Quecksilber Toxizität – Ist dein Whey Protein schlimmer als deine Amalgam Füllungen? | Studien Review

Quecksilber Toxizität – Ist dein Whey Protein schlimmer als deine Amalgam Füllungen? | Studien Review
(Zuletzt aktualisiert am: 21. März 2018 )

Von Adel Moussa | Benötigte Lesezeit: 3 Minuten |


Vor 30 Jahren haben Eggleston et. al. ein Paper in „The Journal of Prosthetic Dentistry“ veröffentlicht, welches belegt hatte, dass es eine statistisch signifikante „positive Korrelation zwischen der Anzahl an verschlossenen Kauflächen mit Zahnamalgam und der Menge der Quecksilberkonzentration im Gehirn gibt“ (p < 0.0025 in weißer Substanz) (2).

Erst kürzlich haben Bentsson et al. dargelegt, dass moderne Amalgamfüllungen weniger von der giftigen Substanz in deinen Speichel abgeben (von wo es eine Runde in deinem Körper dreht) (3). Anfang 2017 hat die Europäische Union Amalgamfüllungen verboten – aber nur für Kinder und ohne zu sagen, dass es sich um eine definitive Bedrohung der Gesundheit handelt.

Wusstest du das alles schon?

Nun, in diesem Fall weißt du wohl auch Bescheid, dass die Nahrungsmittel- und Umweltaufnahme eines typischen Menschen aus der westlichen Gesellschaft den Anteil der täglichen Einnahme von Quecksilber durch Amalgamfüllungen weit überschreitet. Des Weiteren möchte ich behaupten, dass du mir als nächstes sagst, dass du Fisch mit hohen Konzentrationen an Quecksilber meiden wirst, in einer sauberen Umwelt lebst und kein Essen oder andere Produkte aus China kaufst, oder?

Das ist alles ganz schön für dich, aber hast du dir jemals Gedanken über den Quecksilbergehalt in deinem geliebten Whey Protein gemacht?

Quecksilber Toxizität – Ist dein Whey Protein schlimmer als deine Amalgam Füllungen? | Studien Review

Quellen der täglichen Exposition unterschiedlicher Quecksilberformen (Bildquelle: Gochfeld et al, 2003)

Nein? Ich muss zugeben, ich habe das auch nicht gemacht … zumindest nicht, bevor ich Leticia Fraga Matos Campos de Aquina Paper im Journal of Food Composition and Analysis gelesen habe (1).

Es ist eine Studie, in der die Autoren den absoluten Quecksilbergehalt (THg) von 19 Whey Protein Marken mit verschiedenen Formeln gemessen haben und für Menschen mögliche Gesundheitsrisiken von Quecksilber Exposition durch Whey Protein untersuchten.

Quecksilber Toxizität – Ist dein Whey Protein schlimmer als deine Amalgam Füllungen? | Studien Review

Der Quecksilbergehalt von Whey Protein

Wie du in der unteren Grafik sehen kannst, variiert die Menge an Quecksilber in den 19 nicht namentlich genannten Whey Protein Produkten signifikant, mit einer Streuung von 0.548 ± 0.029 ng/g 9.41 ± 0.295 ng/g von Whey Protein. Klingt schlimm, oder?

Quecksilber Toxizität – Ist dein Whey Protein schlimmer als deine Amalgam Füllungen? | Studien Review

Gesamtquecksilbergehalt (organisch + inorganisch) von 19 Whey Protein Proben aus Brasilien. (Bildquelle: de Aquino et al., 2017)

Aber die Autoren erklären, dass sich diese Konzentration unter dem maximalen Limit für Lebensmittelbefinden. Trotzdem, zeigt die Rechnung der Wissenschaftler, dass…

„Das potentielle Gesundheitsrisiken im Zusammenhang mit der Exposition von Quecksilber aus Whey Proteineinnahme mehr Aufmerksamkeit von Forschern benötigt und mehr Studien gebraucht werden, insbesondere wenn die Einnahme von Quecksilber aus anderen Lebensmitteln einer ausgewogenen Ernährung inkludiert werden.“de Aquino 2017

Schließlich werden es nur gut durchdachte Follow-Up Studien schaffen den Einfluss der anderen Komponenten in Whey Protein, ihre Löslichkeit, den Status der metallischen Oxidation, den im Körper zurückbleibenden Prozentsatz, die Einnahmefrequenz und die Absorptionsrate und Effizienz der Exkretionsmechanismen herauszufinden. Und dadurch soll geklärt werden, ob Einnahmen von bis zu ~300ng Quecksilber, die du mit jedem 30g Shake zu dir nimmst, ein signifikantes Gesundheitsrisiko darstellen, oder nicht.

Aktuell sieht es so aus, dass es sehr unwahrscheinlich ist. Wenn es sonst nichts zeigt, dann eine US Studie, welche demonstrierte, dass eine Portion Fisch (228g), die in New Jersey gekauft wurde, 50.000ng (oder 50µg hat) Quecksilber, laut Burger, et. al. aufweist (4).

Solltest du Whey Protein jetzt vermeiden?

Die Antwort ist lautet: Nein.

Egal ob dein Whey Protein nur 0,548ng oder sogar 9141ng Quecksilber pro Gramm enthält – du wirst sicher nicht die (sehr großzügige) obere Grenze von 710 ng/kg Körpergewicht, welche von der WHO empfohlen wird (US EPA spricht von < 1.000ng/kg (6)) überschreiten.

Im Endeffekt wären das 53µg/Tag – und damit nicht nur einer, nicht zwei und auch nicht drei, sondern tatsächlich ungefähr 188 Whey Protein Shakes (jeder mit 30g Pulver), die du als 75 kg schwere Person aufnehmen müsstest, um diesen Grenzwert zu überschreiten. Ich denke, nicht einmal die verrücktesten Bodybuilder können diese Mengen täglich zu sich nehmen.

       

Fazit

Persönlich muss ich zugeben, dass es erwähnenswert ist, dass ein Whey Protein – in den meisten Fällen – 3 Mal mehr Quecksilber als Brot, Cerealien, verschiedene Öle und Fette, Zucker und Konservierungsstoffe oder Nüsse enthält und 13-19 Mal mehr Quecksilber, als Früchte und Gemüse (berechnet basierend auf Daten in Großbritannien (5)) – aber NEIN, das ist kein Grund in Panik zu verfallen (unabhängig davon, ob du nun mehr oder weniger Quecksilber durch deine Amalgamfüllungen aufnimmst)

Studien werden dir sagen, dass die tägliche Aufnahme von Amalgamfüllungen irgendwas zwischen <1µg bis 17µg ist und diese basieren nicht auf einem Sponsoring. Es gibt auch keinen Konsens darüber, ob du deine Amalagamfüllungen entfernen solltest (7) oder nicht (8) und dich dadurch dem Risiko einer erhöhten Quecksilberexposition während der Entfernung aussetzt.


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Über Adel Moussa

Adel Moussa: “In den Seminaren die ich im Fachbereich Physik an der Uni halte, geht es darum den Studenten Daten, Fakten und Techniken zu vermitteln, die – obschon sie nichts mit Religion zu tun haben – so sicher sind, wie das sprichwörtliche “Amen in der Kirche”. Gerade das aber, also “Daten und Fakten” findet man im Internet kaum, wenn man nach Informationen über Training, Ernährung und Nahrungsergängzungsmitteln sucht. Das war jedenfalls vor ca. 4 Jahren so, und Grund genug für mich meinen eigene Blog zum Thema zu starten.

Der Name “SuppVersity” – Ihr hört schon, da stecken die Worte “University” und Supplement” drin – ist Programm. Unter www.suppversity.com nehme ich dort täglich die neusten Studien aus den Gebieten Training, Ernährung und Gesundheit unter die Lupe. Immer auf der Suche nach dem, was es vermutlich gar nicht gibt: Dem optimalen Trainings-, Ernährungs und Nahrungsergänzungsplan für mich, Euch und jedermann.”

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Adel Moussa: “In den Seminaren die ich im Fachbereich Physik an der Uni halte, geht es darum den Studenten Daten, Fakten und Techniken zu vermitteln, die – obschon sie nichts mit Religion zu tun haben – so sicher sind, wie das sprichwörtliche “Amen in der Kirche”. Gerade das aber, also “Daten und Fakten” findet man im Internet kaum, wenn man nach Informationen über Training, Ernährung und Nahrungsergängzungsmitteln sucht. Das war jedenfalls vor ca. 4 Jahren so, und Grund genug für mich meinen eigene Blog zum Thema zu starten.

Der Name “SuppVersity” – Ihr hört schon, da stecken die Worte “University” und Supplement” drin – ist Programm. Unter www.suppversity.com nehme ich dort täglich die neusten Studien aus den Gebieten Training, Ernährung und Gesundheit unter die Lupe. Immer auf der Suche nach dem, was es vermutlich gar nicht gibt: Dem optimalen Trainings-, Ernährungs und Nahrungsergänzungsplan für mich, Euch und jedermann.”


          

Quellen & Referenzen

(1) de Aquino, LFMC. (2017): Mercury content in whey protein and potential risk for human health. In: J Food Comp Analysis. URL: https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0889157517300601.

(2) Eggleston, DW. / Nylander, M. (1987): Correlation of dental amalgam with mercury in brain tissue. In: J Pros Dentist. URL: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/3480359.

(3) Bengtsson, UG. / Hylander, LD. (2017): Increased mercury emissions from modern dental amalgams. In: BioMetals. URL: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/28220332.

(4) Burger, J. / Gochfeld, M. (2005): Heavy metals in commercial fish in New Jersey. In: Environ Res. URL: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/16307983.

(5) Rose, M., et al. (2010): Dietary exposure to metals and other elements in the 2006 UK Total Diet Study and some trends over the last 30 years. In: Food Additives and Contaminants. URL: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/20628929.

(6) Rice, DC. (2004): The US EPA reference dose for methylmercury: sources of uncertainty. In: Environmental research. URL: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/15220074.

(7) Folwaczny, M. / Hickel, R. (2002): Should amalgam fillings be removed? In: The Lancet. URL: https://www.researchgate.net/profile/Gianpaolo_Guzzi/publication/10972073_Should_amalgam_fillings_be_removed/links/541c4c0a0cf2218008c5c2c5.pdf.

(8) Larkin, M. (2002): Don’t remove amalgam fillings, urges American Dental Association. In: The Lancet. URL: http://www.oooojournal.net/article/S0140-6736(02)09626-5/abstract.

(9) Gochfeld, M. (2003): Cases of mercury exposure, bioavailability, and absorption. In: Ecotoxicology and Environmental Safety. URL: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/12915150.

(10) Egan, SK., et al. (2002): US Food and Drug Administration’s Total Diet Study: intake of nutritional and toxic elements, 1991–96. In: Food Additives & Contaminants. URL: https://www.tandfonline.com/doi/abs/10.1080/02652030110071354.


Bildquelle Titelbild: Fotolia / Kalim