Ausführliches Interview: Dr. Christian Zippel im Gespräch

(Zuletzt aktualisiert am: 2. September 2018 )

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Nach einem ganzen Wust diverser Artikel wird es mal wieder Zeit für ein Interview auf Aesir Sports. An dieser Stelle muss ich eingestehen dass ich ein wenig aufgeregt – aber vor allem auch neugierig – bin, da ich heute die Gelegenheit habe mit einer interessanten Persönlichkeit zu sprechen, die in vielerlei Hinsicht Vorbildcharakter für mich hat. Es wäre schlicht und ergreifend gelogen, wenn ich an dieser Stelle den indirekten Einfluss seiner Artikel auf den hier vorzufindenden Blog leugnen würde. Man müsste sogar soweit gehen und behaupten: der Funke, der das Feuer zum lodern brachte, stammt aus der Hand dieses Mannes. Gerade deswegen ist es mir eine Freude und Ehre wenn es darum geht dieses umfangreiche Gespräch zu führen und ihm so ein paar Weisheiten zu entlocken. Und das wäre noch nicht einmal untertrieben.

Christian Zippel Interview

…dragon rising: Christian Zippel macht keine Kompromisse. Im Gespräch mit Aesir Sports berichtet er über seine derzeitige höchst persönliche Entwicklung und seine aktuelle Sicht der Trainings- und Lebensphilosophie.

Natürlich rede ich hier von Christian Zippel: dem Autor von „Der Wille zur Kraft und „Hochfrequenztraining,“ dem Mann hinter dem gleichnamigen Blog seines ersten Schriftwerkes, dem Personal-Trainer im Bereich Fitness und Körperästhetik – aber vor allem auch vom Philosophen der Neuzeit, der durch seine Gedanken und Handlungen die Leute zum Nachsinnen inspiriert hat und immer noch zu Neuem beflügelt.

Interview: Dr. Christian Zippel im Gespräch

Interview mit Christian Zippel – Teil 1

Aesir Sports / Damian: Hallo Christian. Zuerst einmal möchte ich mich bei dir bedanken, dass du dir die Zeit genommen hast für dieses Gespräch. Immerhin ist Zeit ein knappes Gut, das wir in jedem einzelnen Augenblick unwiederbringlich verlieren und von dem jeder von uns nur über ein begrenztes Kontingent verfügt. Umso mehr genieße und honoriere ich diesen Moment, da du in vielerlei Hinsicht eine große Inspirationsquelle und ein Vorbild für mich darstellst. Ich lese deine Blogartikel, geistere und stöbere im Forum herum und verfolge aufmerksam viele der zum Nachdenken anregenden Zitate, die du auf Facebook dann und wann einstellst.

Jeder deiner wachsamen Leser wird in den letzten Monaten festgestellt haben, dass es ein wenig ruhiger um deine Person geworden ist. Die Artikelfrequenz auf deinem Blog hat abgenommen, du postest weniger im Forum und – ja – du hast sogar, wie mir zu Ohren gekommen ist, einen Großteil deiner Habe (insbesondere deine umfassende Büchersammlung) veräußert. Eine Frage, die du sicherlich schon irgendwann einmal beantwortet hast und die mir förmlich auf der Zunge brennt lautet: Wie kam es dazu? Was waren deine Beweggründe? Was hat sich in den letzten Monaten bei dir verändert, so dass du dich zu diesem einschneidenden Schritt entschlossen hast? Immerhin dürfte das ein Entschluss sein, den man nicht allzu vorschnell trifft. Magst du diese Sache hier und jetzt, schwarz auf weiß, für die Leser und mich pointieren?

Christian: Ich bin mitten in der Definitionsphase. Mein Leben war total verfettet – von Theorien, Konventionen und Besitz.

Will ich mich auf das Wesentliche besinnen und aufwärts steigen, so muss ich Ballast abwerfen – so kompromisslos wie möglich. Wofür benötige ich Theorien, wenn simple Prinzipien und intuitive Regulation die besseren Ergebnisse liefern? Wenn die Gesellschaft nicht meinem Idealbild entspricht, weshalb sollte ich mich dann ihren Konventionen beugen? Weshalb sollte ich z.B. einen starren Wohnsitz haben, wenn ich weder familiär noch beruflich gebunden bin? Weshalb sollte mich unnötiger Besitz davon abhalten, heute auf den Seychellen zu wohnen und nächsten Monat in Bangkok. Weshalb schmeiße ich nicht einfach alles raus und lebe wo und wie ich will?

Dass ich kaum noch im Internet unterwegs bin, ergibt sich aus diesen Schritten: Man lernt Land und Leute kennen, geht trainieren, essen, erprobt neue Sportarten, übt sich in der Sprache und arbeitet. Bei solch reichhaltigem Potenzial denkt man nicht im Traum daran, vor dem Bildschirm zu verschimmeln. Lieber ein gutes Buch in traumhafter Atmosphäre.

Dr. Christian Zippel: Ich bin mitten in der Definitionsphase. Mein Leben war total verfettet – von Theorien, Konventionen und Besitz.“

Mit einem festen Wohnsitz stumpft man mit der Zeit ab, nimmt die Wunder und Möglichkeiten der Umgebung und Bekanntschaften immer weniger wahr und verbringt immer mehr Zeit in der Ersatzrealität, im Internet – weit über das sinnvolle Maß hinaus. Wer sich ertappt fühlt, sollte mal über seine Lebensumstände reflektieren, seine sieben Sachen packen und losziehen oder ein neues Projekt in Angriff nehmen.

Interview: Christian Zippel im Gespräch – Teil I

Ein Teil der persönlichen Bibliothek des Christian Zippel – alles bereits unters Volk gebracht. Wahnsinn.

Aesir Sports / Damian: Das Leben im Internet verbringen – da sprichst du was an. Nach heutigen Maßstäben ist der virtuelle Tummelplatz aus dem Leben vieler nicht mehr herauszudenken. Natürlich ist das eine kritisch zu bewertende Entwicklung – übrigens genauso bedenklich wie alle 2 Minuten auf sein Handy zu starren, wie ich finde. Findest du eine solche Pauschalisierung per se, á la „Das Internet ist schlecht,“ nicht zu hart? Dank dem World Wide Web ist das Vernetzen mit Gleichgesinnten und den Austausch von Gedanken über viele hunderte Kilometer hinweg spielend einfach geworden und ohne Hindernisse machbar.

Gleichzeitig stelle ich mir die Frage, ob ein solches Leben, wie du es hier ansprichst überhaupt für den Durchschnittsmenschen mit Familie, mit Wohnsitz und sozialen Verpflichtungen möglich ist.

Christian, du warst schon früher für viele Menschen eine Art Inspirationsquelle. Denkst du, es finden sich Leute, die dir auch in dieser Beziehung folgen werden? Oder ist es wohlmöglich für viele ein zu radikaler Schritt ist? Möchtest du überhaupt diesbezüglich als Vorbild wahrgenommen werden oder stellt diese Entscheidung einen zutiefst persönlichen Weg dar? Glaubst du, dass ein Familienvater mit Haus und Hof, der hin und wieder in seinen Eisenkeller hinabsteigt um sich zu disziplinieren, ebenfalls mit einer solch extremen Strategie richtig fahren würde?

Christian: Das Internet per se ist weder gut noch schlecht. Es ist wie Feuer. Einige bringen damit mehr Licht in ihr Leben. Andere vernarren sich darein und merken gar nicht, wie sie sich Tag für Tag mehr verbrennen – bis die Jahre der Jugend vorbei sind und man nichts vorzuweisen hat, als Tausende von Forenposts und Facebookfreunden. Verbranntes Potenzial wohin man blickt. Das ist wie mit dem Frosch. Wirf ihn in heißes Wasser und er wird wieder rausspringen. Setz ihn in einen Topf mit kaltem Wasser und erhitze es nach und nach. Er wird sterben und tatenlos dabei zusehen.

Viele Menschen sind wie Frösche: Wenn es schleichend bergab geht, blenden sie es aus. Irgendwann fehlt ihnen die Kraft, etwas zu verändern und dann akzeptieren sie ihr Schicksal. Lieber früh schauen, wo die Reise hingeht, und rechtzeitig aus dem Topf springen!

Das mache ich gerade. Mein Weg ist „zutiefst persönlich“. Wenn ich Vorbild sein will, dann nicht für „meinen“ Weg, sondern nur dafür, einen eigenen, zutiefst persönlichen Weg zu gehen. Man kann nicht immer und überall der Beste sein – unabhängig jeden Maßstabes. Man selbst ist der Maßstab. Man sollte danach streben, die beste Version von sich selbst zu werden. Im Sinne der eigenen Ziele und Möglichkeiten.

Ich freue mich ebenso über den aufrichtigen Familienvater, der hart trainiert und für seine Familie sorgt, wie über den forschenden Einzelgänger, der Körpergewichtstraining betreibt und durch die Welt reist.

Dr. Christian Zippel: „Das Internet per se ist weder gut noch schlecht. Es ist wie Feuer. Einige bringen damit mehr Licht in ihr Leben. Andere vernarren sich darein und merken gar nicht, wie sie sich Tag für Tag mehr verbrennen – bis die Jahre der Jugend vorbei sind und man nichts vorzuweisen hat, als Tausende von Forenposts und Facebookfreunden.“

Wie „extrem“ jemand an seiner Entwicklung arbeiten will, hat jeder selbst zu entscheiden. Denn ohne diese eigene, innere Entscheidung hat man nie genug Willen, sie auch durchzusetzen. Nur wenige folgen ihrem Herzen und dem, was sie wirklich wollen. Sie gehen Kompromisse ein, verschwenden ihr Potenzial und lassen sich klein reden. Wozu? Wozu leben wir überhaupt, wenn wir nicht unserem Willen folgen?

Leben ist schwach, wenn es sich selbst verleugnet. Stark wird es, wo Wollen und Handeln sich vereinigen und in die selbe Richtung streben. Offen und begehrlich. Körper und Geist. Sei holistisch – denn wenn Du das Ganze hast, hast Du auch die Teile und noch mehr!

Ich feiere jeden Menschen, der sein eigenes Streben lebt! Graue Wochentagsmenschen und Onlinehelden gibt es genug. Wo bleibt die Kraft? Das Leben? Die Kreativität? Die Individualität? Der Stil? Der Spaß? Der Schneid? Die Radikalität? Der Kynismus? Die Bereitschaft, Komfort zu zerstören und sich immer höheren Herausforderungen zu stellen?

Interview: Christian Zippel im Gespräch – Teil I

Christian Zippel – Coach, Philosoph und Weltenbummler – weiß worum es beim Training geht. Physisch wie mental.

Vielen reicht etwas Sport und mal ein Buch, andere trainieren täglich, ernähren sich korrekt und bilden sich systematisch weiter. Dazu eine Komfortzone mit Familie, Karriere, Altersvorsorge und Eigenheim.

Wer darüber hinaus will, kann auch diese Komfortzone noch verlassen, um nackt und auf sich allein gestellt mit den Härten der Welt konfrontiert zu werden. Am Widerstand wächst man!

Vor dieser Stufe wirbeln einem viele Fragen durch den Kopf: Wie will ich mich voll und ganz auf meine Entwicklung konzentrieren, wenn ich einem zeitaufwendigen Job nachgehe? Wie, wenn ich mich pausenlos in oberflächliches Geplänkel hineinziehen lasse? Wie will ich die notwendige Härte und Verachtung (mir selbst gegenüber) in mein Leben bringen, wenn ich zu Hause nur liebevolle Harmonie vorfinde? Was soll ich in Kreisen, in denen ich so akzeptiert werde, wie ich bin? In gewissem Sinne kommt alles auf den Prüfstand, was sich der normale Bürger erträumt. Das gilt es zu überwinden. Sicher kommt dann die Frage auf: Zerstöre ich damit nicht mein Leben?

Aber nur kurz. Schnell prescht ein Gedanke hervor, wie die aufgehende Sonne und überstrahlt alles andere: Was ist mir mein Leben schon wert, wenn es auf solch einem kümmerlichen Entwicklungsstand wie dem momentanen verharrt?

Wer sich selbst überwinden will, tut gut daran, alles zu überwinden, was ihn in Stillstand und Schwäche bestärkt. Akzeptanz und Toleranz sind wertvoll, aber sie öffnen Körper und Geist für Anspruchslosigkeit und Schwachmatentum. Unsere Wattebausch-Gesellschaft spiegelt das wieder. Nun obliegt es jedem selbst, Anspruch und Stärke in sein Leben zu bringen.

Ich veröffentliche darüber nicht viel. Es ist fern von Trainingstipps, die man einem Jungspund mit auf den Schulweg gibt. Nichts, was man jemandem einfach so empfehlen kann. Es ist die bewusste Zerstörung des eigenen bürgerlichen Daseins – weil man sich sicher ist, dass das nicht alles sein kann.

Aesir Sports / Damian: Der Zauber findet außerhalb der persönlichen Komfortzone statt, da ist etwas Wahres dran. Gehen wir von westlichen Verhältnissen aus so musste der moderne Mensch (Mann?) vermutlich zu keiner Zeit der Stammesgeschichte so wenig für seine Existenz in die Waagschale werfen, wie es augenblicklich der Fall ist. Es wäre vermutlich purer Kitsch wenn ich an dieser Stelle ein sehr berühmtes Zitat aus dem Film „Fight Club,“ welches vermutlich vielen Lesern ein Begriff sein dürfte, anführen würde.

Peter McAllister, ein bekannter Paleoanthropologe und Wissenschaftler, gibt im Prolog seines Buches „Manthropology” ein vernichtendes Statement im Bezug auf den modernen Menschen: If you’re reading this, then you – or the male you have bought it for – are the worst man in history.“ Das Schriftwerk – ursprünglich als Lobeshymne auf den „homo masculinus modernus“ konzipiert –  lässt folglich kein gutes Haar an der heutigen (männlichen) Generation unserer Spezies, nachdem McAllister realisiert hat, dass eine Wertschätzung absolut ungerechtfertigt gewesen wäre.

Christian, sind wir wirklich die Zweitgeborenen der Geschichte? Es gibt keinen Krieg zu gewinnen, keine Welt zu vermessen und auch die bisherigen Geschlechterrollen sind langsam aber stetig im Begriff auf immer zu verschwinden. Die Menschen leben nahezu ziellos in den Tag hinein, ackern für sich, ihre egoistischen Ziele und ihren persönlichen Hedonismus. Gleichzeitig boomt und floriert die Sport- und Fitnessindustrie, wie kaum ein anderer Wirtschaftszweig.

Würdest du sagen, man findet gerade deswegen eine große Zahl von Leuten in den privaten Folterkellern und öffentlichen Studios, weil es für viele auch einen persönlichen Weg darstellt, um aus der Komfortzone auszubrechen ohne gleich sämtliche Wurzeln zur Gesellschaft zu kappen? Für wen trainieren diese Leute? Für sich und ihr persönliches Wohl – aus Eigeninteresse oder doch dafür ein gesellschaftliches Ego zu füttern? Gerade heute ist es doch meist sehr einfach mit etwas Disziplin und konstantem Training aus der – man verzeihe mir diesen Wortlaut – degenerierten Masse herauszustechen. Für „Otto Normal“ reicht bereits ein einfacher Sixpack aus, um als fit und durchtrainiert angesehen zu werden, doch wir beide (und unsere Leser) wissen, dass dies nicht das Maß aller Dinge ist, woran man einen fitten Körper misst. Ist das Training nicht auch in gewisser Weise eine Art von „Bravado – ein „display of false courage“ des modernen homo sapiens? Und wie steht es um die Kultivation des Geistes? Kann der Körper dem Geist nicht nur dahin folgen, wo dieser schon gewesen ist? Oder lässt sich diese Entwicklung gar voneinander abkoppeln?

Christian: Weniger die Zweitgeborenen. Eher die Freigeborenen. Wir haben einen Grad an Freiheit erreicht, mit dem wir erst lernen müssen, umzugehen: Eltern, die einen einfach machen lassen; Gesellschaft ohne Ideale; Politik ohne Vorbilder; Medien für alles und jeden; Internet der unbegrenzten Möglichkeiten; Hobbys und Moden jeglicher Coleur und Unis mit hunderten von Studienmöglichkeiten. Heutzutage kann jeder alles machen oder es auch lassen. Whatever.

Das ist die Härte unseres Lebens, dass es uns zu nichts mehr zwingt. Nun müssen wir die Verantwortung übernehmen und uns selbst zu dem zwingen, was wir wollen. Disziplin und Selbstbewusstsein sind gefragt. Selbstbewusstsein, um zu wissen, wer man ist und was man will; Disziplin, um es zu verwirklichen.

Vielen fällt das schwer. Deswegen müssen wir das Selbstvertrauen und die Willensstärke in uns und unseren Mitmenschen stärken, damit wir zu einer Gesellschaft mit starken, weltoffenen Werten und Charakteren werden.

Momentan geben wir ein trauriges Bild ab. Viele kommen mit ihrer Freiheit nicht klar und wissen nicht wohin mit ihrer Zeit und Energie. Es ist auch verdammt schwer, Disziplin und Leidenschaft zu entfachen, wenn man nicht weiß wofür.

Dr. Christian Zippel: „Heutzutage kann jeder alles machen oder es auch lassen. Whatever. Das ist die Härte unseres Lebens, dass es uns zu nichts mehr zwingt. Nun müssen wir die Verantwortung übernehmen und uns selbst zu dem zwingen, was wir wollen. Disziplin und Selbstbewusstsein sind gefragt.“

Dem eigenen Körper zu der Schönheit und Kraft zu verhelfen, die in ihm schlummert, ist ein toller Zugang zur Welt der Entwicklung. Wenn man dafür brennt, Eiweiß zu assimilieren, wenn man morgens aufsteht und der erste Gedanke beim Kreuzheben ist und wenn man sich minutiös ernährt, um sich einen Traumkörper aus dem schwachen verfetteten Klotz zu meißeln, den man vor dem Spiegel versteckt, dann ist das der Himmel auf Erden. Alles wird so klar. Die Zweifel verstummen. Das Leben nimmt Fahrt auf und beginnt, umso mehr Spaß zu machen – je härter es wird.

Jeder Mensch liebt dieses Gefühl: den Flow, den Drive, den Pump. Aber dafür muss man ihn erstmal schmecken, generieren und konstruktiv nutzen. Tausende von Athleten schaffen das und lieben es!

Wer lang genug am Eisen bleibt, spürt, wie auch der Geist stärker und disziplinierter wird. Vormals konzentrierte man sich auf Muskeln und Hanteln, doch zusehends überträgt sich die Stärkung auf Charakter, Moral, Beruf und Verhalten. Der Geist hat ebenso enormes Potenzial zur Entwicklung wie auch der Körper. Wer wahrlich Mensch werden will und nicht nur ein moderner Affe, sollte sich ebenso auf die Entwicklung des Geistes wie die des Körpers konzentrieren.

Ein stumpfer, verblendeter Geist in einem starken Körper ist Schwachsinn auf zwei Beinen… und der Grund dafür, dass Bodybuilding den Ruf hat, den es nun mal hat.

Ob sich die Entwicklung des Körpers von der des Geistes abkoppeln lässt? Bis zu einer gewissen Ebene schon. Sollte man es machen? Nein, wer Entwicklung in Reinform leben will, sollte beides auf die Spitze treiben – mens fortis in corpore forti!

Interview mit Christian Zippel – Teil 2

Aesir Sports / Damian: Da bin ich voll und ganz bei dir, Christian. Das Training selbst, ein Funke – mag er zu Beginn noch so klein und unbedeutend sein – kann innerhalb kürzester Zeit zu einem wahren Feuersturm anwachsen, wenn man ihn nur lang genug glimmen lässt und regelmäßig füttert. Ist die Flamme erst geboren und das Feuer entfacht, gibt es nur wenige Dinge die eine ausgewachsene Flammendwand noch stoppen können.

In diesem Zusammenhang fällt mir ein sehr bewegendes Statement ein, welches ich an dieser Stelle unbedingt mit den Lesern und dir teilen muss:

„Your successes fuel your ambition. Your successes give you extra energy. Your successes pave the way for more successes. The disciplines that were so difficult in the beginning, the disciplines which got you going are now part of your philosophy. The essence of life is growth…the essence of life is growth to do the best you can. The more you do, the more you get…” – Quelle

Das Video selbst enthält noch eine ganze Reihe weiterer denkwürdiger Zitate die es allesamt wert wären an dieser Stelle genannt zu werden, doch gerade dieser eine Passus treibt mir jedes Mal die Gänsehaut in den Rücken. Wir reden hier ja offensichtlich über ein gewisses Momentum, welches durch eine Trainingsroutine in Gang gesetzt wird. „The more you do, the more you get.“ Würdest du diesen letzten Satz so stehen lassen? Würdest du ihn ergänzen oder sogar ablehnen? Kann das Feuer zu kräftig lodern? Ausser Kontrolle geraten? Falls ja: Wie kann man es wieder unter Kontrolle bekommen und in gesunde Bahnen lenken?

Wir leben in einem Informationszeitalter in der es zu jeder Studie eine entsprechende Gegenstudie gibt. Gurus und Experten widersprechen sich diametral und jeder versucht seinen eigenen heiligen Gral an den Mann zu bringen. Du sagst: Mens fortis in corpore forti. Doch woher weiß ich welche Routine, welche Ernährung und welche Bücher mich auf diesen Pfad bringen? Gibt es in deinen Augen auch einen Zeitpunkt an dem man die Scheuklappen aufsetzen sollte, um sich Zeit zu nehmen, das angelesene Wissen auf persönlicher Ebene anzuwenden? Oder siehst du den ganzen Entwicklungsprozess als eine Art paralleler Werdegang? Und wie gehst du selbst vor, wenn du dich über ein bestimmtes Thema, was dich neugierig gemacht hat, genauer informieren willst?

Christian: Nicht mit hunderten von Dingen, Beschäftigungen und Verpflichtungen überlasten, sondern sich auf das konzentrieren, was man will und was man kann und was uns (uns selbst, die Gesellschaft und die Natur) weiterbringt. In diesem Sinne gilt auf jeden Fall: Je mehr Du investierst, desto mehr wirst Du erhalten!

Wer nicht gibt, wird auch nicht empfangen. Es gilt, im Fluss zu bleiben. Wo er stockt, verliert er seine Kraft, dreht sich um Hindernisse, trägt Müll mit sich, zerfließt und versiegt. Das war auch Grundprinzip der Stoiker: Im Wohlfluss des Lebens bleiben, ohne sich von „Adiaphora“ (Nebensächlichem) aufwühlen und ablenken zu lassen.

Interview: Dr. Christian Zippel im Gespräch – Teil II

Christians erstes Buch, „Der Wille zur Kraft,“ ist eine Symbiose aus Kraftsport, Bodybuilding und Philosophie. Die Gier nach Masse ist gewichen, doch die Philosophie ist geblieben.

Auch in der Wirtschaft gilt: Wer Geld verdienen will, muss erst welches ausgeben. The flow must go on! Ich erlebe das oft bei Klienten, bei denen die Entwicklung stockt. Sie leben nicht im Fluss. Denken nicht im Fluss. Sie stocken, haben sich festgefressen, in ihren momentanen Denk-, Glaubens-, Besitz- und Verhaltensmustern. Leider sind es genau diese, die erst in die Misere geführt haben. Umdenken ist angesagt. Wer das schafft und ein neues Leben installiert, wird es leicht haben.

Wer z.B. abnehmen will, sollte auch in seinem Besitz, Verhalten und Bekanntenkreis abnehmen – und so lernen, von Quantität auf Qualität umzuschalten. Ebenso gilt es, die Natürlichkeit der Bedürfnisse wieder herzustellen und nur noch zu essen, wenn man Hunger hat und nicht auch, wenn man sich langweilt, allein ist oder mies fühlt. Das Problem ist nur oberflächlich betrachtet: zu viel essen. Tatsächlich ist es: falsch essen.

Wer einfach weniger zu essen versucht, ändert nichts an den Problemen. Deswegen scheitern reine Diäten immer – sie sind zwanghaft, doktern nur an den Symptomen herum und danach spielt das Jojo seine Rolle. Ein Trainer, der seinem Schützling nicht mehr als einen Essensplan mit auf den Weg gibt, hilft nicht weiter.

Ein dicker Mensch ist wie jemand, der ständig sein Auto betankt, obwohl der Tank bereits voll ist. Ein Essensplan hilft da so viel wie ein Tankwart, der das Benzin rationiert und übermäßiges Tanken verbietet. Unmündiger kann man einen Menschen nicht behandeln. Das ist Zwang pur. Denn was passiert?

Das Prinzip der künstlichen Verknappung tritt ein, man spürt einen Mangel, der größer zu werden droht. Umso heftiger wird das Verlangen, umso größer die Fressattacken, die Frustration und umso schwerer wird es, abzunehmen. Das Ergebnis: Das Bewusstsein will abnehmen, aber das Unbewusste will aufbauen, so viel wie möglich, bevor die Verknappung noch größer wird. Der Fluss gerät ins Stocken, man selbst ist total durcheinander. Auf der Waage passiert fast nichts.

Nimm dem Kind ein Spielzeug weg und es wird nichts sehnlicher wollen, als genau dieses. Je mehr man es ihm verbietet, desto zwanghafter wird es damit spielen, wenn gerade niemand zusieht. Koste es, was es wolle. Das Ding wird immer mehr zum Mittelpunkt des Lebens, selbst wenn es Probleme bereitet oder gar die Gesundheit schädigt.

Klärst Du das Kind hingegen auf und machst ihm (un)bewusst, dass es nur ein banales Spielzeug ist, dann wird es sich nicht mehr davon beherrschen lassen. Es wird keine Rolle mehr spielen und die damit zusammenhängenden Probleme werden obsolet.

Wer sich aus solchen Zwängen befreit und wieder Fluss (den Einklang zwischen Bewusstem und Unbewusstem) in sein Leben bringt, bei dem wird sich der Körperfettgehalt nebenbei normalisieren. Ohne Probleme. Mit dem Aufbau ist es vom Prinzip her nicht anders.

Viele glauben, dass mehr Training und Proteine allein zum muskulösen Traumkörper führen. Pustekuchen! Die meisten wollen nicht aus innerem Antrieb groß, schön und stark werden, sondern weil es Eindruck schindet und ein gesellschaftliches Ideal ist. Wenn es aber nicht das eigene ist, entsteht Zwang, was wiederum den Fluss ins Stocken bringt. Das Ergebnis sind Studios und Foren voll von Leuten, die sich körperlich kaum verändern – weil sie sich geistig nicht verändern (und dann auf ihre Genetik schimpfen, über Supplements kompensieren, neidisch werden, unüberlegt zu Steroiden greifen und nach Abkürzungen suchen).

Nur wer will, was er tut, wird erfolgreich sein! Entwicklung trainiert man nicht, man lebt sie. Keine halben Sachen. Deswegen würde ich das Prinzip erweitern: The more you want, what you do, the more you get.

Kann das zu viel werden und außer Kontrolle geraten? Menschlich betrachtet sicherlich. Wenige verstehen, dass man etwas extrem leben will, aber auch nur wenige schaffen wirklich Weltbewegendes. Viele Menschen sind Pausen in der Symphonie des Lebens – sagte Nietzsche. Wer willst Du sein? Wozu Mensch, wenn man nach Übermenschlichem strebt? Sicherheit oder Entwicklung? Für mich gilt das Credo: Wenn Du vor dem nächsten Schritt keine Angst hast, ist er nicht groß genug!

Darum geht es auch, um Schritte und nicht ums Streiten – mit „Gurus und Experten“. Ich habe das oft genug gemacht und es bringt nichts, sich im Internet oder sonst wo Studien und Theorien um den Kopf zu schlagen. Ich habe das hinter mir gelassen. Ich will schreiten, nicht streiten und raus aus der Profilierungsgesellschaft. Ich will nicht besser sein als die anderen, sondern besser werden als ich selbst. Gurus sind egal, Studien sind egal, Schwanzvergleiche sind egal – mach Dein Ding, steh dazu „and don’t listen to the naysayers.“ Natürlich gelten auch die anderen fünf Artikel des Arnoldevangeliums.

Dr. Christian Zippel: „Viele glauben, dass mehr Training und Proteine allein zum muskulösen Traumkörper führen. Pustekuchen. […] Das Ergebnis sind Studios und Foren voll von Leuten, die sich körperlich kaum verändern – weil sie sich geistig nicht verändern […].“

Nichts ist wertvoller als eigene Erfahrungen zu machen. Durchs Palavern wachsen keine Muskeln und Körperfett verbrennt man auch nicht viel dabei. Allenfalls an Vor-Bildern kann man sich orientieren: Menschen mit ähnlicher Veranlagung, die da sind, wo man hin will. Was lesen die? Wie trainieren die? Wie ernähren sie sich? Wie haben Sie Ihre Probleme gelöst? Wie denken und leben sie? Keinen Personenkult – nur Etappen, die es zu erreichen gilt, um sie zu überwinden und noch besser zu werden. Mit solchen Leuten diskutiere ich gerne und ich lese auch aufmerksam, was sie schreiben. Aber das ist dann eher was fürs persönliche Gespräch – ohne Neid und Streit.

Interview: Dr. Christian Zippel im Gespräch – Teil II

Christian Zippel – hier beim „abhängen“ am Marienplatz. Was zählt, ist, was draußen passiert und was du mit deiner Zeit anfängst.

Scheuklappen? Auf jeden Fall. Selektive Ignoranz will gepflegt werden; gerade heute, wo sich das „Wissen“ explosiv vermehrt und jeder, der schreiben kann, seine Meinung im Internet kund tut. Bezeichnend ist, dass die Zahl der Ahnungslosen und Verwirrten ebenso rasant wächst. Scheinbar wissen wir immer weniger weiter, je mehr wir wissen. Wer Erfolg will, sucht sich genau aus, von wem er sein Wissen bezieht, geht seinen eigenen Weg und ignoriert gezielt, was ihn davon abbringt. Stumpfsinn wird uns ganz sicher nicht weiterbringen.

Aesir Sports / Damian: „Wer z.B. abnehmen will, sollte auch in seinem Besitz, Verhalten und Bekanntenkreis abnehmen – Wow, das ist sicherlich harter Tobak in den Ohren einiger, auch wenn ich nachvollziehen kann, was du damit meinst, da ich es selbst schon oft am eigenen Leib erfahren durfte. In meinem Bekanntenkreis gibt es eine ganze Menge Leute, die scheinbar mit dem was sie haben, zufrieden sind. Sie waren mit mir im Kindergarten, in der Schule und haben eine Ausbildung absolviert. All das waren Dinge, die sie zum lernen gezwungen haben. Vielleicht nicht mit physischer Gewalt, doch der gesellschaftliche Zwang war unbestreitbar stets zugegen. Was ist aus diesen Menschen geworden?

Die meisten haben die Schule erfolgreich beendet, ihre Ausbildung gegebenenfalls mit Bravour bestanden und sind nun in einer beliebigen Firma X tätig. Was ich mit Bedauern festgestellt habe: Viele von ihnen haben ab diesem Zeitpunkt aufgehört, sich zu verändern. Sie leben ihr routiniertes Leben und gehen nach der Arbeit müde nach Hause, wo sie – in gewohnter Manier – mit ihrer Mahlzeit vor dem Fernseher oder im Internet versacken. Bücher, die man in der Schule schon nicht gerne gelesen hat, werden heute nur noch verächtlich gemustert. Weder der Körper, noch der Geist wird genährt: ein Zustand der Stagnation. Ein Großteil dieser gesellschaftlichen Zombies lebt prinzipiell nur noch für das Wochenende – und den Exzess. Leider ist es oftmals auch so, dass ein Teil dieser Leute es auch einem selbst nicht gönnt, wenn sie sehen, wie viel Mühe man sich mit der eigenen Entwicklung gibt.

  • „Wozu trainierst du so oft in der Woche?“
  • „Wieso isst du sowas?“
  • „Das ist doch ungesund was du machst!“
  • „Lies mal weiter deine Bücher – bringt doch sowieso nichts.“

Alles schon gehört, alles schon erlebt und manchmal ist es wirklich besser Leute zurückzulassen, die einen davon abhalten das zu werden, wonach man strebt. Doch was macht man, wenn diejenigen, die einen abhalten zur eigenen Familie gehören, Christian? Ich lese allzu oft in den Foren von jungen, hoch-motivierten Anfängern die um Rat fragen: „Hilfe, meine Familie akzeptiert meinen angestrebten Lifestyle nicht. Niemand unterstützt mich und alle buttern mich unter. Was soll ich tun?“

Jeder von uns war in diesem Alter, wo er dachte ihm gehöre die Welt und alles ist möglich. Welchen Rat würdest du diesen – noch jungen – Menschen auf den Weg geben? Soll man sich von der Familie lossagen und seinen eigenen Weg, komme was wolle, gehen? Übertreiben es die Jünglinge vielleicht einfach nur und wäre die richtige Lösung eher in der Maßhaltung?

Konkret: Welchen Weg sollen die Menschen nehmen, wenn sich die ganze Welt gegen einen verschworen zu haben scheint? Wenn die Widerstände derart groß sind, dass sie unüberwindbar erscheinen? Wenn die Sonne nicht scheint und kein Regen fällt – wie soll das Leben dann weiter wachsen? Wie soll man für so einen Weg die nötige Kraft schöpfen? Natürlich weiß ich auch, dass pauschale Aussagen in so einem Kontext schwer zu tätigen sind, doch würde mich deine Ansicht zu diesem Thema sehr interessieren (eben weil es so oft vorkommt!).

Christian: Jaja, Pubertät… Die Zeit, in der die Eltern schwierig werden. Das ist nur natürlich. Wenn es ab einer bestimmten Phase der Entwicklung keinen Streit geben würde, hätten die Nachkommen nie den Drang, sich zu trennen und ein eigenes Leben zu führen. Das zieht sich durch die ganze Tierwelt, sorgt für freie, unabhängige Individuen, die Verbreitung der Gene und Meme und schützt vor Inzucht.

Sind eigentlich nur die Eltern schuld? Zuerst sollte man sich in die Lage der Familie versetzen. Wie auch immer sie leben mag, meist ist sie verständig und vor allem ist sie sich ihrer Verantwortung bewusst. Wenn der Sohn oder die Tochter alles andere als beständig sind, viel anfangen, aber wenig zu Ende bringen, ihre Ziele und Wünsche nicht kommunizieren, selbst nicht offen für Vorschläge sind und ihre eigene Philosophie nicht begründen können, dann ist es kein Wunder, wenn man sich erstmal gegen das sperrt, was die liebe Nachkommenschaft da (schon wieder) ausbrütet.

Dr. Christian Zippel: „Selektive Ignoranz will gepflegt werden; gerade heute, wo sich das `Wissen` explosiv vermehrt und jeder, der schreiben kann, seine Meinung im Internet kund tut.“

Verständnis, Vertrauen und Freiheit muss man sich erarbeiten und verdienen – über Jahre hinweg. Wer das nicht schafft, wird es auch mit der eigenen Entwicklung nicht weit bringen. Natürlich gibt es die saufenden, intoleranten Eltern, die ihre Kinder vernachlässigen und auf Ballermannniveau herunter ziehen; aber die sind selten. Meist sollten sich die jungen Athleten an die eigene Nase fassen.

Ja, ich weiß, es ist schwer, mit den lieben Eltern auf gleicher Ebene zu diskutieren, aber es funktioniert. Wie sollen sie Euch je die Freiheiten eines Mannes bzw. einer Frau gewähren, wenn Ihr Euch verhaltet wie wankelmütige Kleinkinder? Werdet erwachsen: Seid konstant, in dem, was Ihr denkt, sagt und tut! Dann kann Euch niemand im Wege stehen. Vermittelt und verteidigt Euren Standpunkt mit guten Argumenten – die muss es geben, oder warum macht Ihr überhaupt, was Ihr macht?

Interview: Dr. Christian Zippel im Gespräch – Teil IIWer wirklich für das Training brennt, der kann das immer und überall jedem Zweifler begründen und die eigenen Prinzipien darlegen. Das muss nicht auf Anhieb überzeugen, es muss nur zu einem Ziel führen und in sich logisch sein. Wer nicht dazu in der Lage ist, sollte in sich gehen und überlegen, was er da macht und ob es das Richtige für ihn ist? Schwammige Prinzipien führen  zu schwammigen Ergebnissen!

Das ist der nächste Punkt: Meist muss man sich für sein Vorhaben nur rechtfertigen, wenn man dafür die ganze Welt auf den Kopf stellt, aber kaum Ergebnisse vorzuweisen hat. Das ist ein Warnsignal und stößt zu Recht auf Unverständnis. Und da zählt auch nicht der Spruch: „Ich bin ja noch am Anfang, aber bald…“ Das sind Ausflüchte. Wer es richtig angeht, wird schnell sichtbare Ergebnisse vorweisen können – ohne dabei seinen Mitmenschen mit allerlei Hokuspokus auf die Nerven zu gehen.

Der Hype um Training, Ernährung und Weiterbildung ist oft zu gekünstelt; gerade in den ersten Jahren, in denen man noch nicht weiß, wie simpel es ist, die eigene Entwicklung zu steuern – ohne es allen auf die Nase zu binden. Einfach machen und weniger darüber reden. Es tun, als wäre es selbstverständlich. Etwas mehr Understatement, bitte! Macht es für Euch – das ist die beste Motivation und schafft Anerkennung ohne Angeberei.

Schon mal versucht, die wachsenden Stärken zum Nutzen der Mitmenschen zu verwenden? Ein tragender Pfeiler der Familie und des Freundeskreises zu werden, ist der beste Weg, um seinen Platz zu behaupten. Wer Vorhaltungen bekommt, macht etwas falsch und geht evtl. zu egozentrisch mit seinen Fähigkeiten um. Gebt Euren Mitmenschen stets mehr, als sie erwarten. Seid schneller, besser und hilfsbereiter – als ihr eigentlich sein müsstet. Geht mit Euch selbst am härtesten ins Gericht. Überrascht alle!

Sich in der Ellenbogengesellschaft zu behaupten mag stark erscheinen – wirklich stark ist, wer so viel Kraft hat, dass er darüber stehen kann, hilfsbereit und selbstkritisch ist und trotzdem erreicht, was er will – spielerisch und fair. Es lohnt sich. Geld und Zeit sind beschränkt und werden auf der Ellenbogenebene minutiös berechnet. Dankbarkeit kann grenzenlos sein und wenn Ihr selbst mal alles verloren habt, wird man Euch mehr geben, als Ihr erwartet. Auf dem richtigen Weg seid Ihr, wenn die Menschen sich Euch öffnen und Ihr Sätze hört wie:

  • „Dein Körper hat sich super entwickelt. Kannst Du mir auch ein paar Übungen zeigen?“
  • „Echt eindrucksvoll, wie Du das mit der Ernährung hinbekommst. Wie schaffe ich es nur, mich auch so zu ernähren?“
  • „Mein Rücken bringt mich um. Was soll ich nur tun?“
  • „Das ist ja interessant. Wie heißt das Buch?“

Es ist gut, wenn man Widerstand aus den eigenen Reihen erfährt – so wird man dazu motiviert, Einklang in das eigene Leben (Denken, Sagen, Handeln) zu bringen, von Firlefanz abzulassen und sich stärker einzubringen. Wer das schafft, wird beliebt und erfolgreich. Eine der wichtigsten Lektionen des Erwachsenwerdens. Was danach auf einen wartet, wird weit fordernder.

Dr. Christian Zippel: „Der Hype um Training, Ernährung und Weiterbildung ist oft zu gekünstelt; gerade in den ersten Jahren, in denen man noch nicht weiß, wie simpel es ist, die eigene Entwicklung zu steuern – ohne es allen auf die Nase zu binden.“

Leider knicken hier schon viele ein, versperren sich, wenden sich ab und lernen diese Lektion nie. Entsprechend unharmonisch, schwach und engstirnig verläuft das eigene Leben. Kontakte entstehen nur sporadisch und werden schnell wieder aufgegeben, wenn Widerstand auftritt. Weglaufen hat ja schon mal geklappt. Dabei wird es doch jetzt erst lehrreich.

Lasst es nicht so weit kommen! Seht es als Training Eurer sozialen Stärke. In fast allen Fällen, die ich miterlebt habe, ließen sich mit Mut und Einsatz, auch noch die unsportlichsten Eltern zumindest zur Akzeptanz bewegen. In nur einem Fall waren die Fronten so verhärtet, dass der Bruch die richtige Lösung war. Nachträglich hat der gewonnene Abstand, zu einer Versöhnung und gegenseitigem Respekt geführt. Also kämpft für Euch und Euren Platz in der Familie – Ihr habt nur eine. Eine, die Euch versorgt und ein Zuhause gibt. Was könnt Ihr für sie tun? Wie wollt Ihr in der Gesellschaft glücklich und selbstbestimmt leben, wenn es nicht einmal daheim klappt? Wie wollt Ihr eine eigene, starke und einheitliche Familie gründen, wenn Ihr in der Jugend nicht gelernt habt, wie so eine auszusehen hat?

Anders sieht es bei Menschen aus, mit denen Euch nicht viel verbindet und die alles andere als vorbildlich leben oder mit Familienangehörigen, deren Verhalten untragbar ist. Wenn sie sich und Euch bremsen, belügen oder misshandeln, dann verabschiedet Euch – schnell und kompromisslos. Egal wie schwer das ist. Es gibt Milliarden von Menschen, da muss man sich nicht an den Abschaum binden. Wer sich mit Arschlöchern umgibt, braucht sich nicht zu wundern, wenn er nur Scheiße erlebt.

Es gibt wundervolle, anregende und mitreißende Persönlichkeiten, die Euch aufrichtig begegnen, ehrlich kritisieren und wohlwollend behandeln. Findet sie, liebt sie, verteidigt sie, kritisiert sie, gebt ihnen mehr, als sie erwarten und habt zusammen eine starke Zeit – denn die ist knapp!

Aesir Sports/Damian: Ich mag die Sicht, die du hier darstellst. Statt sich als Opfer zu sehen – wie es so viele gerne tun – sollten auch die Trainingsanfänger lernen, Verantwortung für ihr Tun und Handeln zu übernehmen. Der erste Schritt (von vielen) in sein selbstbestimmtes Leben. „Schwammige Prinzipien führen zu schwammigen Ergebnissen,“ das ist ein Punkt unter vielen, der mir neben der von dir auch angesprochenen Unbeständigkeit am jungen Volk vermehrt auffällt, was mich einmal mehr an die berühmte Metapher mit dem Boot im weiten endlosen Meer erinnert: Wie will man jemals am Ziel ankommen, wenn man einfach ins Blaue segelt oder sich vom Meer treiben lässt. Klar, vielleicht kommt man so an interessante Orte und lernt viele neue Menschen kennen, doch in so einer Situation darf man nicht erwarten dort herauszukommen wo man gerne sein würde.

Ein schönes Zitat, welches mir in diesem Kontext der Beständigkeit, der Zielsetzung und dem Treffen von Entscheidungen einfällt (ein Aspekt, den ich in meinem erst kürzlich erschienenen Artikel „Iron body, iron mind: Eine (psychsiche) Lektion fürs Leben“ behandelt habe), stammt aus einem Interview mit Will Smith:

There’s a redemptive power that making a choice has rather than feeling like you’re an effect to all the things that are happening. Make a choice. Just decide what it’s gonna be, who you’re gonna be, how you are going to do it. Just decide. And from that point, the universe will get out of your way. Its water. It wants to go around stuff, you know?”- Quelle

Thema Gewohnheiten und Beständigkeit: Wir alle sind nicht perfekt. Ach machen wir uns nichts vor: einige von uns haben wirklich üble Schrullen, schlechte Angewohnheiten, schädliche Angewohnheiten, die vielleicht trotz guter Intentionen für die von dir angesprochenen „schwammigen Ergebnisse“ sorgen. Wie gehst du mit solchen Dingen um? Was würdest du all jenen empfehlen, die mit solch einem Habitus zu kämpfen haben, der sie permanent in ihrer Entwicklung zu behindern scheint? Wie kann man dieses schlechte Verhalten ablegen, verlernen? Und wie erarbeitet man sich Beständigkeit? Kann man das überhaupt so einfach? Welchen Rat kannst du unseren Lesern für die Verwirklichung ihrer Ziele geben?

Ein anderer Punkt den du hier anschneidest, betrifft die anfängliche Bescheidenheit des Traininganfängers. Ich denke, dass ein Großteil der Leser eine von dir beschriebene Entwicklung an irgendeinem beliebigen Zeitpunkt der Trainingskarriere durchlebt hat. Dahinter steckt meiner Meinung nach das Optimierungskalkül – der Wunsch, aus allem was man tut das Beste (nicht das Gute!) herauszuholen. Denkst du man kann diesen Entwicklungsschritt der Euphorie, der Begeisterung und der Verbissenheit so einfach überspringen? Handelt es sich nicht eher um eine Erfahrung, die jeder für sich persönlich erleben muss, um zu erfahren, was funktioniert und was nicht? Es ist richtig: Niemand macht gerne Fehler, aber sind es nicht gerade diese Fehler, die im Lernprozess am nachhaltigsten sind? Der Mensch wächst am Widerstand – aber welchen Rat kann man den jungen Wilden geben, wenn dieser Widerstand einen zu erdrücken scheint?

Christian: Durch unser Leben schlängeln sich zwei Biester, die uns immer wieder beißen und vergiften: Trägheit und Trivialität. Wie simpel ist es doch, sich gehen zu lassen und mit Nichtigem zu beschäftigen? Wie schwer ist es hingegen, die eigene Trägheit zu überwinden und sich mit höheren Anforderungen zu konfrontieren? Morgens mit der Sonne aufstehen, trainieren und sich unter die kalte Dusche stellen oder bis mittags dösen, Chips futtern und im Internet surfen?

Die Komfortzone ist kuschelig warm – die Welt des Widerstandes ist unwirtlich hart. Jeder Mensch entscheidet selbst, welchen Weg er wählt. Der träge, weichliche Weg fühlt sich schön an, führt aber zu nichts Besonderem. Er ist leicht zu bewältigen und milliardenfach geprüft. Der harte Weg ist riskanter, aber vielversprechender. Er verlangt Reflektion, Selbstzerstörung und Kompromisslosigkeit und belohnt jeden, der dies Wagnis auf sich nimmt, umso mehr, je intensiver er diese Phasen durchlebt.

Dr. Christian Zippel: „Die Komfortzone ist kuschelig warm – die Welt des Widerstandes ist unwirtlich hart. Jeder Mensch entscheidet selbst, welchen Weg er wählt. Der träge, weichliche Weg fühlt sich schön an, führt aber zu nichts Besonderem.“

Nur wenige lieben diesen Weg und wollen ihn wirklich gehen. Die meisten wollen die Erfolge ernten, die man nur durch harte Arbeit erlangt, aber dabei in ihrer Komfortzone bleiben. Halbherzige Versuche, aus diesem Kokon auszubrechen, führen da zu keinem Durchbruch. Beständigkeit ist weit entfernt.

Von außen lässt sich das nur mit viel Einsatz ändern. Das Feuer muss von innen kommen. Es muss erwachsen aus Erkenntnis und Verachtung der eigenen Schwäche und Unzulänglichkeit, gepaart mit himmelhohem Selbstanspruch und dem Bewusstsein, dass Grenzen nur Konventionen sind, dass all die Schranken, die sich vor einem ausbreiten, überwunden werden können – wenn man den Willen dazu hat. Dieser Wille, dieser Funke glimmt in jedem von uns. Doch nur wenige entwickeln solch radikale Gedanken oder machen derart extreme Erfahrungen, die das Feuer entfachen und das ganze Leben in Brand setzen. Wenn das nicht klappt, klappt der Rest auch nicht. Dann geht einem schnell der Sprit aus, dann bleibt man normal und hat normale Ergebnisse vorzuweisen.

Interview mit Christian Zippel – Teil 3

Interview: Dr. Christian Zippel im Gespräch - Teil III

Hier trainiert der Weltbürger zur Zeit: Yato Fitness in Samui, Thailand.

Christian: Das Feuer muss von innen kommen. Es muss erwachsen aus Erkenntnis und Verachtung der eigenen Schwäche und Unzulänglichkeit, gepaart mit himmelhohem Selbstanspruch und dem Bewusstsein, dass Grenzen nur Konventionen sind, dass all die Schranken, die sich vor einem ausbreiten, überwunden werden können – wenn man den Willen dazu hat. Dieser Wille, dieser Funke glimmt in jedem von uns. Doch nur wenige entwickeln solch radikale Gedanken oder machen derart extreme Erfahrungen, die das Feuer entfachen und das ganze Leben in Brand setzen. Wenn das nicht klappt, klappt der Rest auch nicht. Dann geht einem schnell der Sprit aus, dann bleibt man normal und hat normale Ergebnisse vorzuweisen.

Wer wahnsinnig gute Ergebnisse will, muss erst selbst wahnsinnig werden. Er muss genau definieren können, was er erreichen will! Er muss wissen, wie er dort hinkommt und welche Hindernisse er dafür aus dem Weg räumen muss. Er muss bereit sein, seine Komfortzone zu verlassen oder gar zu zerstören, damit ihm der Rückweg versagt bleibt. Er muss Fantast sein und fest daran glauben, dass das Unmögliche möglich ist. Alles andere ist ein Stochern im Trüben und ohne inneres Feuer geschieht dies auch noch auf Sparflamme. Überdurchschnittliche Erfolge sind da so wahrscheinlich wie ein Supplement, das hält, was es verspricht.

Die Betroffenen kennen wir zur Genüge. Sie laufen über Jahre hinweg ins Studio und entwickeln sich kaum. Das trifft nicht nur aufs Training zu, es ist symptomatisch für unsere halbherzige Gesellschaft: Wir haben das Feuer verloren, die Leidenschaft für den Moment, die Höhe der Vision, den Scharfsinn im Blick, die Kraft in der Tat… all das ist vorbei. Wir haben es eingetauscht gegen kleinkarierte Hemden, Abendfernsehen und Versicherungspolicen. Wird Zeit, dass wir untergehen. Möge aus der Asche etwas Besseres auferstehen. Wo ist das Projekt Chaos, wenn man es braucht?

Das von Dir erwähnte „Optimierungskalkül“ sollte keineswegs übersprungen werden. Es ist die Basis aller Entwicklung und sollte ein Streben lang beibehalten werden. Für jeden Athleten gilt: Erro, dum vivo – ich irre, solange ich lebe. Wir entwickeln uns beständig weiter, indem wir Fehler begehen und daraus lernen. Wir irren uns empor. Also auf zu neuen Fehlern! Niemand ist unfehlbar und wer es sein will, wird sich nicht weiter entwickeln. Riskiert mal wieder was, stellt Euch in Frage, konfrontiert Euch mit Euren Ängsten!

Dr. Christian Zippel: „Wer wahnsinnig gute Ergebnisse will, muss erst selbst wahnsinnig werden.“

Wenn einen der Widerstand zu erdrücken scheint, dann fehlt entweder das innere Feuer oder man überschätzt sich. In letzterem Fall gilt es, das Ego auszubremsen und die Lektion der Progression zu lernen. Niemand hebt auf Anhieb sauber 200kg, aber jeder kann es innerhalb einiger Jahre lernen. Kilogramm für Kilogramm muss man sich hinauf kämpfen und die Technik verfeinern. Tag für Tag, Woche für Woche, Monat für Monat und Jahr für Jahr. Es ist simpel: Man muss nur klein anfangen und am Eisen bleiben. Und da hapert es bei den meisten schon. Wer sich zu groß für kleine Schritte fühlt, wird niemals wirklich groß werden. Zu Recht. Es gibt nichts Gerechteres als Eisen – 200kg werden immer 200kg bleiben.

Aesir Sports/Damian: Okay, Lyle McDonald würde an dieser Stelle sagen, dass 200 kg im Weltall nicht mehr 200 kg sein würden (womit er mich, zugegebenermaßen, einmal gefoppt hat *hust*), aber du hast in der Beziehung natürlich recht. Oder um ein anderes, sehr schönes Zitat an dieser Stelle anzubringen: Jeder Reise – mag sie noch so groß sein – fängt mit dem ersten Schritt an.

Hier schließt sich der Kreislauf in meinen Augen und bringt uns wieder zu deiner eigenen Person zurück. Immerhin hast du in den letzten Jahren und Monaten eine Art persönliche Metamorphose durchlaufen. Dem klassischen Bodybuilding hast du abgeschworen und auch dein Gewicht hat sich im Zuge dieses mentalen Wandels verändert. Wenn du mir diese persönliche Frage erlaubst: Was hat sich an deinem persönlichen Training und deiner Ernährung seit diesen Tagen getan? Weißt du selbst, wohin dich deine Reise führt, oder lässt du dich treiben? Dazu auch eine Frage, die an mich für dieses Interview von einem Dritten herangetragen wurde: Würdest du deinen jetzigen Körper dem Früheren unter der Prämisse eines identischen Aufwandes vorziehen? Welche positiven, welche negativen Seiten und Dinge bringst du heute mit deinen „Bodybuildingtagen“ in Verbindung? Oder hast du heute eine grundlegend ablehnende Haltung dieser Zeit gegenüber?

Interview: Dr. Christian Zippel im Gespräch - Teil III

Christian lässt es sich derzeit in Samui, auf Thailand, gut gehen. Jeder Tag bringt neue Überraschungen.

Christian: Dann will ich es für Lyle McDonald und alle anderen Außerirdischen physikalisch korrekt formulieren: 2000 Newton werden immer 2000 Newton bleiben – egal wo und wie schwer die Hantel ist.

Wohin meine Reise mich führt, weiß ich nicht – nur in welche Richtung es geht, das ist klar: Aufwärts! Ich halte mich möglichst kompromisslos an meine Prinzipien, die ich im Buch „Der Wille zur Kraft“ formuliert habe. So auch das Gebot: Sei evolutionär! Entwickle nicht nur Dich weiter, sondern auch Deine Ziele, Dein Denken, Glauben und Vorgehen.

Hanteln waren perfekt, um Muskelmasse aufzubauen. So konnte ich innerhalb von 14 Jahren am Eisen mein Körpergewicht mehr als verdoppeln – von 48kg auf 104kg bei 184cm. Darüber hinaus wird es natural sehr schwer, weiterzukommen und das auch nur mit einer überzogen hohen Kalorienaufnahme. Stattdessen habe ich mich entschlossen, zu minimalisieren und meinen festen Wohnsitz aufzugeben. Auf Reisen wird es schwer, täglich Eisen zu finden und den ganzen Tag zu futtern. Das ist eher was für Sesshafte mit einem soliden Leben.

Zur Zeit lebe ich auf Samui in Thailand. Hier sind ständig über 25°C, man hat kaum Appetit und ist viel unterwegs, da ist das Training mit dem eigenen Körper und einer beschränkten Kalorienaufnahme perfekt. So kann ich immer und überall trainieren. Natürlich habe ich viel Muskelmasse verloren, aber das ist mir inzwischen egal. Wer weiter will, muss auch loslassen können. Es ist viel angenehmer mit einem schlanken, durchtrainierten Körper zu reisen, als mit Massen an Fleisch auf den Knochen. Nach nun über 15 Jahren Training wird man dennoch am laufenden Band auf den Körper angesprochen.

Ich beuge zwar keine 200kg mehr, dafür bin ich stabiler und explosiver als je zuvor. Einbeinige Kniebeugen, Sprints, Muscle ups, Fahne, Hangwaage, einarmige Klimmzüge, asymmetrische Dips, Handstanddrücken usw.

Muskelaufbau aka Bodybuilding war eine berauschende Phase meiner Entwicklung. Ich bin charakterlich enorm gewachsen und habe eine Muskelqualität entwickelt, von der ich jetzt profitiere – sowohl leistungstechnisch als auch ästhetisch. Ich würde es genau so noch mal machen, denn man soll leben, wofür man brennt! Ich hätte nur früher anfangen sollen, hochfrequent zu trainieren. Das hat mir den größten Schub gegeben.

Interview: Dr. Christian Zippel im Gespräch - Teil III

Erst an den Kokospalmen liften, spärer dann paar´ Cocktails stiften – oder so. Im Paradies trainiert es sich jedenfalls super, wie man sehen kann und Kurzhanteln gibt es auch zu genüge.

Meinen momentanen Entwicklungsstand ziehe ich auf jeden Fall vor. Für mich ist es kein Rückschritt, sondern eine höhere Ebene. Erst habe ich gelernt, den Aufbau von Muskelmasse und die Reduktion von Körperfett zu beherrschen, nun lerne ich, den Körper zu beherrschen und frei zu sein. Ich bin unabhängig von Fitnessstudios, Geräten und der Küche. Das ist Minimalismus – und das ist die Herausforderung, die mich morgens mit der Sonne aufstehen und kämpfen lässt.

Wenn ich verstanden habe, wie etwas funktioniert, verliert es seinen Reiz für mich. Ich will mich und meine Fähigkeiten weiterentwickeln und nicht ein Leben lang in der gleichen Spur hängen bleiben.

Neue Lebensumstände erleichtern es, die Karten neu zu mischen. Seit ich in Thailand lebe, stehe ich jeden Morgen gegen sechs Uhr auf und starte mit dem ersten Training. Komme ich nachts auf weniger als vier Stunden Schlaf, wird der durch ein Nickerchen tagsüber nachgeholt. Vormittags wird gearbeitet, mittags folgt Training an den Ringen, nachmittags arbeiten, meditieren oder einen Ausflug machen und Abends ein weiteres Training – meist mit Intervalltraining kombiniert und am Strand.

Essenstechnisch ist es paradiesisch hier: die Märkte quellen über vor frischem Fisch, Obst und Gemüse. Bei der thailändischen Küche muss man etwas aufpassen. Zucker und Geschmacksverstärker gehören hier zu den Grundnahrungsmitteln. Deswegen koche ich oft selbst oder mache mir Shakes aus Früchten und Nüssen. Der wichtigste Satz in Restaurants und an Fressbuden ist „Mai ao nam tam, krap“ oder ein deutliches „no sugar“ – wofür man auch noch eine Kelle Unverständnis oben drauf bekommt. Für Massephasen ist es natürlich super, besonders wenn ein Hauptgericht 80 Baht (2€) kostet und eine zusätzliche Kelle Reis nur ein paar Cent – ebenso wie eine Tüte Obst am Straßenrand.

Tatsächlich kommen viele Pumper für eine Massephase her, das hat jedoch eher damit zu tun, dass die Apotheker hier unheimlich nett zu sein scheinen und damit, dass selbst der größte Nerd hier zum Schuss kommt. Vieles ist schon räudig, aber Schatten gibt es immer.

Dr. Christian Zippel: „Erst habe ich gelernt, den Aufbau von Muskelmasse und die Reduktion von Körperfett zu beherrschen, nun lerne ich, den Körper zu beherrschen und frei zu sein.“

Für mich ist Thailand optimal, um mich voll und ganz auf meine Entwicklung zu konzentrieren – bei schönem Wetter, Strandfeeling und günstigen Lebenshaltungskosten. Es wird wohl so schnell nicht mehr vorkommen, dass ich einen Winter im matschigen Deutschland verbringen werde. Für den Sommer 2013 kommen bisher Skandinavien, Baltikum oder Schottland in Frage, vielleicht auch Amerika, evtl. wird es aber auch nur Wien, Berlin oder Budapest. Whatever. Das regelt das Auto der Regulation.

Wer von meinen Freunden und Bekannten das hier liest, dort bereits wohnt, Lust hat, für ein paar Wochen mit von der Partie zu sein oder etwas Besseres vorschlagen will, kann sich gerne bei mir melden: selbstzerstörung@christian-zippel.de

Perfekt für Freiberufler, Internetjobber und Leute, die eine Auszeit nehmen wollen. Finanziell sollte man auf festen Füßen stehen. Hier in Thailand lebe und trainiere ich mit zwei HFTlern zusammen und wir geben gut Vollgas. Bin in der Form meines Lebens und mir sicher, die beiden auch. Danke schonmal an Julius und Pablo für die starke Zeit!

Es ist verdammt schade, dass sich Athleten, die für die selbe Sache brennen, vorwiegend über das Internet austauschen, anstatt zusammen zu leben und es richtig krachen zu lassen. Verdammt noch mal, das ist unser Leben und unsere Welt. Früher gab es immer Orte, an denen es brannte!

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war Hiddensee Treffpunkt der künstlerischen und intellektuellen Elite – Albert Einstein und Thomas Mann haben sich dort die Klinke in die Hand gedrückt. Gerhard Hauptmann und viele andere haben längerfristig dort gewohnt. Es wurde diskutiert, gefeiert und kritisiert.

In der goldenen Ära des Bodybuildings gab es das Gold’s Gym in Venice Beach. Dort hat sich die Muskelelite getroffen, sich gegenseitig hochgeschaukelt und eine geile Zeit gehabt.

Was haben wir? Internetforen, einen gutbürgerlichen Job und das, was wir wirklich wollen, wird nur in der Freizeit ausgeführt. Das ist doch scheiße. Lasst uns ausbrechen, uns zusammentun und das Leben führen, für das wir brennen!

Eine große Vision von mir ist eine Art Kloster zur körperlichen und geistigen Weiterentwicklung zu schaffen, für beide Geschlechter und konfessionslos – mit einer leistungsorientierten Philosophie, statt Religion. Ähnlich den Shaolin, nur etwas westlicher und mit Krafttraining statt Kampftraining als Schwerpunkt. Kompromisslos, selbstverwaltet und mit einer kynischen Einstellung gegenüber den weltlichen Dingen. Denn eines ist klar: Wo anderen die Luft ausgeht, fängt das Leben erst an!

Aesir Sports / Damian: Alter Schwede – wenn das mal nicht ein interessanter Alltag ist, dann weiß ich auch nicht. An dieser Stelle möchte ich daher meinen allertiefsten Respekt und meine Anerkennung für dich aussprechen. Da wette ich mit dir um eine Kelle Reis, dass ein Großteil der heutigen Leser vom Fleck weg neidisch wird auf die Dinge, die du derzeit hautnah erlebst.

Und wo du jetzt schon von einem Kloster redest, fällt mir in diesem Kontext ganz stark die Reise von Julian ein, doch ich wette du kennst diese interessante – ja was eigentlich? Doku? – mit Sicherheit von selbst. Aber wie bist du ausgerechnet auf Thailand gekommen? Warum nicht Australien? Warum nicht Japan? Oder Kanada? Verbindest du etwas Persönliches mit diesem Land oder wolltest du einfach nur schon immer dorthin? Du sagst, du arbeitest noch neben dem Training – logisch, irgendwie wollen die Brötchen (oder eben der Reis) ja verdient werden. Welchen Tätigkeiten gehst du in Thailand nach? Schlägst du dich als Trainer durch? Als Tagelöhner? Gibt es überhaupt sowas wie einen arttypischen Tagesablauf oder stehst du morgens auf und weißt noch nicht einmal, wo du dich abends wiederfindest?

Und was ich dich noch außerdem fragen wollte: betreibst du noch in irgendeiner Art und Weise das Intermittent Fasting oder gehört dieses Kapitel für dich auch zu längst vergangenen Tagen, in denen du nur lediglich experimentiert hast. Hat das Fasten überhaupt noch einen Stellenwert in deinem Leben dort in Thailand? Isst du regelmäßig oder gerade dann, wenn es sich ergibt? Quasi „autoreguliert“?

Interview: Dr. Christian Zippel im Gespräch - Teil III

Sonne, Strand und … Krafttraining. Geht nicht? Geht doch, wie man unschwer erkennen kann. Man muss nur ein wenig flexibel sein.

Christian: Ich lebe gerne simpel und planlos bei alltäglichen Dingen. Wer nichts erwartet, kann überrascht, aber nicht enttäuscht werden. Mir ists einerlei, wann ich esse, wo ich aufwache und ob ich erreichbar bin. Das kommt wies kommt und wenns mal nicht kommt, ists auch egal. Wer sich mit Nebensächlichem beschäftigt, verliert den Blick für das Wesentliche.

Ich bin anspruchsvoll in Bezug auf mich selbst, aber komplett bedürfnislos. Da bin stark geprägt von den alten Stoikern: Scheiß drauf, was um Dich herum passiert, was Dir zustößt und wie Du Dich dabei fühlst. Du kannst drüber stehen, cool bleiben und Dein Ding durchziehen.

Das ist natürlich ein Ideal und im Extremfall schwer durchzuhalten, aber es ist eine radikale Philosophie, die ich liebe und lebe. Sie verleiht Unabhängigkeit gegenüber den weltlichen Dingen, Erhabenheit gegenüber Glücksfällen und Enttäuschungen, gibt mir die Verantwortung für mein Leben und die Freiheit es jederzeit zu beenden.

Dr. Christian Zippel: „Wer sich mit Nebensächlichem beschäftigt, verliert den Blick für das Wesentliche.“

Über Training und Ernährung mache ich mir kaum noch Gedanken. Mit Begriffen wie „Intermittent Fasting“, „Low Carb“ usw. habe ich nichts mehr am Hut. Ernährung ist ebenso simpel wie aufs Klo zu gehen. Komisch, dass da niemand drüber schreibt. Bei mir gilt schon länger: Variierendes naturbelassenes proteinhaltiges Essen oben rein, viel Wasser trinken und fertig. Den Rest regelt mein Stoffwechsel und die Steuerung meines Trainings. Manchmal, wenn ich gut beschäftigt bin, esse ich fast gar nichts. Ein andermal schlender ich über einen thailändischen Markt und futtere mich stundenlang von Stand zu Stand.

Das läuft intuitiv und wenn ich den Waschbrettbauch noch stärker ausprägen will, dann habe ich immer noch ein Geheimrezept im Ärmel: Ich esse weniger.

Der andere Geheimtipp, um wieder mehr Muskulatur aufzubauen: Ich schalte vor das Essen noch die beiden Buchstaben „Fr“. Und mit dem richtigen Training läuft alles wie von selbst. Wachstumsreize allein bauen keine Muskeln auf. Ohne Zement und Arbeitsenergie kein Hausbau – egal wie viel Druck der Bauherr macht.

Beim Training habe ich momentan eine Liste von Körpergewichtsübungen und Haltungen, die ich (für eine best. Wiederholungszahl) schaffen will. Darauf trainiere ich täglich mehrmals hin – nach den HFT-Prinzipien. Simpel, solide, intuitiv und abwechslungsreich. Was danach kommt, weiß der Teufel. Auch das wird sich ergeben. Wer offen und ehrlich ist, seinen Prinzipien treu bleibt und spielerisch zu kämpfen weiß, für den wird es immer voran gehen. Türen öffnen sich andauernd – man muss das nur erkennen und den Mut haben, hindurch zu gehen. Falltüren sind auch dabei, aber das gehört zur Natur des Spiels. Wer nicht wagt, der nicht gewinnt.

Warum Thailand? Kein Plan. War eine spontane Entscheidung. Warum nicht? Warum Winter in Deutschland? In Thailand scheint die Sonne, der Fisch ist frisch, leckeres Obst und Gemüse in Massen, Kokosnüsse am Strand. Warum überhaupt in „“Ländern“ denken? Ich bin Weltbürger. Warum nicht einfach dort leben, wo das Wetter schön, die Natur vielfältig, die Leute friedlich und das Leben günstig ist?

So muss ich nicht viel verdienen und für den Ruhestand brauche ich nicht sparen, weil mein Ruhestand erst mit meinem Tod eintreten wird und der ist billig, der kostet nur das Leben. Und sind es nicht die weltlichen Dinge, die uns erst arm werden lassen? Das eigene Haus, das Auto, die Altersvorsorge, Möbel, Küchengeräte und weiterer materieller Schrott wie Stereoanlagen, Unmengen an Kleidung, Computer, CDs und Co., dazu Versicherungen, überteuerte Urlaube und routinierte Besäufnisse? Die meisten Leute brauchen nicht so viel Geld, um zu leben, sondern weil sie es verschwenden. Das gibts bei mir alles nicht, also habe ich kaum Kosten. Keine Schulden, Kredite oder Verpflichtungen.

Dr. Christian Zippel: „Die meisten Leute brauchen nicht so viel Geld, um zu leben, sondern weil sie es verschwenden.“

Das schafft mir den Freiraum, mich „hauptberuflich“ meiner Entwicklung zu widmen, nach der Arbeit, also in meiner Freizeit, mache ich dann weiter damit. Klingt komisch, ist aber möglich – man muss nur auf das verzichten, was der Durchschnittsbürger„“Leben“ nennt und es durch etwas Besseres ersetzen. Besser ist das, wofür man wirklich brennt und wenn man es gut macht, wird man auch gut davon leben können.

Ich selbst stehe noch am Anfang meiner Karriere als pragmatischer Philosoph, also als Coach und Schriftsteller, und kann bestens davon leben. Für Geld arbeite ich nur so viel, dass ich gut über die Runden komme. Den Großteil meiner Zeit stecke ich in meine Entwicklungsprojekte – wie z.B. das Training, tägliches Lesen, Meditieren, das Verfeinern meiner literarischen Fähigkeiten, meines generellen Stils und meiner Reise zum Nullpunkt. Schließlich sind das gerade meine besten Jahre. Bei meinen Zielen wär ich schön blöd, wenn ich die im Büro eines seelenlosen Konzernes verschwenden würde – nur um Illusionen wie Sicherheit, Zukunft und materiellen Reichtum zu nähren.

Mich interessiert das kleine Glück nicht. Wer darauf abzielt, muss zu viele Kompromisse schließen, was sich wiederum bremsend auf die Entwicklung auswirkt. Keine Kompromisse – große Erfolge!

Aesir Sports / Damian: Du bist jung und hast doch schon so vieles erreicht, um das dich vermutlich ein Großteil der Leserschaft beneiden wird: die persönliche Freiheit. Du kannst tun und lassen, was du willst und das alleine deswegen, weil du dich von einem Großteil der Fesseln, die dich an einem Ort binden könnten, bereits entledigt hast. Dieser Schritt, vermutlich vergleichbar mit einem Sprung in eiskalte Wasser – erst erschütternd, dann erfrischend – kostet mit Sicherheit einiges an Überwindung und eine ganze Menge an Entschlusskraft. Es gibt viele Befürworter von radikalen Methoden, wie z.B. das Aufhören des Rauchens von einen Tag auf den anderen. Jeder von uns besitzt in einem gewissen Umfang Charaktereigenschaften und Gewohnheiten, die uns nicht nur an unserer weiteren Entwicklung (körperlich wie geistig) behindern, sondern auch in vielfacher Weise schädlich auf unsere Psyche, unsere Physiologie, unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden wirken.

Du arbeitest voller Eifer und Härte an deinem Körper, deinem Geist und deiner Wahrnehmung des Weltlichen, sowie Spiritiuellen. In einer Welt aus farblosen Steinen und Rohdiamanten scheinst du bereits einem geschliffenen Edelstein zu gleichen. Doch wohin geht die Reise für dich? Hast du noch langfristige, klar abgesteckte Ziele abseits des großen Unbekannten? Wo siehst du dich in fünf, vielleicht gar zehn, Jahren? Was sind die nächsten großen Projekte des Christian Zippel? Und welchen abschließenden Ratschlag würdest du unseren kraftsportbegeisterten Lesern gerne auf den Weg mitgeben…?

Interview: Dr. Christian Zippel im Gespräch - Teil III

Schwimmen in der Natur, meditieren unter einem Wasserfall. Der Wasserdrache Zippel fühlt sich offenbar sehr wohl in den Tropen.

Christian: Tatsächlich habe ich für mein Alter und meine Ansprüche noch nicht viel erreicht. Kein Edelstein. Nur ein Stück Kohle, das noch viel Druck bedarf, um zu etwas Edlem zu werden. Man sollte aufgrund meiner großen Töne nicht glauben, ich hätte bereits viel von meinem Potenzial verwirklicht. Der Zwerg steht noch am Anfang vom Berg, er will noch weiter hinauf und daran wachsen.

Solange das andere Bergsteiger interessiert, werde ich als Coach zur Verfügung stehen und darüber schreiben. Ab und an auch abseits der athletischen Pfade – so ist gerade mein nächstes Buch veröffentlicht worden: „rosenrot – oder „die Illusion der Wirklichkeit“.

Wenn wir bewusst in der Welt leben oder sie gar verändern wollen, ist es sinnvoll, darüber nachzudenken, was die Welt, die wir erleben, überhaupt ist? Ist sie real oder nur eine Konstruktion unseres Gehirnes? Wenn ja, wie stabil und wahrheitsgetreu ist diese Konstruktion? Was steckt dahinter? Warum gibt es  dieses bunte Theater des Geistes? Wie entsteht das Feuer des Geistes aus dem Holz der Materie? Oder gibt es vielleicht andere, bessere Erklärungen für die Existenz des Geistes? Ist vielleicht alles geistig und stattdessen die Materie die Illusion?

Auf den ersten Blick abwegig, aber denken wir mal darüber nach: Alles, was wir erleben, denken, fühlen, sehen, hören, riechen, schmecken und tasten, sind geistige Eindrücke. Selbst der im Dunklen angerempelte Kopf ist erstmal nur eine Kombination aus geistigen Eindrücken – wie z.B. Druckgefühl und Schmerz. Daraus folgern wir, dass unser materieller Kopf gegen eine materielle Kante gestoßen ist. Aber folgern bedeutet nicht wissen. Alles was wir haben, sind geistige Eindrücke. Alles andere ist Deutung, die wiederum geistig ist. Vielleicht wachen wir danach auf und uns wird bewusst, dass alles nur ein Traum war?!

Im Schlaf sind wir dazu fähig, vollkommen real wirkende, scheinbar materielle Welten, mit eigenen Naturgesetzen und eigenständigen, uns evtl. unbekannten, Personen, Umständen und Handlungen zu erträumen. Wer sagt uns, dass unser Leben nicht ein weiterer Traum auf einer höheren Stufe ist? Willkommen in der Matrix! Vieles spricht dafür, vieles dagegen.

In meinem Buch habe ich die sinnigsten Positionen vorgestellt und das Ende offen gelassen. Den Entschluss – und die damit einhergehenden Konsequenzen – mag jeder Leser selbst ziehen. Mit „rosenrot – oder die Illusion der Wirklichkeit“ erhält er die Grundlage dafür.

Für die Athletenriege wird es dieses Jahr aber auch noch etwas Neues zu lesen geben. Wer meine Artikel verfolgt hat, wird sehen, dass ich nicht nur mein Leben verdichtet habe, sondern auch meinen Schreibstil. Früher habe ich geschrieben, was ich gedacht habe. Nun gehe ich bei jedem Text eine Stufe weiter und verdichte ihn auf seine Kernaussagen. Zukünftige Bücher werden also vom Text her kürzer, vom Inhalt komprimierter. Schluss mit dem Geschwafel. Umso mehr muss der Leser den Text mit Geist und Leben füllen, aber da mache ich mir keine Sorgen.

Ich habe in den letzten Jahren viele aufmerksame und kritische Athleten kennen gelernt, die mich hoffen lassen, dass es noch einiges Potenzial in unseren Reihen gibt und dass wir mit dieser Kraft unsere Gesellschaft zu einem stärkeren Körperbewusstsein bewegen werden – die Vorteile sind schließlich überragend und auf unserer Seite. „Mens fortis in corpore forti“ ist ein Projekt, an dem ich beharrlich weiter arbeiten werde – pro mundus fortior.

Darüber hinaus gilt es erstmal meine nächsten – bereits erwähnten – Etappen zu erreichen. Die dringendsten sind wohl, meine Körperbeherrschung zu steigern und diese daumendicke Kakerlake vor mir loszuwerden. Wie viel Eiweiß die wohl hat? Aber naja… Protein ist ja eh wichtiger als Eiweiß.

Ansonsten ist alles offen. Herausforderungen gibt es viele: Die Idee mit dem Kloster – wenn starke Mitstreiter dabei sind. Motivierende Musik mit Texten alá „“Der Wille zur Kraft“ – wenn sich jemand findet, der sie produziert. Vielleicht verliebe ich mich auch, gründe ein Familie und ziehe irgendwo ans Meer, um ein kleines Strandgym zu leiten. Es gibt viele Pläne und Möglichkeiten. Einige schon weit gedacht, andere noch verlacht. Mal sehen, welche Türen sich öffnen und wo der Fluss des Strebens mich hinführt.

Ein abschließender Ratschlag? Lieber eine Frage, denn wer fragt, der führt: Why so serious?

Interview: Dr. Christian Zippel im Gespräch - Teil III

Meister Zippel bei der (paradiesischen) „Arbeit.“

Nur weil unsere Mitmenschen meist ernste Gesichter machen, muss es sich bei dem, was sie machen, noch lange nicht um ernste Dinge handeln. Nur weil sie viel Zeit und Energie hinein stecken, muss es sich noch lange nicht um wertvolle Dinge handeln. Nehmt diese Leute und ihre Gesellschaft nicht zu ernst. Werdet um Nietzsches willen keine grauen Spießer! Eine Menge „da oben“ ist ziemlicher Müll und wird irrtümlich verehrt. Lasst Euch nicht kaufen und zu Marionetten degradieren. Tanzt ihnen lieber auf der Nase herum, statt nach ihrer Pfeife.

Habt Spaß und konzentriert Euch auf produktive, wertvolle Tätigkeiten. Fragt Euch: Bringt das Fluss in mein Leben? Wachse ich daran? Bleibe ich damit meinen Prinzipien, Freunden und Träumen treu? Bringe ich so die Gesellschaft weiter? Mache ich die Welt zu einem besseren, stärkeren Ort?

Für ein erfülltes Leben sollte man sich vor jeder Etappe diese Fragen stellen – und natürlich immer genug Protein im Blut haben.

Also lasst es krachen, lieber Damian, vielen Dank für das feine Gespräch! Ich mach mich dann mal auf nach Bangkok, bin da zum Training verabredet…

Aesir Sports / Damian: Ich habe zu danken! Tja – und weg isser, haha! Ich bin sicher, dass wird nicht unser letztes Interview gewesen sein.

HIER geht es zu Christians neustem Werk „rosenrot“ über die Wahrnehmung unserer Umwelt


Du fandest das Interview mit Dr. Christian Zippel unterhaltsam? Dann wäre es schön, wenn du ihn mit Freunden und Bekannten teilst (sharing is caring), oder uns in Form eines Kommentars deine Meinung sagst.

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Bildquelle Titelbild: Dr. Christian Zippel