist nur eine faule Ausrede!“ (S.147/ Gegen den Schwarm erfolgreich sein)

Man muss sich jedoch vor Augen führen, dass Veränderung nicht über Nacht geschieht und so mancher hat sich so viel auf die Schultern geladen, dass es keinen Schritt mehr voran geht. Matthias Kolbusa vertritt die Meinung, dass das Leben keine To- Do-Liste ist. Sie ist vielmehr ein Zwischenhändler zwischen dem Ist-Zustand und dem Ziel. Häufig werden solche Listen so stark aufgebläht, dass das Ergebnis häufig zur Prokrastination führt. Man muss sich fragen, was wirklich wichtig ist und sich von einigen Dingen trennen können, auch wenn es schmerzhaft ist.

“It’s not the daily increase but daily decrease. Hack away at the unessential.“ (Bruce Lee)

Wie lautet die Alternative zur To-Do-Liste? Anstatt sich niemals enden wollende Listen zu erstellen, beginnt man sich eine feste vorgegeben Zeit im Kalender für das jeweilige Vorhaben zu blocken. Wichtig ist hier realistisch ans Werk zu gehen. Anstatt on sich zu verlangen, drei Stunden am Stück durch zu arbeiten, kann man es aufteilen in kleinere Zeitblöcke, welche durch kurze Pausen unterbrochen werden.

„Was aber, wenn uns die vorhandene Zeit, egal wie wir sie drehen und eintragen, nicht ausreicht? Es ist egal, ob wir nach Ablauf eines Zeitblocks fertig sind oder nicht. Wir machen erstmal eine Pause, und zwar ohne uns dafür schuldig zu fühlen“ (S.235/ Gegen den Schwarm erfolgreich sein)

Laut Matthias Kolbusa führen To-Do-Listen zu falschem Denken, einem Marathon, den man nicht gewinnen kann. Disziplin ist keine angeborene Eigenschaft und ist mehr eine gute Zeitorganisation.

Nicht umsonst heißt ein Kapitel „Genieße deine Disziplin“. Keine Schuldgefühle und kein selbsterzeugter Druck. Man hält sich an die vorgegebene Zeit und gibt sein Bestes und dann heißt es erstmal Füße hoch. Blinder Aktionismus hat selten zu etwas Gutem geführt. Eine Arbeit braucht genau so viel Zeit, wie wir ihr geben.

Es dreht sich nicht nur um die Selbstorganisation. Ohne ein starkes Zukunftsbild wird sich nichts in Bewegung setzen. Was will man erreichen? Sind die Träume ein Abziehbild der eigenen Umgebung? Es lohnt sich, dies zu hinterfragen. Nur weil ein Großteil das Spießerleben mit Haus, SUV, Golden Retriever und einmal zwei Wochen Malle im Jahr anstrebt, sollte einen nicht dazu animieren es ihnen gleich zu machen. Das Ziel muss aus dem Innerem kommen. Egal wie abstrus es erscheinen mag und schon alleine beim Gedanken daran die Zweifel erwachsen, ist es immer lohnenswert daran festzuhalten. Dem Zweifel sollte man mit einer gewissen Portion Naivität gegenübertreten. Viel zu oft durchdenkt man alles viel zu explizit, erzeugt düstere Zukunftsvisionen, die die Zweifel noch größer erscheinen lassen und versucht 100% sicher zu gehen. Oder der Schwarm selbst tritt einem mit Skepsis gegenüber. Matthias Kolbusa nennt diese Menschen die Zensoren im Schwarm. Ihre Aufgabe lautet: Andersdenkende im Schwarm festzuhalten, indem jegliche Vorhaben für zu kompliziert oder gar unmöglich erklärt werden.  Und so versanden die Träume, bevor man überhaupt begonnen hat.

„Nein, wir sollten uns nicht unserer Naivität berauben lassen – weder vom Zensor unseres inneren Schwarms noch von Bedenken der Anderen“ (S.165/ Gegen den Schwarm erfolgreich sein)

Die Hauptsache lautet: fange direkt an zu handeln. Und das führt zu dem nächsten wichtigen Aspekt: dem Momentum.

Eine stehende Lok kann von einem Stein gehindert werden, ins Rollen zu kommen. Doch verdrehen sich Verhältnisse, sobald die Lok mit Volldampf auf den Stein trifft und diesen zermalmt.

Dieses Naturgesetz ist universeller als zunächst angenommen. Es gilt auch für andere Dinge im Leben, z.B. einer Protestbewegung oder die Fußball-WM 2006. Es schließen sich immer mehr Menschen an, reißen andere Außenstehende mit und alles kommt in Fahrt. Dieses Prinzip muss man auch für seine Vorhaben berücksichtigen.

Doch damit es dazu kommt, muss zuallererst Überzeugungsarbeit geleistet werden. Wer sich zu stark im Hintergrund aufhält, wird niemals ein Momentum im Schwarm erzeugen können. Um den Rest der Gruppe in Schub zu versetzten, reichen keine zaghaft geäußerten Vorschläge. Man muss überzeugend sein und für sein Ziel brennen. Warum sollte jemand folgen wollen, wenn der Ideeninhaber selber nicht zu 100% hinter seiner Vision steht und an ihre Machbarkeit glaubt. Die vorhergegangenen Kapitel haben die geforderten charakterlichen Attribute abgehandelt. So weist Matthias Kolbusa darauf hin, dass Adrenalin bewusst und gezielt einzusetzen und auf sachliche, nüchterne Logik zu verzichten.

Mit einem langweiligen Vortrag wird man keine Anhänger mobilisieren können.

Der Autor erlaubt es auch, tief in die Trickkiste zu greifen. Wer erfolgreich werden will im Beruf, muss auch frech agieren können. So spielt das Ego der anderen einem in die eigene Tasche. Das Ego liebt es, bewundert zu werden und im Mittelpunkt zu stehen. Warum dann einfach nicht den Spieß umdrehen und anderen das Gefühl vermitteln, als kämen die Ideen von Ihnen.

„Es geht nicht um Urheberschaft, sondern darum, dass es passiert, die Ideen verwirklicht wird.“ (S. 193/ Gegen den Schwarm erfolgreich sein)

Ein weiteres Werkzeug aus dieser Trickkiste ist die Fähigkeit für Aufruhr zu sorgen. Damit ist natürlich nicht gemeint, die Mülleimer anzuzünden und die Fenster einzuschlagen. Es bedeutet, die Kollegen aus ihrer Komfortzone und Lethargie zu treiben.

Dies ist durch unkonventionelle Methoden möglich und funktioniert durch subtile Reize. Matthias Kolbusa setzt voraus, dass sich der Leser inzwischen dazu in der Lage befindet die eigenen Emotionen zu kontrollieren. Ein Großteil des Schwarmes wird das nicht können. Und da setzen die vorgeschlagenen Methoden an.

Eine gewisse Spur Unvorhersehbarkeit gemischt mit unkonventionellem Handeln sollte auch den zögerlichsten Mitarbeiter aus seiner Starre locken. Matthias Kolbusas Vorschläge sind häufig radikal, so fordert er z.B. dazu auf den bis dato erfolgreichsten, aber ebenso skrupellosesten Mitarbeiter abzustrafen und in andere Bereiche des Unternehmens zu versetzen. Den moralischen Leitfaden noch vor die monetären Interessen des Unternehmens zu stellen. Es soll ein Klima der Unsicherheit entstehen, aber nicht aus sadistischen Motiven heraus. Den Mitarbeitern soll lediglich die Fragilität der Wirklichkeit vor Augen geführt werden. Die gefühlte Sicherheit ist ohnehin eine Illusion. Die vorherrschende Unsicherheit ist der ideale Nährboden für die eigenen Ideen.

Man muss sich im Klaren sein, dass Angst, Scham und Schuldgefühle die ständigen Begleiter auf diesem Weg sein werden. Veränderung geschieht nie ohne Schmerz.

Man handelt nicht egozentrisch oder gar böse, wie es manche einem vorwerfen werden, solange die angestrebten Änderungen humanistischen Idealen folgen.

Viel zu oft resignieren die Menschen und klammern sich am Status-Quo fest, auch wenn dieser schon nahezu perversen Motiven entspringt. Für solche Motive existieren unzählige Beispiele auf der Welt. Ein Blick über den großen Teich genügt, wo Institutionen, die den Menschen in Not helfen sollen nur noch der Stillung der Gier folgen.

Krankenversicherungen, welche Abteilungen installiert haben, die nur eine Aufgabe haben: Fehler in den Akten zu finden, sobald es zum Versicherungsfall kommt. So wird einem schwerkranken Menschen die Versicherung gekündigt, um nicht zahlen zu müssen. Ich frage mich oft, ob die verantwortlichen Mitarbeiter gefühlskalte Psychopathen sind, doch das oberflächlich böse Erscheinende ist häufig sehr banal. Aus einem Menschen wird eine Nummer, er wird entmenschlicht und einer Zahl kann man keinen Schaden zufügen, weder noch hat sie eine Familie. Der ganze Schwarm teilt diesen Gedanken und somit wird es legitim. Es sind keine bösen Menschen, aber es sind fehlgeleitete Schafe. Wer das ändern will, damit der ganze Prozess sich am Menschen orientiert anstatt am Profit, der handelt eher heldenhaft den Aufrührerisch.

Der Angst und die Missbilligungen, die einem entgegenschlagen muss man sich stellen.

„So oder so muss uns klar sein: Wenn wir die anderen vor den Kopf stoßen, ihnen eine schwere Zeit bereiten, dann wird das Ganze nicht emotionslos ablaufen. Im Gegenteil. Wir machen Dampf in einem Kessel, den wir nur noch schwer und sehr konzentriert kontrollieren können. Selbst einem Vorstandsvorsitzenden geht das so, sobald dieser den 13. Stock seiner Firmenzentrale verlässt, um 2000 wütenden Mitarbeitern mit Existenzangst gegenüberzutreten.“ (S. 180/ Gegen den Schwarm erfolgreich sein)

Wer sich dem stellen will, muss das genaue Gegenteil ausstrahlen, was bei den anderen ausgelöst wird. Ruhe bewahren, wo andere die Fassung verlieren. Mutig voran gehen, wo andere aus Furcht zögern. Man muss mit sich selbst im Reinen seien. Matthias Kolbusa nennt es den eiskalten Krieger.

Man soll sein Schwert zücken, die Emotionen kontrollieren und in bewusste Bewegungen verwandeln. Achtsamkeit ist eine mächtige Waffe, gegen die unzähligen Hindernisse in dem Schwarm.

Ein berühmtes Filmzitat bringt es auf den Punkt.

„Spartiaten! Was ist euer Handwerk?“ – „Ahou! Ahou!“

Wer sich dem Schwarm alleine aussetzen will, der wird sich schnell wie einer dieser 300. Krieger vorkommen. Auch wenn es keinen Pfeilhagel geben wird oder es doch etwas übertrieben wäre, unfolgsamen Nervensägen den Kopf abzuschlagen, sollte man sich von dieser Geschichte inspirieren lassen. Auf in den Kampf!

Spartiaten!!! Was ist euer Handwerk?

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Gegen den Schwarm | Fazit

Matthias Kolbusas Buch Gegen den Schwarm soll den Leser aufwecken und zum Selber-Denken anregen. Unbewusst handeln wir strikt nach den Programmen und Konventionen, denen wir durch unsere Schwarmmitgliedschaften unterliegen. Ohne zu hinterfragen machen wir Überstunden, kaufen unsinnige Statussymbole oder benehmen uns wie der letzte Chauvi aus dem vergangenen Jahrtausend nur weil uns vermittelt wurde, dass dies normal sei. Ist man ganz gar sein Selbst oder doch nur ein Hering, der mit seinen Genossen zu einem großen Ganzen verschmilzt?

Gegen den Schwarm rüttelt den Leser aus der selbstverschuldeten Lethargie, richtet seinen Blick auf den Schwarm und besonders auf das eigene Selbst. Raus aus dem Schwarm, rein ins wahre Leben.

„Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen.“ (Immanuel Kant, deutscher Philosoph)

Dazu bedient sich Matthias Kolbusa einiger wohlbekannter Hilfsmittel und Ratschlägen, welche in dieser Lektürerichtung einschlägig wiederzufinden sind, jedoch um einige Aspekte erweitert. Richten sich die meisten Ratgeber in Erfolgs- und Lebensfragen vor allem an die eigene Persönlichkeit, fügt der Autor den Einfluss durch die Außenwelt hinzu, sprich seinen Mitmenschen. Der Begriff Schwarm ist eine herrliche Metapher für die Gesetzmäßigkeiten, die in solchen Gruppierungen zu finden sind. Wie benannt verleiteten sie uns unbewusst zu handeln nach den Maximen der Mehrheit. Ob diese immer moralisch, sowie ethisch einwandfreier Natur sind sei dahingestellt. Dafür sorgt schon gut die kognitive Dissonanzreduktion.

Aufwachen soll der Leser, lernen zu hinterfragen und Visionen entwickeln. Besonderen Bezug nimmt Matthias Kolbusa auf unser Leben im Beruf und Unternehmen, genau an dem Punkt, an dem seine Expertise greift und wirksam wird. Das Bild der Einmann-Armee verleitet leider zu dem Glauben, dass man Veränderungen im Unternehmen durchziehen kann ohne die Zustimmung der restlichen Belegschaft und den Vorgesetzten. Leider gestaltet die Sache sich schwieriger als gedacht. Das Buch liefert jedoch viele gute Ansätze, um dem entgegenzuwirken. Der Leser lernt den Schwarm zu lesen und erhält Werkzeuge diesen zu beeinflussen. Teilweise radikal, teilweise frech wirken die vorgeschlagenen Methoden. Viele Methoden müssen jedoch zuerst erlernt werden. So wird eine äußert introvertierte Person nicht über Nacht zum schlagkräftigen Auktionator oder den Mut aufbringen, den Vorgesetzen mit Kritik zu konfrontieren.

Bevor man in der Lage ist einen äußeren Schwarm zu kontrollieren, muss zuerst der Innere verstanden werden. Er spricht vor allem durch Emotionen und Gefühlen zu uns. So widmet der Autor diesem ein ganzes Hauptkapitel. Emotionen wie Wut, Scham oder Schuld werden der Reihe nach abgearbeitet, Wege gezeigt, die aus ihnen entspringende Energie zu nutzen und wie man ihnen gegenübertreten sollte. Matthias Kolbusa schafft es in diesem Kapitel dem Leser die Augen zu öffnen, indem er andere Blickwinkel auf vermeintliche „Todsünden“ wie Neid zulässt. Der Leser lernt, dass zu einer negativen Seite auch eine gegenüberliegende positive Seite existiert.

Leider fehlt diesem wichtigen Thema die Tiefe, doch werden erste Gedanken über den richtigen Umgang mit diesen mächtigen Emotionen geweckt und animieren dazu, sich noch tiefer mit Ihnen zu befassen. Doch das ist auch nicht der Anspruch dieses Buches.

Gegen den Schwarm richtet sich in erster Linie an Menschen, die ihre eigenen Ideen und Veränderungen im Unternehmen verwirklichen wollen. Es hat sich flüssig gelesen und mich teilweise erneut daran erinnert, wie stark der Einfluss meiner Umwelt auf mich sein kann. Man lässt sich viel zu oft von der Komfortzone einlullen und vergisst zu hinterfragen, besonders sich selbst. An diesem Punkt greift das Konzept des Buches hervorragend ein. Was mich stört ist, dass der Begriff Schwarm zwar sehr passend gewählt wurde, doch teilweise entmenschlicht er auch die Kollegen. An manchen Stellen hatte ich das Gefühl, dass das Buch diese Menschen und Kollegen zu Marionetten degradiert, welche man nach Belieben beeinflussen kann. Die Realität gestaltet sich meiner Auffassung komplexer als dargestellt. Menschliche Schwärme mögen nach außen hin homogen wirken, doch bestehen diese aus vielen Persönlichkeiten, welche eigenen Idealen und Träumen folgen. Man ist nicht die auserwählte Person, welche als einzige Ideen für die Zukunft hat. Auch vermisse ich ein Kapitel über den richtigen Umgang mit Kritik. Leider verfallen die Menschen dem Trugschluss immer im Recht zu sein und die eigenen Ideen als unantastbar. Richtige Kritik ist ein Geschenk und will genutzt sein. Die Schattenseite, Kritik aus persönlichen und egozentrischen Gründen darf freundlich abgelehnt werden.

Doch hilft Matthias Kolbusa mit seinem Buch zögerlichen Personen mit Ideen, den ersten Schritt zu wagen und bewusster zu leben. Sie erhalten die Möglichkeit gegebene Umstände zu ändern und mutig die Ziele in Angriff zu nehmen.

Gegen den Schwarm empfehlenswert für jeden, dessen Ideen bisher von den Kollegen abgeschmettert wurden oder vor allen Dingen an sich selbst gescheitert sind. Auch wenn sich vieles in anderen Ratgebern zu diesem Thema wiederfinden lässt, zähle ich dieses Buch zu den Besseren in diesem Genre. Der Autor bedient sich einer leichten, verständlichen Sprache und Ausdrucksweise, wodurch sich der Inhalt im Gedächtnis verankert. Ebenso orientiert er sich an realistischen Umständen und lässt das zwischenmenschliche nicht vollkommen außer Acht. Tiefenpsychologische Einsichten sollten nicht erwartet werden, doch wird man nach der Lektüre in der Lage sein, die Regeln und Ethik im Schwarm zu erkennen, sowie die eigene Rolle darin. Hat man dies erstmal erkannt, stehen einem alle Türen offen, sein weiteres Schicksal selbstbestimmter zu gestalten. Gegen den Schwarm begleitet den Leser auf seinen ersten Metern seiner Reise und weist den Weg in die gewünschte Zukunft.

Also raus dem Schwarm und rein in ein eigenverantwortliches Dasein.

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Buchrezension: Gegen den Schwarm von Matthias Kolbusa


          


         

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