Buchrezension: Top – Die neue Wissenschaft vom Lernen von Karl Anders Ericsson & Robert Pool

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Buchrezension: Top – Die neue Wissenschaft vom Lernen von Karl Anders Ericsson & Robert Pool

Zuletzt aktualisiert am

Von Robin Köhler | Benötigte Lesezeit: 7 Minuten |


Jeder von uns kennt es – das Bedürfnis in einem Gebiet zur absoluten Spitze der Gesellschaft gehören zu wollen. Für manche trifft das mehr zu, für andere weniger, aber irgendwann im Leben hat einen bestimmt schon mal der Ehrgeiz gepackt, um eine Sache ganz besonders gut machen zu wollen.

Wir bewundern sie, verfolgen ihre Rekorde im Fernsehen und wollen manchmal ganz genauso sein wie sie – die Rede ist von Olympiasiegern, Weltklassekomponisten usw. Diese, zur absoluten Weltspitze gehörenden, Persönlichkeiten und die breitere Gesellschaft lernen jedoch – anders als gedacht – auf die gleiche Weise.

Vom Konzept des bewussten Lernens können sich sowohl Experten als auch der Ottonormalverbraucher noch einiges abschauen.

Buchrezension: Top – Die neue Wissenschaft vom Lernen von Karl Anders Ericsson & Robert Pool

Top – Die neue Wissenschaft vom bewussten Lernen | Steckbrief

  • Buchtitel: Top – Die neue Wissenschaft vom Lernen
  • Originaltitel: Peak – Secrets from the New Science of ExpertiseBuchrezension: Top – Die neue Wissenschaft vom Lernen von Karl Anders Ericsson & Robert Pool
  • Buchautoren: Karl Anders Ericsson & Robert Pool
  • Verlag: Pattloch
  • Genre: Psychologie & Hilfe
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN: 3629130798
  • Seiten: 384
  • Preis: 19,99 € (Taschenbuch) / 17,99 € (Kindle)
  • Kauflink: Amazon.de

Top – Die neue Wissenschaft vom bewussten Lernen | Zum Buch

Das Buch gibt es bei allen großen Online-Versandhäusern. Auf Amazon beläuft sich der Preis auf 19,99€ für die gebundene Ausgabe mit schlichtem Hardcover (und unwesentlich weniger, nämlich 17,99 €, für die Kindle Version).

Wer des Englischen mächtig ist, der kann ein paar Euronen sparen, indem er zur englischen Buchversion greift. Unter dem Titel „Peak (International Edition): Secrets from the New Science of Expertise“ gibt es das Werk für 13,99 € auf Amazon und für 0,00 € mit Kindle Unlimited (bzw. als Hörbuch über Audible).

Mit ca. 380 Seiten ist es ein mittellanges, jedoch sehr wissenschaftlich basiertes Buch, daher lohnt es sich durchaus einen zweiten Blick nach erstmaligem Lesen zu riskieren.

Zu den Autoren | K. Anders Ericsson & Robert Pool

Karl Anders Ericsson

Der erste Teil des Autorenteams heißt K. Anders Ericsson, geboren im Jahr 1947, ist ein schwedischer Psychologe und hält aktuell eine Professur für Psychologie an der Florida State University.

Der wohl weltweit beste Wissenschaftler auf dem Gebiet der „Expert Performance“, ist international anerkannt für seine jahrelange psychologische Forschung in der Erlangung von Expertise und menschlicher Leistungsfähigkeit. Diese hat letztendlich auch zu dem vorliegenden Buch geführt.

Weitere Bücher seiner Feder sind

Robert Pool

Der zweite Teil des Autorenteams ist Robert Pool, ein Wissenschaftsredakteur, spezialisiert auf Wissenschaft und Technologie jeglicher Art. Er schreibt in regelmäßigen Abständen für die Zeitschriften Science und Nature.

Bevor er sich als Co-Autor diesem Buch gewidmet hat, hat er jedoch auch eigene Bücher veröffentlich, dazu gehören u. a.

Top – Die neue Wissenschaft vom bewussten Lernen | Inhaltsverzeichnis

  • Vorbemerkung der Autoren
  • Einführung: Die Gabe
  • Die Wirksamkeit des gezielten Übens
  • Die Anpassungsfähigkeit nutzen
  • Mentale Repräsentationen
  • Der Königsweg
  • Die Prinzipien des bewussten Lernens im Arbeitsleben
  • Die Prinzipien des bewussten Lernens im Alltag
  • Der Weg zu außergewöhnlicher Leistung
  • Und was ist mit dem Naturtalent?
  • Wie geht es jetzt weiter?
  • Dank
  • Anmerkungen

Top – Die neue Wissenschaft vom bewussten Lernen | Zum Inhalt

Das bewusste Lernen

Der Titel dieses Buches spiegelt auch das zentrale Thema wider: Bewusstes Lernen sowie der Thematik dahinter und seiner praktischen Umsetzung (mit allen seinen Vorteilen).

Das bewusste Lernen unterscheidet sich für Ericsson vom traditionellen Weg wie folgt:

Traditionell liegt das Hauptaugenmerk fast immer auf Wissen. Es kommt vor, dass sie letztlich jemanden befähigt, etwas Bestimmtes zu tun – etwa ein bestimmtes mathematisches Problem zu lösen oder einen guten Aufsatz zu schreiben -, aber die traditionelle Methode besteht darin, Informationen über die richtige Art des Vorgehens zu liefern und sich dann weitgehend darauf zu verlassen, dass der Lernende dieses Wissen auch anwendet. Die Methode des bewussten Lernens hingegen konzentriert sich ausschließlich auf die tatsächliche Leistung und wie sie verbessert werden kann.“

Das bewusste Lernen vollzieht sich folglich also aus dem TUN und WIEDERHOLEN, der Aufgabe, der man sich gerade widmet. Wichtig ist auch, dass man sein Üben immer wieder dem neuen Wissensstand anpasst und somit seine eigenen Fortschritte kontrolliert. Gezieltes Üben heißt mentale Repräsentationen zu erstellen.

„Erfolgreiche mentale Repräsentationen sind nicht nur mit Gedanken verknüpft, sondern auch untrennbar mit Handlungen, denn es ist das ausgiebige Üben – verbunden mit dem Ziel, die Vorlage zu reproduzieren -, das zu den gewünschten mentalen Repräsentationen führt.“

In vielen Professionen können diese durch das bewusste Lernen geschaffen werden, die einem ermöglichen schneller Fortschritte zu erzielen. Vergleichbar sind diese mit praktischen Hilfestellungen beim Lernen neuer Dinge, wie etwa das Kauen eines bestimmten Kaugummis oder die Verwendung eines bestimmten Parfüms mit ausgedehnter, mehrfacher Wiederholung während des Lernprozesses und in der Klausur. Durch diese bewusst geschaffenen Sinneswahrnehmungen bilden sich vermehrt mentale Repräsentationen des Gelernten.

Der praktische Weg

Viele Leser werden jetzt sagen: Bewusstes Lernen schön und gut, aber was bringt mir diese „Technik“?

Auch auf diese Frage finden Ericsson und Pool eine Antwort in ihrem Kapitel „Die Prinzipien des bewussten Lernens im Alltag“. Sei es als absoluter Nicht-Golfer mit 30 Jahren Golfprofi zu werden oder als 69-jähriger Rentner in einem Zeitraum von 11 Jahren den schwarzen Gurt im Taekwondo (und somit die höchste Auszeichnung dieser Sportart) in den Händen zu halten. Dem Bewussten Lernen scheinen keine Grenzen gesetzt zu sein – zumindest nicht, was das Alter und die Individualität der Aufgabe, betrifft.

Als ersten Schritt empfiehlt Ericsson sich einen guten Lehrer zu suchen. Dazu gehört auch, sich eventuell Einzelstunden zu nehmen. Durch einen Lehrer muss man den „Trial-and-Error“-Weg nicht allein gehen, was das bewerten von Fehlern und ehrlichem Feedback deutlich einfacher macht – denn wer will sich schon subjektiv eingestehen, dass er etwas Bestimmtes doch nicht tun können. Doch es reicht nicht nur einen Lehrer haben. Dieser muss auch zu dem eigenen Leistungsstand passen und kann vorteilhafterweise einen pädagogischen Hintergrund haben. Interessante einzuholende Erfahrungen können die Berufserfahrung oder Feedback früherer Schüler sein.

Im zweiten Schritt ist die Konzentration der wichtigste Punkt: Man muss gezielt Üben. Fokussierung als grundlegendes Element für einzelne Übungsstunden, sowie einen über einen längeren Zeitraum gestalteten Trainingsplan mit bewussten Zielen pro Einheit.

„Das Einüben einer solchen Methode zum bewussten Entwickeln und Verfeinern der eigenen Fähigkeiten ist einer der wirksamsten Wege zur Steigerung der Effektivität des Lernens.“

Es gilt sich auf jeden Versuch, jeden Armzug beim Schwimmen oder jeden vollführten Schachzug, innerlich vorzubereiten und bereit zu sein. Wenn ein solch gezieltes Üben regelmäßig stattfindet, dann wird man verblüfft sein, welche Fortschritte man machen wird. Menschen, die bisher nicht in dieser Form geübt haben, sollten zunächst darauf achten die Trainingseinheiten möglichst kurz zu halten bzw. die Einheit dann zu beenden, wenn die Konzentration schwinden sollte. Ein weiterer Erfolgsfaktor für bessere Konzentration ist ein regelmäßiger Schlaf zwischen 7-8 Stunden. Sollte einem die Einheit wirklich zu schaffen gemacht haben, kann man auch einen Mittagsschlaf einbauen.

Doch nicht alle von uns haben einen Lehrer parat und dies kann unterschiedliche Gründe haben. Sei es, dass es zu teuer wäre oder dass es in der Nähe niemanden mit genug Potenzial gibt. Doch natürlich kann man bewusstes Lernen auch ohne Lehrer schaffen. Laut Ericsson kann ein Konzept so aussehen:

„Wer ohne Lehrer üben will, sollte sich die Abkürzung KFK merken: Konzentration, Feedback, Korrektur. Unterteilen Sie die Fertigkeit in einzelne Segmente, die sich beliebig oft wiederholen lassen, analysieren Sie Ihre Leistung möglichst objektiv, ermitteln Sie Ihre Schwächen und finden Sie einen Weg, sie zu beseitigen.“

Und mit diesem Konzept wären sie nicht allein – selbst Franklin hat es so von einem durchschnittlichen Schreiberling zu einem der am weltweit meist beachtesten Schriftsteller des letzten Jahrhunderts geübt.

Die Lösung, wenn die Motivation fehlt

Jedoch ist es meist unvermeidlich, dass man zum einen ab einem bestimmten Punkt stagniert und zum anderen dadurch die Motivation verlieren kann. Doch auch für diese beiden auftretenden Probleme haben die Autoren eine Lösung parat.

Zum einen kann man in einem solchen Fall die Art der Übungen verändern, um somit einen neuen Stimulus zu setzen. Zum anderen kann man sich bewusst ein höheres Ziel stecken, um in diesem Training vermehrt Fehler zu machen und sich so automatisch im nächsten Training zu steigern. Den Crossfit-Trainern unter uns wird ein solches Training als „threshold-training“ bekannt sein (ein im Crossfit häufig eingesetztes Konzept zum Programmieren der Trainingseinheiten)

Ericsson bezeichnet es als sehr viel interessanter, sich mit dem grundlegenden Konzept der Motivation zu befassen, als mit der Frage, wieso es denn plötzlich an Motivation fehlt. So haben viele Menschen mit der Zeit Gewohnheiten oder Konzepte entwickelt, die sie dazu drängen bei der Stange zu bleiben. Es hängt grundlegend von zwei Faktoren ab:

„den Gründen weiterzumachen und den Gründen aufzugeben. Wenn man seine Bemühungen einstellt, ein bestimmtes Ziel zu erreichen, haben sich die Gründe aufzugeben gegen die Gründe weiterzumachen, durchgesetzt.“

So ist jemand, der seine Trainingstasche mit zur Arbeit bringt, um nach jener im 300 Meter entfernten Fitnessstudio zu trainieren, näher an seinen individuellen Zielen – einfach, weil es für ihn kein großer Aufwand mehr ist und er eine feste Zeit hat, zu der er trainieren geht.

Doch natürlich gibt es dahingehend unterschiedliche Erfolgsfaktoren zur Zielerreichung, die individuell beeinflussbar sind. Diese wären:

Die außergewöhnliche Leistung

Alle diese Verheißungen haben schöne Namen und klingen äußerst verheißungsvoll, doch wie sieht ein Weg zu außergewöhnlicher Leistung denn jetzt aus? Dieser Frage gehen Ericsson und Pool in ihrem 7. Kapitel „Der Weg zu außergewöhnlicher Leistung“ am Beispiel der Polgár-Schwestern, die begeisterten Schachspielern bestimmt ein Begriff sind, nach.

Das Ehepaar Polgár wollte ihre Töchter zu den besten Schachspielerinnen der Welt machen. Alles fing an mit einer eher zufälligen Bewegung mit Schachfiguren der jungen Mädchen, dadurch dass sie die Figuren in einem spielerischen Kontext und ohne den späteren Bezug zum Schachspiel kennenlernen konnten, entwickelten sie ein ungezwungenes Spaßgefühl. Erst danach folgte das Verständnis, das einer tieferen Logik beiwohnt. Wichtig erscheint zudem das Lehren des Trainers – er sollte so häufig wie möglich nach dem „Warum“ fragen und nicht nach dem „Wie“.

Erst durch ein solches tiefergehendes Beschäftigen mit Problemen rund um eine Thematik, lernt das Kind mit Herausforderungen umzugehen und eine Eigenmotivation zu entwickeln. Diese Punkte können dazu führen, dass ein Mensch in einem Bereich nach sehr ausdauerndem Üben zu außergewöhnlichen Leistungen fähig ist.

Ich könnte jetzt noch viel mehr schreiben, aber ich glaube, dann wird die Rezension entschieden zu lang. Als kleines Schmankerl beider Autoren am Ende des Buches folgt im letzten Kapitel eine Analyse der sogenannten Naturtalente.

Er analysiert, inwiefern eine „Superkraft“ angeboren sein kann. Wer mehr dazu erfahren möchte, sollte sich am besten das Buch besorgen und selbst nachschmökern.

       

Top – Die neue Wissenschaft vom bewussten Lernen | Fazit

Das Buch „Top – die neue Wissenschaft von (bewussten) Lernen“ von K. Anders Ericsson und Robert Pool hat mich von den ersten Seiten an gepackt … und ich habe dieses Buch nicht nur einmal gelesen. Dazu muss gesagt werden, dass es mir als Psychologie-Student, sicherlich leichter fällt mich für ein solches Thema zu begeistern als andere.

Nichtsdestotrotz versucht Ericsson seine Theorie, basierend auf jahrzehntelanger Forschung, aufs einfachste Herunterzubrechen und somit allen Lesern begreiflich zu machen. Ich persönlich finde, das ist ihm außerordentlich gut gelungen und es werden viele Beispiele und Theorien erläutert, wieso man diese Art des Lernens in seinen persönlichen Alltag einbauen sollte und wie dies schlussendlich gelingt, falls man sich dazu entschließt. Weiter muss jedoch gesagt werden, dass diese Rezension, aufgrund der Komplexität des Buches nur einen Bruchteil eines jenen wiedergeben kann.

Für mich ist dieses Buch eine ganz klare Empfehlung an jeden, der sich in welchem Lebensbereich auch immer weiterentwickeln und vor persönliche Herausforderungen stellen möchte – sei es der Spitzensportler oder der Otto-Normalverbraucher. Mit einem solchen „Notfall-Plan“ an der Hand kann es gelingen ganz entscheidende Fortschritte zu erzielen, Herausforderungen zu meistern und das eigene Leben neu auszurichten.

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Top – Die neue Wissenschaft vom bewussten Lernen | Fazit


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Bildquelle Titelbild: Pattloch Verlag / Amazon


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