Genetik: Wie stark limitiert sie dich?

Genetik: Wie stark limitiert sie dich?
(Zuletzt aktualisiert am: 12. Dezember 2017 )

Von Greg Nuckols |

Ich möchte dich von vornherein warnen: Dieser Beitrag enthält eine eiskalte Dosis an Realität. Es gibt zwar ein Licht am Horizont, doch es wird ein wenig dauern, ehe wir dort ankommen.

Heute reden wir ein wenig über Genetik. Das ist normalerweise kein Thema, über das ich allzu oft in der Öffentlichkeit rede, doch ich werde im privaten Rahmen oft danach gefragt, so dass ich denke, dass es sinnvoll sein könnte meine Ansicht darüber mit einem öffentlichen Publikum zu teilen. In der Fitnessindustrie wird selten darüber offen gesprochen, da Diskussionen diesbezüglich sehr niederschmetternd und deterministisch sein können. Und dieser Zweig lebt bekanntlich vom Optimismus und vielversprechenden Ergebnissen.

Die Quintessenz ist Folgende: Zwischen einzelnen Individuen herrscht eine große Differenz im genetischen Potenzial. Und das gilt sowohl für Muskelaufbau als auch die Fähigkeit schlank & definiert zu bleiben. Darüber hinaus trifft das auch auf eine Vielzahl weiterer Parameter zu, wie z.B. die aerobe Leistungsfähigkeit (VO2max).

Ich denke, die meisten von uns „wissen“, dass diese Differenzen auf einem bestimmten Level existieren, doch für viele dürfte es überraschend sein, wie extrem diese Unterschiede tatsächlich sind. Es gibt beispielsweise Menschen, die ein Krafttraining aufnehmen und nicht einmal in den Genuss der berühmt-berüchtigten Anfängerfortschritte kommen (sog. „Non-Responder“). Klar, die Kraft steigt ein wenig infolge der besseren Muskelkoordination, doch der Anteil an Muskelmasse erhöht sich nicht im allzu großen Ausmaß. Ähnliches gilt für die Ausdauer – es gibt einfach Menschen, bei denen sich die aerobe Leistungsfähigkeit infolge eines Trainings nicht verbessert.

Mit diesem Wissen im Hinterkopf höre ich jetzt auf um den heißen Brei herumzureden und diskutiere die wichtigen Implikationen, die sich daraus ergeben.

Genetik: Wie stark limitiert sie dich? Und was kannst du dagegen unternehmen?

Punkt #1: Spar‘ dir diese verdammten „Fitspiration“ Posts

Für einen nicht unerheblichen Prozentsatz der Bevölkerung (in Abhängigkeit vom Protokoll, 20% Non-Responder sind nichts Ungewöhnliches) ist ein austrainierter und definierter Look unerreichbar. Viele Männer können einen solchen Grad an Muskularität ganz einfach niemals erreichen (Beispiel A), während Frauen niemals ohne drastische Maßnahmen derart dünn werden (Beispiel B).

Wenn Endergebnissen ein gewisser Wert, statt Einsatz, zugewiesen wird, dann kann das für einige Menschen sehr demotivierend sein, denen keine so gute genetische Hand ausgeteilt wurde.

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Punkt #2: Trainer sollten Coachings garantieren, nicht Ergebnisse

Dieser Aspekt regt mich auf wie kein Zweiter. Wenn ich ein Trainingspaket schnüren würde, welches dir garantiert, dass du 50 kg zu deiner absoluten Powerliftingleistung oder 10 kg reine Muskelmasse draufpacken kannst, dann würde sich das wie geschnitten Brot verkaufen. Jeder Profi aus dem Fitnessbereich weiß das. Schau dir ein beliebiges Fitnessmagazin oder (so gut wie jedes) massentaugliche Programm an – das Marketing und die vollmundigen Behauptungen lesen sich alle ähnlich: Erreiche ein üppiges Ziel in einer überschaubaren Menge an Zeit.

Das Problem ist, dass niemand solche Versprechungen (eigentlich) machen kann. Es sei denn, man hat einen Weg gefunden, um sein Programm so zu bewerben, dass man damit NUR die genetische Elite anspricht, die sich derzeit Welten von ihrem möglichen genetischen Potenzial befindet. Menschen, die ihre Programme mit Behauptungen wie „Erhöhe deinen Armumfang um 5 cm in 6 Wochen“, „Steigere deine Bankdrückleistung um 25 kg in 8 Wochen“ oder „Erreiche dein Sixpack in 30 Tagen“ bewerben, lügen den meisten (wenn nicht gar allen) Personen ins Gesicht. Und das Schlimme ist … sie wissen das auch!

Anstelle dessen SOLLTE eine Garantie für ein Expertencoaching und eine Optimierung für das Individuum treten. Ehrlich gesagt könnte das auch für einige Personen bedeuten, dass sie damit keine Tonne an vorzeigbaren Ergebnissen bekommen. Menschen, die ich trainiere, werden stärker – aktuell kenne ich nur eine Ausnahme, wo das nicht der Fall gewesen ist und die Person hat ihr Geld zurückerstattet bekommen. Über dieselbe Zeitspanne kann jemand anderes 15 kg oder gar 200 kg auf seine Gesamtleistung draufpacken. Der gemeinsame Nenner bei einem meiner Coachings ist jedoch, dass jeder 100% bekommt. Und sie wissen das auch.

Ich möchte, dass die Leute lieber zu mir kommen, weil ich ein echtes Interesse darin gezeigt habe, dass ich den Leuten helfen möchte und auch die Expertise besitze, um das zu tun und nicht, weil ich vollmundige Versprechen mit verrückten Behauptungen zu noch verrückteren Ergebnissen tätige, die ich meistens gar nicht einhalten könnte.

Aufgrund einer unterschiedlichen genetischen Ausstattung reagieren zwei Menschen, die ein- und demselben Trainingsprogramm folgen, unterschiedlich gut darauf. Die eine Person kann rasante Fortschritte erfahren, während sich bei der anderen kaum was tut. Das sind Fakten.

Aufgrund einer unterschiedlichen genetischen Ausstattung reagieren zwei Menschen, die ein- und demselben Trainingsprogramm folgen, unterschiedlich gut darauf. Die eine Person kann rasante Fortschritte erfahren, während sich bei der anderen kaum was tut. Das sind Fakten. (Bildquelle: Fotolia / peshkova)

Punkt #3: Ich bin der Überzeugung, dass Verbesserungen immer möglich sind

Die Wissenschaft bietet Kontrollmöglichkeiten für so viele Variablen wie möglich. Das bedeutet, dass Probanden die gleichen Trainingsprogramme absolvieren, um sicherzustellen, dass du genau darüber im Bilde bist, welche Strategien Ergebnisse liefern.

Gute Trainer wissen, wie man das Programming auf individuelle Bedürfnisse abstimmt und ich bin der festen Überzeugung, dass dies die „Non-Responder“-Rate drastisch herabsetzt. Die 20%, die in naher Zukunft nicht über die Mr. O. Bühne spazieren werden, können sich bis zu einem gewissen Grad ebenfalls verbessern, sofern sie die nötige Motivation mitbringen und individuell gecoacht werden.

Zwar muss ich an dieser Stelle zugeben, dass ich keine wissenschaftlichen Studien zur Hand habe, um diese Behauptung zu untermauern, doch bis dato muss ich noch über jemanden stolpern, der nicht wenigstens ein bisschen muskulöser, stärker oder definierter werden kann.

Nur weil dir das Schicksal für einen bestimmten Parameter eine schlechte Hand ausgeteilt hat, bedeutet das nicht automatisch, dass es nichts gibt, indem du nicht unübertroffen sein oder werden kannst.

Zu der Zeit, als ich aufwuchs, wollte ich nichts Anderes sein, als ein großartiger Basketballspieler. Ich war auch gar nicht so schlecht, doch eine Position in der NBA Liga erschien für einen weißen Jungen mit einer Körpergröße von 1,75m einfach nicht in Reichweite. Doch dafür hatte mich die Natur mit einem große Potenzial im Bereich des Powerliftings gesegnet, insofern habe ich mich darauf konzentriert meine Bemühungen in diese Richtung zu lenken – und ich habe gelernt es zu lieben.

Wenn du nicht dafür bestimmt bist ein guter Ausdauerathlet zu werden, dann wirst du wohlmöglich deine Berufung im Eisensport finden oder vice versa. Habe keine Angst davor mit unterschiedlichen Trainingsmodi zu experimentieren, bis du etwas findest, indem du wirklich gut bist. Ich liebe es Gewichte zu heben, aber ich bin nicht der Überzeugung, dass dies der einzige Weg ist, um etwas für seine Gesundheit zu tun und dabei Spaß zu haben. Sobald du erst einmal herausgefunden hast worin du gut bist, passieren einige lustige Dinge: Wir neigen sehr oft dazu uns in die Sachen zu verlieben, die uns gut liegen. Es gilt das alte Klischee: „Probieren geht über Studieren.“

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Punkt #4: Persönliche Erfolge eines Menschen machen ihn noch lange nicht zu einem Experten

Die Tatsache, dass jemand Ziele erreicht hat, die auch du gerne erreichen würdest, sagt rein gar nichts über die Fähigkeit der Person aus, dich ebenfalls an dieses Ziel zu bringen. Die besten Athleten sind oftmals nicht die besten Trainer.

Und ja, wenn du meine Arbeit bereits eine Weile verfolgst, dann ist das ein sehr ironischer Punkt, den ich hier bringe. Das ist auch der Grund dafür, wieso ich wegen meiner bisherigen Erfolge kein Fass aufmache. Es ist zwar nützlich, wenn ich es nutze, um einen Fuß in die Tür zu bekommen (und es wäre dumm, wenn ich dies nicht täte), jedoch verwende ich das nicht als Krücke. Meiner Meinung nach sollte die Betonung auf den Informationen liegen, die dir jemand liefert und den Professionalismus, den derjenige demonstriert.

Wenn dir jemand versucht seinen Coaching Service / seine Trainingskonzepte / Bücher zu verkaufen und das Hauptargument – in seiner Grundnatur – darin aussieht zu sagen „wähle mich, weil ich muskulös und stark bin“ oder „Ich bin ein Experte in Sachen Figur-Coaching, weil ich shredded bin“, dann solltest du auf der Stelle skeptisch sein. Wenn das alles ist, was derjenige mit an den Tisch bringt, dann wäre dein Geld woanders sicher besser angelegt.

Klar, an dieser Stelle muss man auch den Aspekt der Erfahrung mit ins Spiel bringen. Wenn jemand beispielsweise ein guter Trainer ist, dann gewinnt derjenige durch persönlichen Erfolg an Wert – so denke ich zumindest. Doch zu allererst sollte es um konkretes Wissen (die Grundelemente einer guten Trainingsgestaltung – Wissenschaft & Forschung, Periodisierungsmodelle etc.) und praktische Anwendung (Erfahrung als Trainer) gehen. Experimentelles Wissen aus Wettkämpfen auf Elite-Niveau kommt als Bonus hinzu, doch die ersten beiden Aspekte sind die Wichtigsten.

Man sollte auch ein Wort darüber verlieren, wie derjenige dazu steht den Weg, den er propagiert, selbst zu beschreiten. Zwar sollte es niemandem zum Nachteil ausgelegt werden, wenn er nicht der Beste ist, doch ich wäre bei einem Trainer skeptisch, der selbst nicht ernsthaft für einen Sport oder ein Ziel trainiert hat.

Die besten Trainer sind selten auch die besten Athlete. Und nur weil jemand breit, stark oder auf der Bühne erfolgreich ist, bedeutet das nicht automatisch, dass er anderen dazu verhelfen kann.

Die besten Trainer sind selten auch die besten Athlete. Und nur weil jemand breit, stark oder auf der Bühne erfolgreich ist, bedeutet das nicht automatisch, dass er anderen dazu verhelfen kann. (Bildquelle: Fotolia / nd3000)

Punkt #5: Bewerte niemanden voreilig, nur weil die Ergebnisse ausbleiben

Im Geiste denken wir immer, dass Einsatz = Ergebnisse bedeutet und dass sich beides linear skaliert. Doch das ist genau das, worüber wir hier die ganze Zeit reden. Wenn es um Fitnessziele geht, dann bedeutet das eine nicht automatisch auch das andere. Nur weil jemand keine Ergebnisse einfährt, bedeutet das nicht, dass derjenige faul ist oder nicht genauso viel Arbeit reinsteckt wie du.

Punkt #6: Gehe nicht davon aus, dass du eine Niete in der genetischen Lotterie gezogen hast

In einer der klassischen Studien hat man sich den Einfluss der Genetik auf die sportliche Leistungsfähigkeit angesehen, indem man einen Blick auf das ACTN3-Gen geworfen hat, welches für eine Proteinbindung codiert, die dafür sorgt, dass schnell-zuckende Muskelfasern ihre vollständige Power realisieren können (1). Simpel gesprochen kannst du ohne dieses Gen Kraft nicht so schnell ausüben, wie es mit dem Gen möglich wäre.

Wie du vielleicht erwartet hättest, besaßen (erfolgreiche) Sprinter 2 funktionierende Kopien dieses Gens. Und das macht auch Sinn – funktionierende Proteinbindungen ermöglichen es der Muskulatur mehr Kraft in kürzester Zeit zu produzieren. Lediglich 6% aller Elite-Sprinter besaßen zwei nicht-funktionierende Kopien dieser Allele. Ihnen fehlte also das notwendige Protein für den Power-Output…

Worauf ich hinausmöchte, ist die Tatsache, dass du grob gesprochen nicht wirklich sicher sein KANNST, wo deine Grenzen liegen.

Wenn du davon ausgehst, dass du eine schlechte Genetik besitzt, dann bist du dazu verdammt zu versagen – egal wie dein wahres Potenzial auch immer aussehen mag. Wenn du davon ausgehst, dass die Genetik auf deiner Seite steht, dann magst du vielleicht falsch liegen, doch du kommst vermutlich weiter, als du wohlmöglich gedacht hast.

Das wohl wichtigste Takeaway aus diesem Artikel

Kommen wir noch einmal auf den Gedanken zurück, bei dem wir Einsatz von Ergebnissen getrennt haben: Lasse dich von nichts auf der Welt abhalten zu trainieren. Egal wie deine genetische Ausstattung aussehen mag – Sport und Training sind gut für dich.

Vielleicht wirst du nicht der muskulöseste oder breiteste Typ im Studio, doch das Gewichtheben ist gut für die Koordination und Knochendichte. Vielleicht verbessert sich deine aerobe Ausdauer nicht im allzu großen Umfang, doch es kann zu deiner Gesundheit beitragen. Vielleicht erreichst du keine perfekte Definition, doch indem du ein gesundes Körpergewicht hältst, vermeidest du eine Vielzahl an chronischer Erkrankungen.

Also: Scheiß auf die Genetik.

Mache nicht den Fehler bei dem du dich an einen Idealkörper oder ein bestimmtes Kraftlevel klammerst, welches du erreichen möchtest. Verliebe dich in den Prozess und mit der Tatsache, dass du aktiv bist und Sport – in welcher Form auch immer – betreibst.

Am Ende des Tages zählt Gesundheit mehr als ein Sixpack, eine Spitzenlaufzeit beim Marathon oder eine absolute Leistung im Powerlifting. Und das ist DEFINITIV etwas, dass du durch Sport, unabhängig davon, was deine Genetik über andere Dinge aussagt, verbessern kannst.


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Über Greg Nuckols

Greg Nuckols verfügt über mehr als eine Dekade an praktischer Erfahrung sowie über einen Bachelor of Science in Exercise and Sports Sciences. Er ist dreimaliger „All Time“ Weltrekordhalter im Powerlifting in der 220 (99,7) und 242 (110) Klasse.
Er hat bereits hunderte von Freizeit- und Profi-Athleten trainiert, sowohl online als auch in Persona. Er schrieb bereits für eine Vielzahl bekannter Magazine und Webseiten innerhalb der Fitness-Industrie, darunter Men’s Health, Men’s Fitness, Muscle & Fitness, Bodybuilding.com, T-Nation.com und Schwarzenegger.com. Zusätzlich hatte er die Gelegenheit um mit zahlreichen Rekordhalten, Champions und Kraft- & Konditionierungs-Coaches auf College-Level durch seinen vorherigen Job als Chief Content Director bei Juggernaut Training Systems sowie durch seine Vollzeittätigkeit bei Strengtheory zusammenzuarbeiten.
Seine Leidenschaft besteht darin komplexe Informationen so leicht verständlich wie möglich an Athleten, Trainer und Fitnessbegeisterte zu vermitteln, Leuten dabei zu helfen ihre Kraft- und Fitnessziele zu erreichen und schmackhaftes Bier zu trinken.

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Quellen & Referenzen


Bildquelle Titelbild: Fotolia / antondotsenko


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