Ketogene Ernährung zum Abnehmen: Was uns die Wissenschaft 40 Jahre zuvor gelehrt hat

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Ketogene Ernährung zum Abnehmen: Was uns die Wissenschaft 40 Jahre zuvor gelehrt hat

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Von Myoleanfitness.com | Benötigte Lesezeit: 6 Minuten |


Die ketogene Ernährung ist wieder im Rampenlicht – sowohl in der Wissenschaft, als auch in Diskussionen innerhalb der allgemeinen Bevölkerung.

Und auch wenn es bezüglich der ketogenen Ernährung im Kontext einer Behandlung und Prävention bei einer Vielzahl an Erkrankungen noch eine ganze Menge zu untersuchen und zu lern gilt, so ist die Forschung im Bereich ketogene Ernährung zum Abnehmen (aka Fettverlust) ziemlich eindeutig.

Schließlich hat die aktuelle Untersuchung von Hall et al. (2016), die in einer Stoffwechselkammer durchgeführt wurde, gezeigt, dass ketogene Ernährungsformen keinen Stoffwechselvorteil oder eine höhere Verlustrate an Körperfett mit sich bringen, als eine isokalorische nicht-ketogene Diät bei einer identischen Zufuhr an Protein (1).

Ironischerweise wurde diese Studie von der Nutrition Science Initiative (NuSI) finanziert, um genau das Gegenteil zu beweisen und herauszustellen, dass die Insulin-Kohlenhydrat-Theorie für Übergewicht der Wahrheit entspricht und dass eine ketogene Diät die überlegende Alternative hinsichtlich des Abbaus von Körperfett darstellt.

Die obige Untersuchung ist, so man dem Gros der wissenschaftlichen Community Glauben schenken mag, der finale Sargnagel für die Insulin-Kohlenhydrat-Theorie für Übergewicht.

Auch wenn dies nun für dich eine Art von überraschender Neuigkeit darstellen sollte, so ist es inzwischen 40 Jahre her, seitdem wir im Bilde darüber sind, wie effektiv eine ketogene Diät – verglichen mit einer nicht-ketogenen Diät – hinsichtlich Fettabbau tatsächlich ist.

Ketogene Ernährung zum Abnehmen: Was uns die Wissenschaft 40 Jahre zuvor gelehrt hat

Jo, du hast richtig gelesen.

Es war das Jahr 1976, als die erste Untersuchung, welche die ketogene Ernährung mit einer nicht-ketogenen Ernährung in einer Stoffwechselkammer („metabolic ward“) untersucht hat, im Journal of Clinical Investigation veröffentlicht wurde (2).

Zu jener Zeit existierte nur sehr wenig Forschung auf diesem Gebiet und es gab keine Studien, welche die direkten Auswirkungen einer hypokalorischen ketogenen Ernährung mit einer hypokalorischen nicht-ketogenen Ernährung bezüglich der Körperkomposition in einem solchen Setting mit Stoffwechselkammer untersucht haben.

Aber dies war genau das, was Mei-Uih Yang und Theodore Van Itallie vom Department of Medicine am Institute of Human Nutrition am Columbia University College of Physicians and Surgeons getan haben.

Die Studie der beteiligten Forscher: Was hat man gemacht?

Die Wissenschaftler rekrutierten 6 männliche, übergewichtige Probanden, die sie in einer Stoffwechselkammer für einen Zeitraum von 50 Tagen studiert haben. Die Teilnehmer absolvierten jeweils 10 Tage einen der folgenden 3 experimentellen Zeitpläne, wobei jeder Phase eine 5-tägige Ernährung mit 1.200 kcal (Mischkost) voran gegangen ist.

  1. Ketogene Ernährung mit 800 kcal pro Tag.
  2. Nicht-ketogene Ernährung mit 800 kcal pro Tag.
  3. Hunger-Diät („Starvation Diet“).

Ketogene Ernährung zum Abnehmen: Was uns die Wissenschaft 40 Jahre zuvor gelehrt hat

Die Wissenschaftler rekrutierten 6 übergewichtige, männliche Teilnehmer und studierten die Auswirkungen einer hypokalortischen ketogenen Ernährung und einer hypokalorischen nicht-ketogenen Ernährung in einer Stoffwechselkammer bezüglich einer Veränderung der Körperkomposition. (Bildquelle: Yang & Van Itallie, 1976)

Hinweis: Da es in diesem Beitrag um einen Vergleich zwischen einer ketogenen Ernährung und einer nicht-ketogenen Ernährung geht, lassen wir den ganzen „Starvation“-Kram einmal außen vor. Dies beeinträchtigt die Ergebnisse und Schlüsse, die daraus gezogen werden können, keinesfalls.

Zu den Ernährungsformen sei an dieser Stelle erwähnt, dass es sich um Flüssignahrung handelte. Die „Mahlzeiten“ wurden von den Teilnehmern zu vier unterschiedlichen Zeitpunkten des Tages serviert, nämlich um 8 Uhr morgens, um 11 Uhr vormittags, um 13 Uhr nachmittags und um 18 Uhr abends.

Die Zusammensetzung der Ernährung sah so aus:

Ketogene Ernährung

  • 800 kcal
  • 50g Protein (25%)
  • 62g Fett (70%)
  • 10g Kohlenhydrate (5%)

Nicht-ketogene Ernährung

  • 800 kcal
  • 50g Protein (25%)
  • 27g Fett (30%)
  • 90g Kohlenhydrate (45%)

Ketogene Ernährung zum Abnehmen: Was uns die Wissenschaft 40 Jahre zuvor gelehrt hat

Tägliche Makronährstoffzufuhr sowie Salz- & Kaliumaufnahme während des Studienzeitraumes (Bildquelle: Yang & Van Itallie, 1976)

Die Körperkomposition wurde mittels der Energie-Stickstoff-Bilanz-Methode analysiert, die – essenziell gesprochen – eine Messung der Stiffstoffbilanz verwendet, um eine Schätzung der Veränderung des Körperproteingehalts zu errechnen und anschließend eine Energiebilanz-Messung vorsieht, um eine Veränderung des Körperfettgehalts zu ermitteln.

Wie du bereits sehen kannst, besitzt diese Studie einige Stärken, darunter:

  • Die Teilnehmer verbrachten die komplette Zeit (50 Tage) in der Stoffwechselkammer und erhielten zubereitete Mahlzeiten, was bedeutet, dass es bezüglich der Nahrungsaufnahme keine Fehlangaben geben kann (ein Problem, welches in „Free Living“-Situationen auftritt).
  • Die ketogene Ernährung und die nicht-ketogene Ernährung waren isokalorisch, d.h. der Kaloriengehalt war exakt gleich.
  • Die Proteinzufuhr war in beiden Gruppen identisch. Dies ist ein wichtiger Aspekt, da Protein einen sehr hohen thermischen Effekt besitzt, der – sollte er nicht mit berücksichtigt werden – zu verzerrten Endresultaten führen kann. (Du kannst in dieser 3-teiligen Artikelreihe von Damian mehr über den thermischen Effekt der drei Makronährstoffe erfahren: Teil 1 (Fette) | Teil 2 (Kohlenhydrate) | Teil 3 (Proteine)).

Ketogene Ernährung Vs. Nicht-ketogene Ernährung | Die Studienergebnisse

Die Forscher führten zahlreiche Messungen während der Untersuchung durch, darunter jene zur Stickstoffbilanz, zur Energiebilanz, zur basalen Stoffwechselrate (BMR, der Ketonkörper-Konzentration usw.

Wie man eventuell erwarten würde, gab es keine statistisch signifikanten Differenzen zwischen der ketogenen Ernährung und der nicht-ketogenen Ernährung hinsichtlich Stoffwechselrate, Stickstoffbilanz und Energiebilanz. Aber es gabt natürlich eine signifikante Differenz in der täglichen Ausscheidungsmenge der Ketonkörper, wobei eine höhere Rate während der ketogenen Ernährung festgestellt werden konnte.

Gewichtsverlust & Körperkomposition

Uns (und dir vermutlich auch) geht es primär um den festgestellten Gewichtsverlust und die Veränderung der Körperkomposition, oder?

Nun, hier sind die Ergebnisse:

Beide Diätformen, also sowohl die ketogene Ernährung als auch die nicht-ketogene Ernährung, führten zu identischen statistischen Veränderungen der Körperkomposition, wobei das Gewicht während der ketogenen Ernährung stärker sank, was – so man die Daten ansieht – dem höheren Wasserverlust zu Schulden ist (Kohlenhydrate/Glykogen binden intrazellulär Wasser! Weniger Glykogen = weniger gespeichertes Wasser im Körper = weniger Gewicht; dies sollte jedoch nicht mit Fettverlust verwechselt werden!).

Um die Autoren zu zitieren:

“…the increment in weight loss exhibited during the ketogenic diet period was due solely to excretion of excess water. Rates of fat loss were not significantly affected by the composition of the diet.” – Ying & Van Itallie, 1976

Ketogene Ernährung zum Abnehmen: Was uns die Wissenschaft 40 Jahre zuvor gelehrt hat

Zusammensetzung des Gewichtsverlustes bei der ketogenen Ernährung und der nicht-ketogenen Ernährung. (Bildquelle: Yang & Van Itallie, 1976)

Wie du aus der obigen Grafiken entnehmen kannst, führen beide Ernährungsformen zu einem identischen Fettverlust. Die Ausscheidung von Körperwasser fiel jedoch in der ketogenen Ernährung stärker aus.

Sollten diese Ergebnisse nun bekannt vorkommen, dann liegt das daran, dass es dieselben Resultate sind, wie sie von Dr. Hall und Kollegen ermittelt wurden (1) und die wir zu Beginn des Beitrags bereits angesprochen hatten.

Jepp, wir hatten eine solche Studie (mit Stoffwechselkammer), welche eine ketogene Diät mit einer nicht-ketogenen Diät studiert und dabei Kalorien- und Proteinzufuhr kontrolliert hat, bereits seit 1976 in den Archiven. Und diese Studie zeigte absolut gar keine Unterschiede hinsichtlich des Abbaus von Körperfett.

Wie ein Ritt auf einem toten Pferd (welches nicht durch Insulin getötet wurde)

Wenn die Wissenschaft also die Insulin-Kohlenhydrat-Theorie für Übergewicht bereits widerlegt hat, kann man sich an dieser Stelle fragen, ob wir nicht 40 Jahre später noch immer auf einem toten Pferd herumreiten.

Nun, es könnte daran liegen, dass einige Leute daran gutes Geld verdienen, wenn sie einem Glauben machen, dass Insulin der Erzfeind ist und sie uns vor genau diesem Feind beschützen können, indem sie uns Zeug andrehen (wir wollen an dieser Stelle nicht mit einem Finger auf Personen zeigen. Jason Fung, Gary Taubes und Peter Attia haben damit rein gar nichts zu tun…)

Schlussbetrachtung & Empfehlungen

Mit den obigen Studienergebnissen im Hinterkopf, fragst du dich sicherlich nun, zu welchem Fazit wir gelangen, oder?

In der kurzfristigen Betrachtung ist es so gut wie sicher, dass eine ketogene Ernährung keinen Stoffwechselvorteil gegenüber einer nicht-ketogenen Ernährung liefert und auch zu keinem höheren Fettverlust beiträgt. Es stimmt allerdings, dass das Gewicht bei einer ketogenen Ernährung schneller sinkt, was ganz einfach mit einer höheren Ausscheidungsrate von Körperwasser zusammenhängt. Dieses Körperwasser kehrt jedoch zurück (wird erneut eingespeichert), wenn Kohlenhydrate wieder in die Ernährung eingeführt werden.

Ein solches Statement heißt natürlich nicht, dass ketogene Ernährungsformen und Diäten nutzlos sind, wenn es um Gewichts- und Fettverlust geht. Es heißt lediglich, dass ketogene Diäten und Low Carb Diäten genauso gut funktionieren, wie andere Diätansätze, sofern sie dir dabei helfen ein Kaloriendefizit über einen längeren Zeitraum aufrechtzuerhalten.

Übrigens: Dies gilt für jede Ernährungsintervention. Sofern dein Diätansatz keine Rücksicht auf deine persönlichen Präferenzen nimmt und langfristig ertragbar ist, wirst du keine bahnbrechenden Resultate hinsichtlich des Abbaus von Körperfett erzielen.

Und das ist auch die Take Home Message dieses Artikels.

Wenn du nachhaltigen Fettverlust anstrebst, solltest du eine Diätform finden, die du nicht hasst und die dir dabei hilft weniger Kalorien zu essen, als du verbrauchst – idealerweise kommen die zugeführten Kalorien aus minimal verarbeiteten, mikronährstoffreichen Lebensmitteln.

Und sorge dafür, dass du genügend Protein isst. Und trainiere mit Gewichten. Und teile diesen Artikel mit Freunden und Bekannten.

Du fandest diesen Beitrag über die ketogene Diät interessant & lesenswert – und würdest gerne mehr evidenzbasierte Informationen (Praxis & Theorie) lesen? Dann werde Leser unseres monatlich erscheinenden Magazins, der Metal Health Rx!

Quellen & Referenzen

(1) Hall, KD., et al. (2016): Energy expenditure and body composition changes after an isocaloric ketogenic diet in overweight and obese men. In: Am J Clin Nutr. URL: http://ajcn.nutrition.org/content/early/2016/07/05/ajcn.116.133561.abstract.

(2) Yang, MU. / Van Itallie, TB. (1976): Composition of weight lost during short-term weight reduction. Metabolic responses of obese subjects to starvation and low-calorie ketogenic and nonketogenic diets. In: J Clin Invest. URL: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/956398


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Bildquelle Titelbild: Fotolia / juliamikhaylova


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